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Markranstädt „Desaströse Leipziger Schulplanung zu Lasten der Umlandgemeinden“
Region Markranstädt „Desaströse Leipziger Schulplanung zu Lasten der Umlandgemeinden“
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07:01 18.06.2019
Das Markranstädter Gymnasium ist erst seit vergangenem August wieder selbstständig, konnte vorher nur durch die Aufnahme Leipziger Schüler am Leben gehalten werden.
Das Markranstädter Gymnasium ist erst seit vergangenem August wieder selbstständig, konnte vorher nur durch die Aufnahme Leipziger Schüler am Leben gehalten werden. Quelle: Kempner
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 Müssen die Umlandkommunen die Leipziger Schulpolitik ausbaden? Es ist bereits seit Jahren gängige Praxis, dass Kinder aus Leipzig auch die Schulen in Markranstädt, Schkeuditz, Taucha und Markkleeberg besuchen. In Markranstädt führt das mittlerweile zu Unmut. Es habe deshalb ein Gespräch mit Leipzigs Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) gegeben, wie Markranstädts Bürgermeister Jens Spiske (Freie Wähler) im jüngsten Stadtrat mitteilte.

Markranstädt: „Keine dauerhafte Lösung“

„Ich akzeptiere nicht, dass die desaströse Leipziger Schulplanung auf Kosten der Umlandgemeinden geht“, machte Spiske deutlich. Das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) habe am grünen Tisch entschieden, dass die eigentlich auf zwei Züge ausgelegte Oberschule Markranstädt künftig vierzügig laufen soll – auch, um Leipziger Schüler aufnehmen zu können. „Das kann keine dauerhafte Lösung sein, weil das zu Lasten der Qualität geht“, schimpfte Spiske. Deshalb habe es nach der Verfügung des Lasub ein Gespräch bei Leipzigs Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) gegeben. „Da wurde deutlich, dass sich die Situation in den nächsten Jahren nicht ändern wird“, so Spiske. „Entgegen unseres Votums als Schulträger hat das Lasub die Entscheidung getroffen, dass wir Leipziger Schüler aufnehmen müssen.“

Landesamt: „Gymnasien in Markranstädt und Schkeuditz würde es ohne Leipzig gar nicht mehr geben“

Das Landesamt will diese Aussage nicht direkt bestätigen. „Wir sehen eine Solidarität der Umlandgemeinden gegenüber Leipzig in der Aufnahme von Schülern mit Wohlwollen“, sagte Sprecher Roman Schulz auf Nachfrage der LVZ. Er könne bestätigen, dass es einen Termin in Leipzig bei Bürgermeister Fabian gab. „Einzelheiten werden wir nicht kommentieren, es handelt sich schließlich um ein vertrauliches Gespräch.“ Dass das Umland Leipziger Schüler aufnehme, sei nichts ungewöhnliches, so Schulz. Entsprechende Vereinbarungen hätten die Einrichtungen zum Teil vor der Schließung gerettet, sagte er. „Die Gymnasien in Markranstädt und Schkeuditz würde es ohne diese Maßnahme gar nicht mehr geben.“ Die Regionen seien mit Leipzig stark verwachsen, da könne man sich grenzübergreifend solidarisch zeigen. „Wir können die Schüler ja nicht ohne Platz lassen.“

Schkeuditz: „Man kann die Schüler ja nicht auf der Straße sitzen lassen“

So sieht es auch der Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner (CDU). „Das war jahrelang ein Geben und Nehmen“, sagte er auf Nachfrage der LVZ. Es gebe nunmal eine Schulpflicht – und man könne die Schüler ja nicht auf der Straße sitzen lassen. „Im Sinne der interkommunalen Zusammenarbeit helfen wir Leipzig jetzt gern.“ Ohnehin sei das vierzügige Gymnasium in Schkeuditz noch nicht allein mit Kindern aus der eigenen Kommune zu füllen. „Spannend wird es, wenn wir selbst voll sind“, so Bergner. Er sehe eine Belegung über der Kapazität als kritisch an. „Allerdings liegt diese Entscheidung nicht bei den Kommunen.“ Er rechne damit, dass mit dem Schuljahr 2023/24 die Kapazitäten durch eigene Schüler erreicht werden.

Taucha: „Noch ist es bei uns nicht so voll“

In Taucha sei die Lage noch entspannt. „Wir nehmen bereits seit Jahren Schüler aus Leipzig auf und das ist auch völlig in Ordnung“, erklärte Bürgermeister Tobias Meier (FDP). „Noch ist es bei uns nicht so voll.“ Deshalb nehme man je nach Verfügbarkeit auch gern Kinder aus Leipzig.

Markkleeberg: „Wenn noch Platz ist – warum nicht Leipzig helfen?“

Auch in Markkleeberg ist es seit vielen Jahren Praxis, dass auch Leipziger Kinder die Schulen besuchen. „Wenn in den neu zu bildenden Klassen Plätze frei sind, nehmen wir sehr gern Schüler aus Leipzig auf“, so Oberbürgermeister Karsten Schütze. „Das passiert immer im gegenseitigen Einvernehmen.“ Allerdings laufe auch das einst dreieinhalbzügige Gymnasium in Markkleeberg mittlerweile mit fünf Zügen. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass wir jedem Markkleeberger Kind einen Schulplatz garantieren können“, so Schütze. „Aber wenn dann noch Platz ist – warum nicht Leipzig helfen?“

Von Linda Polenz

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