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Markranstädt Ihr Herz schlug für Markranstädt – die Stadt nimmt Abschied von Ilse Pfannenberg
Region Markranstädt Ihr Herz schlug für Markranstädt – die Stadt nimmt Abschied von Ilse Pfannenberg
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07:31 14.08.2019
Anlässlich von Ilse Pfannenbergs 90. Geburtstag im Juli 2014 überreichte Bürgermeister Jens Spiske (links) der Jubilarin die Ehrenurkunde der Stadt Markranstädt. Sohn Andreas (Mitte) trat in die Fußstapfen seiner Eltern, wurde 2015 Hamburgs „Familienunternehmer des Jahres“. Quelle: privat
Markranstädt

Wenn an diesem Freitag um 13 Uhr ungewöhnlich viele Menschen die Bänke der MarkranstädterSt. Laurentiuskirche füllen, dann nicht wegen eines Gottesdienstes. Markranstädt nimmt Abschied von einer seiner bedeutendsten Persönlichkeiten. Trotz ihres bemerkenswerten Handelns für die Entwicklung der Stadt und das Wohl ihrer Menschen ist die Ende Juni im Alter von 94 Jahren verstorbene Ilse Pfannenberg aber nicht allen Markranstädtern bekannt. Wie passt das zusammen? Und wer war die Frau, deren Name jetzt in aller Munde ist und vor der sich die Stadt verneigt?

Umzug nach Bonn, dann nach Hamburg

Als Ilse Steingrüber wurde Ilse Pfannenberg im Jahr 1924 in Markranstädt geboren, wuchs dort auf, ging hier zur Schule und absolvierte eine kaufmännische Lehre. Im Jahr 1954 lernte Ilse Steingrüber ihren späteren Mann Otto Pfannenberg kennen, zog mit ihm erst nach Bonn, dann nach Hamburg. In einer alten Garage gründeten beide einen kleinen Elektrobetrieb. Aus ihm erwuchs die spätere Pfannenberg Europe GmbH, die heute mit mehreren Hundert Mitarbeitern weltweit Elektrotechnik für Industrieanlagen entwickelt, fertigt und liefert.

Die Heimatstadt stets im Herzen

Auch wenn zwischen Hamburg und Markranstädt fast 400 Autokilometer liegen und der Weg bis 1989 von Mauern und Stacheldraht versperrt wurde, hat Ilse Pfannenberg ihre Heimatstadt immer in ihrem Herzen getragen. Kaum ein Jahr, in dem sie Markranstädt nicht besuchte und so den persönlichen Kontakt zu Freunden, Bekannten und Vereinen aufrechterhielt. Durch diesen intensiven Austausch erfuhr Ilse Pfannenberg auch, woran es den Markranstädtern in Zeiten der DDR-Mangelwirtschaft fehlte. Und die Unternehmerin half – vor der deutschen Wiedervereinigung und auch danach. Ilse Pfannenberg besorgte Musikinstrumente für den Spielmannszug, unterstützte die Handballer, spendete für den Kinderfestverein und besorgte den sangeslustigen Stammtischlern die Bühnentechnik. Auch der Aufstieg des MCC zur karnevalistischen Hochburg ist eng mit dem Namen Ilse Pfannenberg verknüpft.

Kleine Dinge, große Wirkung

Manchmal waren es aus heutiger Sicht ganz kleine Dinge, mit denen sie große Wirkung erzielte. Frank Stierke, damals Karnevalspräsident und bis zuletzt auch privat eng mit Ilse Pfannenberg befreundet, erinnert sich: „In der DDR gab’s keine Karnevalsorden. Plötzlich kam ein unheimlich schweres Paket für uns an. Als wir es öffneten, fielen uns fast die Augen aus. Solche Orden kannten wir noch nicht mal aus dem Westfernsehen!“

Wie sehr Ilse Pfannenberg nicht zuletzt die Kirche ihrer Heimatstadt am Herzen lag, weiß Pfarrer Michael Zemmrich: „Die Gemeinde ist ihr sehr dankbar. Für den Erhalt der St. Laurentiuskirche, das Wahrzeichen unserer Stadt, hat sie großzügig gesorgt – sowohl zu DDR-Zeiten als auch danach durch ihre Unterstützung des Fördervereins.“

Ehrenbürgerschaft? Leider nein

Ein 2014 von Vereinen und Privatpersonen initiierter Antrag, Ilse Pfannenberg die Ehrenbürgerschaft der Stadt Markranstädt zu verleihen, kam aus formellen Gründen leider nicht zur Entscheidung. Sie hätte sich über die Ehrung gefreut, schrieb ihr Sohn Andreas an die Initiatoren. Am Ende konnte sie sich jedoch über viel mehr freuen. Die in einer kleinen Akte gesammelten Begründungen, mit denen die Markranstädter Menschen und Vereine dem Antrag Gewicht verleihen wollten, lesen sich wie die Dokumentation des sozialen Lebenswerkes von Ilse Pfannenberg. Ein vom Bürgertum gesetztes Denkmal für eine bedeutende Tochter der Stadt.

Gedenkfeier am Freitag

Ilse Pfannenberg hat sich für all das nie in den Vordergrund gespielt. Sie half um des Helfens Willen – unauffällig, geradezu leise. Die bescheidene Frau hatte nur einen Wunsch: Sie wollte in ihrer Heimatstadt zur letzten Ruhe gebettet werden. Der Förderverein zur Erhaltung der St. Laurentiuskirche hat die Fäden in die Hand genommen und lädt für Freitag ab 13 Uhr zu einer Gedenkfeier ein. Die anschließende Urnenbeisetzung auf dem Markranstädter Friedhof findet auf Ilse Pfannenbergs Wunsch im engsten Familienkreis statt.

Von Rainer Küster

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