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Markkleeberg Verräterisch intime Töne aus Claras Leben
Region Markkleeberg Verräterisch intime Töne aus Claras Leben
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19:01 10.07.2019
Der Spiegelsaal war bei der Sommerserenade im Weißen Haus voll besetzt. Quelle: Christian Kern
Markkleeberg

Soirées und Serenaden können fast unverschämt intim sein. Das erlebten die Gäste der Herfurthschen Hausmusik kürzlich im Weißen Haus. Im Spiegelsaal heizte die Atmosphäre kräftig auf, weil Gudrun Franke Diskretion wahrte und nur in Andeutungen über intime Interna aus dem Leben von Leipzigs großer Jubilarin Clara Schumann sprach.

Seit Januar rückt die Pianistin, Komponistin und Pädagogin immer mehr in den Fokus dieses Kulturjahres im Weißen Haus. Die Feierlichkeiten der Reihe Clara19 gipfeln in der Woche ihres 200. Geburtstags am 13. September, wenn das Gewandhaus sie mit musikalischen Ehrungen überhäufen und das Schumann-Haus mit der Eröffnung einer neuen, genderkorrekten Dauerpräsentation der Leipziger Jahre von Clara und Robert durch die renommierte Musikwissenschaftlerin Beatrix Borchard ehren wird.

Konzertreihe erreicht mit der Sommerserenade den Zenit

Doch in keiner Location kommt man so „in touch“ mit Clara wie im Weißen Haus, wo die Neue Chopin-Gesellschaft deren musikalischem Leben eine zehnteilige Konzertreihe widmet. Diese erreicht ihren Zenit im nicht ganz korrekt Sommerserenade genannten sechsten Konzert. Denn eine Serenade beginnt frühestens in der Abenddämmerung, doch das mit köstlichem Kuchen und einer zweiten Pause auf drei Stunden verlängerte Programm endete bereits am helllichten Spätnachmittag. Das Opus zu dessen Beginn dürfte für Clara wohl zu den weniger schönen „Begegnungen in Düsseldorf“ gezählt haben. Trotz der Seelen-Freundschaft mit Johannes Brahms brachte die Zeit nach Roberts Tod der erst 37-jährigen Witwe wenig Glück. Zwar gestaltete der Schüler Theodor Kirchner mustergültige Arrangements wie zu Roberts op. 46, das er von der eigenwilligen Besetzung für zwei Klaviere und zwei Celli in eine Version zu Klavier für vier Hände brachte, doch für die Spielsucht ihres potenziellen Liebhabers konnte sich die siebenfache Mutter nicht begeistern. Marija Horenko und Jana Poljanovskaja legten über den weichen Kern des harmonisch aufregenden Stücks einen härtenden Klangpanzer. Das war der Beginn einer Dreiergruppe von Arrangements, die neben zwei von Alexander Meinel und der Violinsolistin Kathrin ten Hagen in bohemienhafter Spiellust durchfegten Ungarischen Tänzen Brahms’ als Höhepunkt drei Romanzen Claras für Oboe und Klavier brachten. Constanze Smettan bereichert das Bild Claras um einen verwegenen Zug mit virtuosen Eskapaden. Nicht nur, weil Lin Qing ein Meister auf seinem Instrument ist, gewinnt der Oboenklang in der Nähe zu den Hörern ganz andere und weitaus sinnlichere Facetten als in der Distanz zum Podium im Auditorium eines Konzertsaals. Dieser Erfahrungsgewinn ist wie der umfangreiche dritte Teil das überzeugendste Argument für die künstlerische Notwendigkeit der Konzerte im Weißen Haus.

Am 22. September beginnt die Nachlese

Anders als Cosima und Richard Wagner, die in München heftige Schmähreden gegen Emanuel Geibel führten, gehörte dieser zu Roberts und Claras bevorzugten Lyrikern, den beide gern und oft vertonten. So auch im leider nur selten zu hörenden Spanischen Liederspiel op.74. Heiko Reintzsch brachte gleich vier prachtvoll gestaltende Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ mit, die er mit herausfordernden Akkordgriffen gegen Sentimentalität und Säuseln wappnete. Sina Günther, Kristýna Roháčkova, Gabriel Henrique Pereira und Juan Vincent Hoppe zeigten, was für eine Beglückung die akustische Nähe eines Salons bedeuten kann. Dafür war der Schlussapplaus von dezenter Noblesse. Zu den glücklichen Besuchern des Konzerts, in dem Paul Gertischkes Vortrag von Claras Klavier-Romanze a-moll zum idyllisch ausschwingenden Intermezzo wurde, gehörte auch die mit der Thomas-Müntzer-Medaille geehrte Vorsitzende des Bürgerbündnisses Pro Agra-Park, Brigitte Wiebelitz. Mit der nächsten Herfurthschen Hausmusik „Liebe verehrte Klara...“ am 22. September beginnt bereits die Nachlese zum großen Clara-Wochenende vom 13. bis zum 15. September.

Von Roland H. Dippel

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