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Markranstädt Premiere für Markranstädter Song mit Video-Clip
Region Markranstädt Premiere für Markranstädter Song mit Video-Clip
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07:03 12.10.2018
Beim HipHop-Workshop für Jugendliche im Jugendclub Markranstädt drehen hier die junge Leute mit Manuel Schmuck und Annemarie ein Video.
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Markranstädt

Sie tragen Namen wie Kollegah, Bushido oder Sido, sind hauptberuflich Rapper und dominieren die Charts der Jugendlichen. Aber was singen die da eigentlich, welche Botschaften transportieren sie und wie entstehen ihre Video-Clips? Im Jugendbegegnungszentrum (JBZ) Markranstädt konnten Teenager in dieser Ferienwoche all das nicht nur erfahren, sondern auch einen eigenen Song schreiben und mit einem selbst aufgenommenen Video abmischen. Heute wird der Clip vor Eltern und Freunden erstmals aufgeführt.

Insgesamt hatten sich 16 Jugendliche für diesen Workshop angemeldet. „Es ist nicht das klassische Teilnehmerfeld unserer Einrichtung“, freut sich JBZ-Chef Martin Kerski. „Viele sind zum ersten Mal hier, angelockt von dem außergewöhnlichen Programm.“ Eine Teilnehmerin komme sogar jeden Tag per Zug aus Bad Dürrenberg angereist.

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Entsprechend der Interessen wurden zunächst drei Gruppen gebildet. Zwei beschäftigen sich mit Text und Komposition, eine mit der Erstellung des Videos. Doch bevor es in die kreative Phase geht, ist erst einmal Theorie angesagt. Was ist Hip-Hop eigentlich, wie entstand der Rap, wie sind die Texte aufgebaut? „Sozusagen ganz nebenbei lernen die Jugendlichen, was man mit Sprache erreichen kann“, weiß Gregor Zocher, einer der beiden Pädagogen, die den Workshop begleiten. Zocher ist selbst Rapper, kennt sich vor allem in der Leipziger Szene gut aus. Er erklärt den Teenagern aber auch, was man mit Hate-Speech, der Hass-Sprache als Schattenseite des Hip-Hop, anrichten kann.

Die Song-Gruppen befassen sich mit unterschiedlichen Themen. Während die Jüngeren einen Titel über das Thema Hobby und Freizeit schreiben, haben sich die Älteren für die Erfahrungen eines in Deutschland angekommenen Flüchtlings entschieden. Beide Storys werden aufgeschrieben, dann entsprechend der Rhythmen in Verse gebracht und schließlich aufgenommen.

Zur gleichen Zeit dreht die Video-Gruppe auf dem Rodelberg eine Szene für den Clip. Das Drehbuch haben die jungen Leute selbst geschrieben. Medienpädagoge Manuel Schmuck hat ihnen lediglich den Aufbau eines solchen Scripts erklärt und die erforderliche Aufzeichnungs- und Schnitttechnik mitgebracht. Es geht zu wie an einem professionellen Film-Set. „Okay, ist im Kasten! Nächste Szene am Schwimmbad, auf geht’s“, motiviert er sein Team.

Noch ein Tag, dann ist der Streifen fertig. Die Spannung steht den Teenagern ins Gesicht geschrieben. Jasmin aus Markranstädt ist froh, sich für den Workshop entschieden zu haben. „An diese Herbstferien werde ich sicher noch lange denken. Das macht richtig Spaß, man lernt viel und das Team ist einfach toll“, schwärmt die 17-Jährige. Ramiro (14) aus Leipzig ergänzt: „Und wir haben immer eine erstklassige Erinnerung daran. Morgen ist unser Musik-Clip fertig. Jeder kriegt eine CD davon.“

Der Workshop war für die Jugendlichen kostenlos. Gefördert wurde das Angebot durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Kultur macht stark“. Beteiligt waren das CJD als Träger des Jugendclubs, der Caritasverband Leipzig mit der Schulsozialarbeit und die Volkshochschule als Träger des Projektes „TalentCAMPus“.

Von Rainer Küster