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Markranstädt LVZ-Autobahntest: Wer fährt schneller von Leipzig nach Borna?
Region Markranstädt LVZ-Autobahntest: Wer fährt schneller von Leipzig nach Borna?
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16:06 05.08.2019
Start ist in der Leipziger City an der LVZ-Hauptredaktion am Peterssteinweg. Ziel die Bornaer Redaktion in der Nähe des Marktes. Testfrage: Wie viel schneller ist der Autobahn-Fahrer? Quelle: Andre Kempner
Leipzig/Borna

 Die Frage ist nicht: Wer ist schneller? Wir gehen schon davon aus, dass es auf der Autobahn zügiger geht. Aber: Wie viel zügiger? Teststrecke ist Leipzig-Borna. Wir treffen uns morgens halb neun vorm LVZ-Haupthaus im Peterssteinweg in der Leipziger City. Fototermin. Dann ist gemeinsamer Start, Punkt 8.37 Uhr. Vereinbart ist, dass wir uns natürlich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten – davon wird es eine Menge geben.

Die Stadt ist ferienleer. Wir stehen nur kurz an der Ampel am Floßplatz, ruckzuck sind wir auf der B 95 an der Rennbahn, nur drei Minuten haben wir gebraucht. Bis zur Agra 80er-Strecke, dann über die maroden Brücken Tempo 60. Mal kurz mit hundert Stundenkilometern unterwegs, vorbei an der Auffahrt zur A 38, bevor die Dauer-Baustellen beginnen.

70er und 50er Zone, Fahrspurverengung, mal ist es zweispurig, dann wieder einspurig – Rötha rückt näher. 8.54 Uhr sind wir an der Autobahnauffahrt – und trennen uns.

Von Rötha weiter auf der Autobahn 72:

Ekkehard Schulreich fährt jetzt über die A72 weiter. Beinahe hätte ich versäumt, hinter Rötha nach rechts abzubiegen – auf die Autobahn, die in voller Länge und Breite zu befahren ich mich seit 2006 bereits sehne. Nun immerhin 9,5 frisch asphaltierte Kilometer bis Borna-Nord, die ich jetzt zum allerersten Mal unter die Reifen nehmen kann. Schneller als bisher von Leipzig in die südlich gelegene Kreisstadt: Jetzt zählt's.

Die Uhr zeigt 8.54 Uhr und der Blick in den Rückspiegel, dass nur ein Teil der Fahrzeugschlange, die ’gen Süden will, mir auf die A 72 folgt. Vielleicht liegt es an dem neuen Vorwegweiser, der nach Chemnitz, Borna und Bad Lausick weiterhin auf die B 95 verweist, für die Autobahn nur Hof und Chemnitz nennt.

Baustelle auf der Autobahn noch bis September

Tempo 120. Auf der Fahrbahn in Richtung Leipzig wird noch gebaut, auch am Parkplatz Hainer See. Espenhain hinter Grün verborgen. Nicht dass ich Entzugserscheinungen hätte, aber wenn man fast drei Jahrzehnte auf dem Weg zur Arbeit fast täglich durch Espenhain rollt, da fehlt etwas. Keine Chance auf ein Gehacktes-Brötchen in Vockerts Fleischerei-Imbiss…

Mehr zur A72

Die Luftaufnahmen zeigen, wie die A72-Riesenbaustelle von oben aus.

Ein weiteres Teilstück der neuen A72 südlich von Leipzig wurde am Freitag freigeben.

LVZ-Redakteur André Böhmer testete die neue Strecke auf Inline-Skates.

Einblicke in die Bautätigkeit an der A72 bei Böhlen.

An der Baustelle stand monatelang ein Autowrack herum.

Runter auf 100, der Uhrturm des Espenhainer Werks wird für Sekunden-Bruchteile sichtbar zwischen den Bäumen. Rechts öffnet sich der Blick auf den Hainer See. Runter auf 80, Anschlussstelle Espenhain, wo es künftig nach Kitzscher geht, Baustelle bis voraussichtlich Ende September. Links, durch eine Barriere getrennt, rollt der Verkehr auf der B 95 durch den Baustellen-Bereich.

Überfahrener Fuchs an der Trasse

Ich darf wieder aufdrehen auf 120, fahre zwischen hohen, schon begrünten Wällen entlang. Ein überfahrener Fuchs zählt zu den ersten Opfern der Trasse. Das langgestreckte Dach des Bornaer Krankenhauses rückt ins Bild. Ein Kilometer bis Borna-Nord, Tempo 80, die Fahrspur reduziert sich gleich auf eine.

