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Markranstädt Sanierung wird Gleichung mit vielen Unbekannten
Region Markranstädt Sanierung wird Gleichung mit vielen Unbekannten
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08:01 09.05.2019
Eine neue Pumpe samt Häuschen soll künftig den Pegel der Vernässungsfläche in Kulkwitz stabil halten. Quelle: Fotos: André Kempner
Markranstädt

Im Umgang mit den Vernässungsflächen in der Ortschaft Kulkwitz deuten sich tragfähige Strukturen an. Bürgermeister Jens Spiske (FWM) wurde vom Stadtrat beauftragt, eine Konkretisierung der Finanzierungs- und Übernahmevereinbarung zwischen der Stadt und der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) zu unterzeichnen. Mit ihr wird der Kostenrahmen präzisiert und zugleich der weitere Kurs festgelegt. Die LMBV kann jetzt mit belastbaren Planungen beginnen.

Es ist nur eine Zwischenetappe des Vorgangs, der bereits 2017 mit dem Antrag auf Fördermittel zur „Gewährleistung des Maximalwasserspiegels sowie der Ableitung überschüssigen Wassers“ begann. Die Zuschüsse wurden vom Freistaat auf Grundlage des Verwaltungsabkommens Braunkohle bewilligt, wodurch die LMBV als Projektträger ins Spiel kam. Ein Glücksfall für die Stadt Markranstädt, die jetzt als Folgenutzungsträger agiert und lediglich 15 Prozent der Kosten übernehmen muss. Nach gegenwärtigem Stand wären das rund 89 000 Euro, die Gesamtkosten belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf über 600 000 Euro.

Auch die Wasserfläche hinter der Kirche ist Bestandteil des Projekts. Quelle: Kempner

Interessantes Detail: Es geht inzwischen um Lösungen für beide Vernässungsflächen. Auch das Gewässer unterhalb des Kulkwitzer Friedhofs, das gegenüber dem Areal zwischen Gärnitz und Thronitz bislang im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung stand, ist jetzt Bestandteil des Projektes.

Was zunächst wie eine Formsache auf dem Reißbrett klingt, hat in der Praxis jedoch seine Tücken und lässt LMBV-Projektleiter Mike Reichel auf die Erwartungsbremse treten. „Da sind zu viele Unbekannte in der Gleichung“, räumt Reichel ein. „Vor allem mit Blick auf die Genehmigungsbehörden sehe ich einen riesigen Berg Arbeit auf uns zukommen.“

Viele Fragen offen

Der kleinere Berg dürfte dabei vor der Gärnitzer Fläche liegen. Die hier favorisierte Lösung sei praktisch der Ersatzneubau mit einer moderneren Variante der bisherigen Entwässerung. Das bestätigte Bauamtsleiter Sven Pleße gegenüber dem Stadtrat. Trotzdem sieht Mike Reichel hier längst nicht alles in trockenen Tüchern. „Es geht nicht nur um die technische Seite. Wir werden uns da beispielsweise auch mit Belangen des Artenschutzes auseinandersetzen müssen“, ahnt er.

Umwelt- und Artenschutz stehen auch auf der anderen Vernässungsfläche unterhalb des Friedhofes im Fokus. Hier soll ebenfalls ein Pumpenhaus entstehen, allerdings mit Ableitung in den Zschampert. Eingriffe in den Wasserhaushalt könnten beispielsweise auf das jenseits der anderen Straßenseite beginnende Naturschutzgebiet „Kulkwitzer Lachen“ Auswirkungen haben. „Wir müssen natürlich verhindern, dass dieses Gebiet deshalb trocken fällt“, meint Reichel, wohlwissend, dass in den Kulkwitzer Lachen schon jetzt kein Wasser steht. Darüber hinaus hat der LMBV-Projektleiter auch die ehemalige Hausmülldeponie am Südufer der Kulkwitzer Vernässungsfläche auf dem Radar. Er rechne zwar nicht damit, dass von ihr Probleme ausgehen, aber „wenn man sowas im Planungsgebiet hat, sorgt das immer für ein mulmiges Gefühl“.

Konzept bis Ende des Jahres

Nicht zuletzt bereitet Reichel auch ein gewisser Zeitdruck Sorgen. Das Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung läuft im Jahr 2022 aus. Bis dahin müsse der Baustart erfolgen. Was gegenwärtig vorliege, seien aber lediglich Variantenuntersuchungen. „Die müssen wir jetzt auf ihre Machbarkeit abklopfen und dann in die konkreten Planungen einsteigen.“ Selbst die bislang diskutierten Zahlen betrachtet Reichel als nicht diskussionswürdig. Die Aufregung um die 2017 vorgelegten Kostenschätzungen von 112 000 Euro pro Pumpenhäuschen haben sich inzwischen zwar gelegt, seien aber viel zu voreilig gewesen. „Natürlich kann das hinkommen“, meint er, „Planung, Bau, Ausstattung, Projektträgerkosten – all das summiert sich. Aber wir sind noch lange nicht so weit, um über konkrete Kosten diskutieren zu können.“

Mike Reichel hofft, vielleicht schon Ende des Jahres zumindest ein Konzept in der Hand zu haben, das er mit der Unteren Wasserbehörde abstimmen kann.

Von Rainer Küster

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