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Markranstädt Brandgefahr: Feuerwehr setzt auf Hilfe von Landwirten im Kreis Leipzig
Region Markranstädt Brandgefahr: Feuerwehr setzt auf Hilfe von Landwirten im Kreis Leipzig
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17:03 02.07.2019
Der Feldbrand zwischen Grimma und Großbothen breitete sich auf einer Fläche von fast zwölf Hektar aus. Quelle: Frank Schmidt
Leipzig

Die anhaltende Trockenheit hat den Landkreis Leipzig weiterhin fest im Griff. Gleich mehrfach mussten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren in den vergangenen Tagen zu Feldbränden ausrücken – zum Teil wurden Einsatzkräfte verletzt. Der ausbleibende Niederschlag erhöht die Brandgefahr in der Land- und Forstwirtschaft. Besonders in der Erntezeit sei das Risiko hoch, weiß Mike Köhler, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Landkreis Leipzig. „Solange es trocken ist, bleibt die Gefahr so hoch. Vor allem bei Mähdreschern kann schnell ein Stein in das Fuhrwerk geraten und einen Funken verursachen“, so der Oberbrandmeister. Die Feuerwehren im Landkreis seien darauf vorbereitet, Köhler hält die Wahrscheinlichkeit weiterer Brände in den kommenden Tagen für hoch.

Feuerwehr appelliert an Landwirte Wasserfässer in der Nähe zu haben

„Bei den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Leipzig gibt es natürlich keine Urlaubssperren, aber alle sind auf die aktuelle Situation vorbereitet. Es werden Absprachen getroffen und auf eine schnelle Einsatzbereitschaft geachtet“, erklärt Köhler weiter. Trotz der Vorbereitungen sei eine Prävention der Flächenbrände enorm wichtig. So würden einige Landwirte bei der Ernte oder anderen Arbeiten auf dem Feld bereits Wasserfässer bereitstellen, um im Ernstfall sofort eingreifen zu können. Der Verbandssprecher weiter: „Wir appellieren an alle Landwirte sich auf diese Weise vorzubereiten – es reduziert schließlich auch den entstandenen Schaden auf den Feldern.“

Brand in Kitzscher: Landwirte nutzten Wassertanks und Feuerlöscher

Auch in Kitzscher ist es am Dienstagnachmittag zu einem Feldbrand gekommen. Gleich mehrere Wehren waren im Einsatz, um den Brand auf einem rund 100 mal 500 Meter großen Feld in der Nähe von Dittmansdorf zu löschen. Tanklöschfahrzeuge kamen sowohl aus Kitzscher und Borna als auch aus Flößberg. „Mehr als 30 Kameraden waren ab 13.30 Uhr vor Ort“, sagte Einsatzleiter Kai Noeske, stellvertretender Kreisbrandmeister. Unterstützung der Wehr kam von den Landwirten. Sie löschten mit Hilfe eines Wassertanks. Laut Noeske war der Brand durch Mäharbeiten gleich an zwei Stellen ausgebrochen. Während eine Brandstelle schnell mit Hilfe eines Wasserlöschers in den Griff zu kriegen war, breitete sich das Feuer von der zweiten Stelle schnell aus.

Rund 30 Kameraden löschten den Brand, der bei Mäharbeiten in der Nähe von Kitzscher ausgebrochen war. Quelle: Feuerwehr Borna

Brandeinsatz in Großbothen hätte vielleicht verhindert werden können

Ein schnelles Eingreifen durch bereitstehende Wassertanks hätte auch die Ausmaße des Feldbrands in der Nähe von Grimma einschränken können. Wie berichtet, loderten am Montag auf einem etwa zehn bis zwölf Hektar großen und bereits abgeernteten Gerstenfeld bei Großbothen Flammen auf und bedrohten den angrenzenden Wald und nahe liegende Wohngrundstücke. „Nur einem umfangreichen materiellen und personellen Einsatz unserer Feuerwehren ist es zu verdanken, dass es nicht zu Schäden an den Wohngebäuden selbst kam. Deshalb auch im Namen der Großbothener Anwohner, welche mit einem blauen Auge davon kamen und sich im Nachgang mit der Bitte um Weiterleitung des Dankes an mich wandten, ein herzliches Dankeschön für euren Einsatz“, schreibt Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos).

