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Markranstädt Markranstädter Oldtimerverein: Ein Austin bezahlt Samantha
Region Markranstädt Markranstädter Oldtimerverein: Ein Austin bezahlt Samantha
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09:03 08.06.2019
Erich Liebisch kann je nach Anlass auch die sächsische Fahne an seinem auf Hochglanz polierten Oldtimer hissen. Quelle: André Kempner
Markranstädt

Wenn Erich Liebisch durch die Straßen rollt, sind ihm und seinen Passagieren staunende und bewundernde Blicke sicher. Ihm, der mit Bowler Hat, Fliege, Weste und Handschuhen distinguiert am Lenkrad sitzt, in seinem schmucken Oldtimer, der „very british“ mit Eleganz und chromblitzenden Lampen besticht. Erst recht, wenn der Union Jack an der vorderen Stoßstange gehisst ist.

Ein Markranstädter und sein Oldtimer – eine Liebe in Bildern

Der Leipziger bietet mit seinem Austin 10 Lichfield mehr an, als nur eine Mitfahrgelegenheit. Es ist ein Lebensgefühl. Der Viertürer wurde am 1. Juli 1935 erstmals in Großbritannien zugelassen, später nach Australien exportiert. 1998 kam er wieder nach Europa und wurde bis 2011 in Holland für Hochzeitsfahrten genutzt. Liebisch hat das Fahrzeug 2016 von einer Familie aus Sangerhausen übernommen. Mit dem Austin 10 Lichfield erarbeitet er nun die Mittel für den Aufbau von „Samantha“...

Samantha ersetzt Isetta

Auch Erich Liebisch ist schon viel herumgekommen. Aus beruflichen Gründen hat es ihn in jungen Jahren nach England verschlagen. Mit einer BMW Isetta kam er dort an, mit seinem ersten Austin Baujahr 1932 kehrte er zurück. Den sah er am Straßenrand stehen und kaufte ihn vom Fleck weg. „Er wurde mit rotem Sekt auf den Namen Samantha getauft, als ich einmal mit zwei jungen Damen zwischen Manchester und Liverpool unterwegs war“, erinnert sich Liebisch schmunzelnd. „Ein Jahr lang bin ich den noch in Deutschland gefahren, bis mich der Zoll aus dem Verkehr gezogen hat“, erzählt der Oldtimer-Fan.

Seitdem hat Liebischs erster Austin mehrere Umzüge hinter sich, setzte ansonsten aber Staub an. Der Vorsatz, ihn aufzuarbeiten, wurde immer wieder verschoben – bis vor mehreren Monaten. Jetzt geht es dem Rost an den Kragen. Unglaublich aufwendige Schweißarbeiten sind jedoch nötig, um erst einmal die Karosserie auf Vordermann zu bringen. Dabei helfen ihm sein technischer Mitarbeiter Heinz Glass und die Mitglieder im Markranstädter Oldtimerverein.

Einmal in der Woche tauscht Rechtsanwalt Liebisch den Anzug gegen den Blaumann und arbeitet in den Räumen des Vereins an seinem ersten Austin. Der umtriebige Liebisch ist damit dank seiner Liebe zu den historischen Fahrzeugen an seine Wurzeln zurückgekehrt. „Ich bin in Markranstädt geboren, getauft worden und habe in Markranstädt geheiratet“, erzählt er. „Ich bin sehr froh, im Oldtimerverein so viel fachkundigen Rat von den engagierten Mitgliedern zu bekommen.“ Es ist die Freude an der alten Technik, die ihn antreibt, aber auch die Verantwortung, diese Technik für die Nachwelt zu erhalten. „Dafür leiste ich meinen Beitrag, der idealistische Gedanke ist mir wichtig und dabei werde ich hier unterstützt“, betont Liebisch.

Oldtimerfreunde pflegen MAF-Tradition

Der Verein hat sein Domizil auf geschichtsträchtigem Grund in den Hallen der einstigen, 1908 gegründeten Markranstädter Automobilfabrik (MAF), in denen einst Hugo Ruppe Automobile baute. Hier hegen und pflegen die Mitglieder ihre historischen Schätze. Nach langem Leerstand haben sie die Gebäude im Jahr 2000 wieder in Schuss gebracht. So mancher „MAF“ der ersten Stunde hat inzwischen seinen Weg zurück nach Markranstädt gefunden und wird jetzt dank privater Initiativen sowie Unterstützung der Stadt liebevoll restauriert. Eine langwierige Aufgabe, denn Ersatzteile gibt’s keine mehr auf dem Markt, die müssen von Spezialfirmen aufwendig angefertigt werden.

Erich Liebisch (mit Melone, Weste und Fliege) im Kreis der engagierten Mitglieder des Oldtimervereins Markranstädt, der die MAF-Tradition pflegt und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Quelle: Kempner

Unter dem Namen LOT „Leipziger Oldtimer Tourismus“ bietet Erich Liebisch Rundfahrten an. „Ich habe ein junges Unternehmen, aber es läuft gut an“, sagt er mit Blick auf die anstehenden Buchungen für Geburtstage und Hochzeiten. Mit 20 PS bringt es der Oldie auf eine Höchstgeschwindigkeit von 89 Stundenkilometern, doch fährt Liebisch höchstens 70 – „aus Respekt vor der Technik“. Und damit niemand seinen Schatz „Schnauferl“ nennt. Den liebevoll gemeinten Begriff hört er gar nicht gerne. Der Motor klinge zwar nicht mehr wie neu, aber er schnaufe noch lange nicht, so sein Credo.

www.leipziger-oldtimer-tourismus.com

Von Gislinde Redepenning

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