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Markranstädt Neunfacher Mordversuch: Fast zwölf Jahre Haft für Brandstifter
Region Markranstädt Neunfacher Mordversuch: Fast zwölf Jahre Haft für Brandstifter
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19:29 28.08.2019
Angeklagter Sven H. ist wegen neunfachen Mordversuchs verurteilt worden. Quelle: Kempner
Markranstädt/Leipzig

Nahezu reglos verfolgte der Mann, der nach Ansicht des Gerichts in Markranstädt beinahe den Tod von neun Menschen verschuldet hat, das Urteil gegen ihn. Für elf Jahre und neun Monate soll Sven H. (36) hinter Gitter. Das entschied die 1. Strafkammer des Leipziger Landgerichts am Mittwochnachmittag. Die Tatvorwürfe lauten unter anderem versuchter Mord in neun Fällen sowie schwere Brandstiftung.

„Es ist die traurige Geschichte eines Mannes mit zwei Gesichtern – wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. Nüchtern sei Sven H. nett, ruhig und aufmerksam, so beschrieben es Nachbarn und Bekannte. Betrunken jedoch völlig unberechenbar und gewalttätig.

So soll er in alkoholisiertem Zustand am 17. Juli 2018 zwischen 4.30 und 5 Uhr in einem Mietshaus in der Zwenkauer Straße die Wohnung seiner On-Off-Freundin Gianna E., die seine unmittelbare Nachbarin im Dachgeschoss war, angezündet und damit den Tod von neun schlafenden Bewohnern in Kauf genommen haben. Mutmaßliches Motiv: Wut über die Frau, weil er sie weder in ihrer Wohnung noch bei einem gemeinsamen Bekannten angetroffen hatte, in dessen Wohnung er zuvor randaliert hatte.

Verteidiger hat Zweifel

Die Wohnung brannte komplett aus, das Gebäude war nach dem Brand unbewohnbar. Laut Aktenlage waren die Schäden erheblich: rund 150 000 Euro an der Bausubstanz und mehrere Zehntausend Euro in den Wohnungen der Mieter. Zum Glück konnte das Haus rechtzeitig evakuiert werden, verletzt wurde niemand.

Weil sich der Angeklagte nicht zum Hauptvorwurf der Brandstiftung äußerte, sondern lediglich andere Anklagepunkte einräumte, blieb die Schuldfrage bis zum letzten der neun Verhandlungstage umstritten. Verteidiger Mario Thomas meinte daher, es gebe Zweifel an der Schuld seines Mandanten, während Staatsanwalt Ulrich Jakob wie auch das Gericht keinen Grund für einen Freispruch sah.

Entziehungsanstalt neben Haft

Sven H. habe durch sein Verhalten schon Stunden vor der Tat eine Spur gelegt, die sich in sein Persönlichkeitsbild füge, so Jagenlauf. Er habe ein Motiv, weil er sich an seiner Freundin rächen wollte. Und er sei kurz vor Feststellung des Brandes um 5.23 Uhr in unmittelbarer Nähe des Tatortes gesehen worden. Auf andere Personen aus dem Umfeld, die als mögliche Täter in Betracht gezogen werden könnten, trifft all dies nach Ansicht des Gerichts nicht zu. Hinweise auf einen unbekannten Dritten gebe es überhaupt nicht. An der Schuld von Sven H. seien „allenfalls theoretische Zweifel erlaubt“, so Jagenlauf.

Feuerwehreinsatz bei dem Brand am 17. Juli 2018 in der Zwenkauer Straße. Quelle: Michael Strohmeyer

Neben der langen Haftstrafe ordnete das Schwurgericht auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der Markranstädter habe die Neigung, nach Alkoholkonsum erhebliche Straftaten zu begehen, begründete die Kammer diese zusätzliche Sanktion. 19 Vorstrafen zwischen 1997 und 2017, unter anderem wegen schweren Raubes, Körperverletzung und Drogendelikten sprechen dafür. Sven H. landete deshalb auch schon mehrmals im Knast. „Dieser Weg“, so der Richter am Ende zu dem Verurteilten, „muss ein Ende haben.“

Von Frank Döring

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