Quelle: Frank Schmidt

Gleichwohl Berger nicht explizit davon spricht, formuliert er in seinem Schreiben den unterschwelligen Vorwurf, dass in diesem Fall ein Stück weit Fahrlässigkeit im Spiel war. „Die Größe des Einsatzes als auch das Verhalten des Flächenbenutzers bei diesem Brand haben uns veranlasst, sämtliche Landwirtschaftsbetriebe unserer Stadt noch einmal darauf hinzuweisen, dass diese selbst präventiv für den Brandschutz bei Erntearbeiten aktiv werden müssen. Dies kann durch entsprechende Vorarbeiten an den Feldrändern als auch durch die permanente Bereitstellung von Wasser gewährleistet werden, um sofort eingreifen zu können. Eine entsprechende Handlungsempfehlung ist in Erarbeitung und wird an unsere Landwirtschaftsbetriebe zeitnah durch die Stadtverwaltung versandt.“

Kritik an verantwortlichen Landwirtschaftsbetrieb

Was die Entstehung des Brandes angehe, zeigt sich Berger verschnupft. Denn: Bis gegen 12 Uhr sei die Gerste vom Holm geholt worden. Danach soll es beim Mulchen der Feldränder zu kleineren Brandflächen gekommen sein. Der verantwortliche Landwirtschaftsbetrieb habe zwar in eigener Regie mit Traktor und Egge dahinter versucht, der Lage Herr zu werden. „Nachdem er feststellen musste, dass ihm dies aufgrund der Dimension nicht möglich war, verließ er das Feld“, schreibt Berger und beruft sich dabei auf Aussagen von Augenzeugen. Erst danach erfolgte die Alarmierung der Feuerwehren, bei deren Eintreffen kein Verantwortlicher des Landwirtschaftsbetriebes vor Ort gewesen sein soll.

Wasserversorgung in ländlichen Regionen schwierig

Hat sich der Brand erst ausgebreitet, ist es für die Feuerwehren oft schwierig diesen schnell in den Griff zu bekommen. Das Problem ist fehlendes Löschwasser. „Im ländlichen Bereich ist die Wasserversorgung oft schwierig. Es werden zunehmend Tankwasserfahrzeuge beschafft und eingesetzt. Diese müssen jedoch durch den Pendelverkehr zum Einsatzort gelangen“, berichtet Köhler. So hatte sich auch der Brand bei Röcknitz bis zur Baumgrenze ausbreiten können. Hier hofft der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands auf die Unterstützung der Landwirte. Vielen würden bereits darauf achten, dass sie bei der Ernte den ersten Schnitt am Feldende durchführen. Köhler empfiehlt: „Ein zehn bis 15 Meter breiter Schnitt am Feldrand ist zwar kein Garant, kann das Übergreifen der Brände auf angrenzende Flächen und Wälder aber verhindern.“

Die starke Rauchbildung stellt für Anwohner und Kameraden der Feuerwehr eine Gefahr dar. Quelle: Frank Schmidt

Wichtig sei nun, dass die Risikofaktoren für die Brände reduziert werden und sich die Bevölkerung an das Waldverbot halte. „Die Gefahrenstufe ist sehr hoch, das Betreten der Wälder ist verboten. Offene Feuer sollten sofort gemeldet und gemieden werden“, so der Oberbrandmeister. Eine weitere deutliche Mahnung des Experten: „Keine Zigaretten aus offenen Autofenstern werfen.“

Von Frank Schmidt und Tilman Kortenhaus

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