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Markranstädt Graichen: „Landkreis muss seine Interessen selbstbewusster vertreten“
Region Markranstädt Graichen: „Landkreis muss seine Interessen selbstbewusster vertreten“
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14:39 20.01.2019
Der traditionelle Neujahrsempfang des Landrates im Kulturhaus Großstolpen wurde von Tanzklassen der Musikschule „Ottmar Gerster“ umrahmt. Die Tanzklasse 9 der Quertänzer Borna begeisterte mit ihrer Darbietung „Verzweigt". Sehen Sie dazu ein Video der Veranstaltung auf www.lvz.de. Quelle: Fotos: Thomas Kube
Landkreis Leipzig/Großstolpen

Nicht wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern selbstbewusst will der Landkreis dem Thema Kohle-Ausstieg begegnen. „Wir erwarten die Empfehlung der Kohlekommission, wie es mit der Braunkohleverstromung im Mitteldeutschen Revier weitergehen soll“, erklärte Landrat Henry Graichen (CDU) zum Neujahrsempfang des Landkreises im Kulturhaus Großstolpen – nur wenige Meter von der nächsten Tagebaukante entfernt. Vor rund 200 geladenen Gästen machte er am Freitagabend deutlich, dass die Region dabei konkrete Erwartungen hegt. Der Landkreis sollte viel deutlicher und viel selbstbewusster auftreten, meinte Graichen bezüglich des für den 1. Februar erwarteten Abschlussberichts der Kohle-Kommission. „Deutlicher, weil wir wissen, was Strukturbruch bedeutet. Selbstbewusster, weil heute die Braunkohleverstromung wirtschaftlich darstellbar ist, deutlich zur Wertschöpfung der Region beiträgt und mit der bergbaulichen Hinterlassenschaft verantwortungsbewusst umgegangen wird.“

Zum Neujahrsempfang am Freitagabend in Großstolpen wurden die Ehrenamtspreise des Landkreises verliehen. Für die kulturelle Umrahmung sorgten Tanzschüler der Musikschule „Ottmar Gerster“.

Die Folgen eines Kohle-Ausstiegs für den Kreis seien erheblich. Im Mitteldeutschen Revier, zu dem auch der benachbarte Burgenlandkreis zählt, gehen mehr als 2500 Industriearbeitsplätze in der Kohle und weitere 2000 Jobs, die indirekt an dem Energieträger hängen, verloren, so Graichen. Um auch künftig Perspektiven zu haben, brauche es Jobs mit hoher Wertschöpfung. Hier sei der Bund gefordert, Unterstützung zu leisten und Beihilfen zu gewähren. „Diese Sicherheit verlangen die Menschen, dies verlangen die Unternehmen und dies verlange ich ganz klar und deutlich.“ Konkret kam Graichen auf die Schaffung einer neuen Hochschule zu sprechen, die im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie Akzente setzen und in der Region Wachstum generieren soll. Solche Leuchttürme brauche es dringend.

Neuer Eigenbetrieb ist gestartet

Aber auch der Landkreis selbst macht seine Hausaufgaben, wenn es um die Verbesserung der Standortqualität geht. „Ganz neu ist unser Eigenbetrieb Kultur und Bildung zu Jahresbeginn gestartet“, führte der Kreischef aus. Aufgaben der Volks- und Musikschulen werden künftig unter einem Dach gebündelt und 1,5 Millionen Euro in Borna investiert. Seinen ersten Geburtstag feierte bereits der Eigenbetrieb für Rettungsdienst und Brandschutz. „Hier sind mit dem Neubau von zwei Rettungswachen in Colditz und Markkleeberg ebenfalls größere Investitionen geplant.“ Eigene Akzente will die Kreisverwaltung zudem für Kinder mit Lernschwächen setzen. Geplant ist eine kooperative Ausbildung, die Abgängern der Lernförderschulen in Wurzen, Elstertrebnitz und Borna eine berufliche Chance ermöglicht - hier appellierte Graichen an Unternehmen, sich aktiv einzubringen.

Direkte Kommunikation kommt an

Für den Diskurs über gesellschaftliche Themen wünschte sich der Redner den Austausch von Argumenten – weniger bloße Behauptungen oder vermeintlich einfache Lösungsmuster. Als gutes Beispiel führte Graichen die Staatsregierung unter Michael Kretschmer an, die mit ihrer Diskussions- und Entscheidungsfreude die Sprachlosigkeit in Sachsen beendet habe. „Diese direkte Form der Kommunikation“, so Graichens Eindruck, „kommt auch bei den Bürgern im Landkreis gut an.“

Traditionell wurden beim Neujahrsempfangwieder die Ehrenamtspreise des Landkreises verliehen. Die Auszeichnungen erfolgten in den Kategorien Jugend, Brand- und Katastrophenschutz/Rettungsschutz, Soziales, Sport sowie Sonstige Vereine und Gesellschaft/Politik/Wirtschaft.

Die Tanzklassen der Musikschule „Ottmar Gerster“ sorgten zudem für einen beschwingten Jahresstart. Die Quertänzer Borna, aber auch Tanzgruppen aus Böhlen und Markkleeberg begeisterten die Gäste.

Von Simone Prenzel

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