Schon bin ich runter, rolle aus auf den Hang der Ausfahrt - und warte an der B-95-Ampel beinahe zwei Minuten. Wenn jetzt meine Kollegin an mir vorbei zöge, das wäre ja… Macht sie nicht. Ich stoppe drei Minuten vor ihr, 9.04 Uhr, vor der Bornaer Redaktion in der Brauhausstraße in der Nähe des Marktes. Ein ausbaufähiger Zeitgewinn.

Entspannter war es auf jeden Fall. Gegenstandslos die Furcht, ich würde den Espenhainer Blitzer vertriefen. Wenn es dann erst ab dem Kreuz Leipzig-Süd auf Autobahn-Niveau rollt, ist viel gewonnen. Bis ich 51-Jähriger in die Rente wechsele, sollte das zweifellos zu schaffen sein.

Mit großem Tamtam wurde die A 72 von Rötha nach Borna am Freitag übergeben. Zuerst durften Skater und Radler sie einweihen. Quelle: Jens Paul Taubert

Von Rötha weiter auf der Bundesstraße 95:

Redakteurin Claudia Carell fährt die alte Strecke über doe B95: Mein Kollege kann jetzt Gas geben, ich zuckle mit vorgeschriebenen 50 über die neue Brücke, dann zurück auf die alte B 95 in Richtung Espenhain. Die neue Autobahn wird nicht von jedem geliebt – aber für Espenhain wird sie hoffentlich ein Segen.

Seit Jahrzehnten düsen Laster und Autos vierspurig durch das Dorf. Sie lärmen und stinken und sind ein wesentlicher Grund dafür, dass seit der Wende fast zwei Drittel der Einwohner wegzogen. In den 90ern lebten 2300 Menschen in Espenhain, derzeit sind es noch rund 800.

Noch immer viel Verkehr in Espenhain

Vor mir ein Kleintransporter und fünf, sechs Autos; hinter mir ein Lkw und noch einige Autos – ich frage mich, ob das jetzt deutlich weniger Fahrzeuge sind als sonst. Hätte vermutet, dass die Straße nun leerer ist. Vielleicht hat es sich noch nicht rumgesprochen mit der Autobahn. Alle fahren vorbildlich 50 – bis zum berühmten Blitzer, dann geben die meisten Gas.

Hinter Espenhain wird es schon wieder einspurig, 70er Zone, dann 50, Spurwechsel und auf dem Kringel durch die neue Brücke. Zurück auf die alte Straße ist ein kurzes Stück 100 Kilometer pro Stunde erlaubt, bevor es mit 70 durch Eula geht.

Die Luftaufnahmen zeigen den aktuellen Stand der Bauarbeiten entlang der A 72 zwischen Borna-Nord und der Anschlussstelle Böhlen-Zwenkau.

Pendler sind Baustellen gewohnt

Pendler dieser Strecke sind es inzwischen gewohnt. Rot-weiße Absperrbarken fast überall. Regelmäßig verändert sich mal dies und jenes. Da kommt eine neue Geschwindigkeitsbegrenzung hinzu, dort wird es einspurig, hier fährt man auf einem Stück neuer Piste.

Borna ist gleich erreicht. 9.05 Uhr passiere ich das Ortseingangsschild. Doch verabredet sind wir an der LVZ-Redaktion in der Brauhausstraße in der Nähe des Marktes. Dazu brauche ich mit einer roten Ampel noch mal zwei Minuten. Mein Kollege wartet schon.

Die vierspurige Straße teilt seit mehr als 40 Jahren den Ort Espenhain - ein Ende ist nun in Sicht. Quelle: Claudia Carell

Fazit:

Von Leipzig-City bis Borna-City fährt man derzeit 27 Minuten mit Autobahn – und 30 Minuten auf der Bundesstraße. Von der Autobahnauffahrt Rötha bis Borna sind es genau zehn Minuten, dieses Stück auf der B 95 dauert 13 Minuten. Der Unterschied ist nicht umwerfend. Zur Erinnerung: Knapp 150 Millionen Euro haben die 9,5 Kilometer Autobahn von Rötha nach Borna gekostet.

Allerdings: Die A 72 ist dennoch zu empfehlen. Erstens um Anwohner der Bundesstraße endlich zu schonen. Und zweitens um den Baustellen zu entgehen. Denn auf der B 95 wird weiterhin gebaut – sie schrumpft. Wenn die A 72 im September auch in der Gegenrichtung von Borna nach Rötha fertig ist, soll der Rückbau der B 95 beginnen – zweispurig mit einem Radweg. Dies soll bis 2021 dauern. So manche Geschwindigkeitsbegrenzung wird es dort geben. Auf der Autobahn wird man wohl bis dahin durchgängig zügig fahren dürfen.

Von Claudia Carell und Ekkehard Schulreich

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