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Markranstädt Wohnkomplex macht dicht: Markranstädter schützen sich vor Kriminalität
Region Markranstädt Wohnkomplex macht dicht: Markranstädter schützen sich vor Kriminalität
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06:01 26.07.2019
Pflegedienstchefin Gisela Magli und weitere Eigentümer haben für mehr Sicherheit zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Quelle: André Kempner
Markranstädt

Der Innenhof des Wohnkomplexes am Alten Ratsgut war für viele Markranstädter eine beliebte Abkürzung zwischen der Leipziger Straße über den Alten Friedhof zur Albertstraße. Das ist jetzt vorbei. Die Verbindungen zwischen öffentlichem Park und privater Wohnanlage sind seit Mittwoch dicht! Der Weg östlich des Komplexes wird durch einen hohen Zaun versperrt, den Durchgang in der Mitte schützt ein schmiedeeisernes Tor. Die Eigentümer der Wohnanlage haben damit auf die seit Jahren anhaltende Serie von Einbrüchen, Diebstählen, Vandalismus und Sachbeschädigung reagiert.

Sicherheitsdienst läuft Streife

Es war nicht die erste Maßnahme, zu der sich die Besitzer veranlasst sahen. Seit einem Jahr läuft bereits ein Sicherheitsdienst in den Nachtstunden Streife. Auch der wird privat bezahlt. Engagiert wurde er, nachdem die Situation rund um den Brennpunkt am Alten Friedhof eskalierte. Ein junger Mann, der aktuell wegen mehrfachen Mordversuchs vor Gericht steht, demolierte damals einen kompletten Wohnbereich samt Hauseingang, Flur und Wohnungstüren. Dabei wurde auch ein Mensch verletzt. Die Polizei nahm den Täter zwar mit, ließ ihn aber wenig später zunächst wieder laufen.

Dass er daraufhin mutmaßlich ein Wohnhaus anzünden konnte, ist für die Eigentümer am Alten Ratsgut nicht der eigentliche Aufreger. „Die Polizei macht ihre Arbeit“, sagt Gisela Magli, Mitglied des Eigentümerbeirats. „Sie kommt schnell, nimmt Täter oder Verdächtige auch mit. Aber weil sie einen festen Wohnsitz haben, sind sie nach zwei Stunden wieder auf freiem Fuß und in der nächsten Nacht beginnt das Drama von vorn“, klagt Magli, die im Objekt nicht nur Wohnungen vermietet, sondern auch einen bekannten Pflegedienst betreibt. Wie oft in ihr Lager für medizinische Bedarfsmittel schon eingebrochen wurde, mag sie nicht mehr zählen. Von Blutdruckmessgeräten bis zu Hygieneartikeln reiche das Spektrum gestohlener Ware. Manches tauche woanders wieder auf. „Windeln, die eindeutig aus unserem Bestand stammen, sind bei Ebay angeboten worden“, stellte Gisela Magli erst jüngst fest.

Brennpunkt Alter Friedhof

Die Mieter seien natürlich ebenso betroffen, weiß die Unternehmerin. „Es gibt hier kaum eine Mietpartei, der nicht wenigstens schon ein Fahrrad gestohlen wurde.“ Einer Familie wurde erst der Keller leer geräumt, später in der Tiefgarage das Auto demoliert und insgesamt schon drei Fahrräder gestohlen. „Die zeigen das gar nicht mehr an. Die Versicherung droht mit Kündigung und von der Staatsanwaltschaft gibt es Wochen später nur die Mitteilung über die Einstellung des Verfahrens.“

Als Zugang zum Objekt und gleichermaßen Fluchtweg wurde die Verbindung zum Alten Friedhof ausgemacht, der einen bekannten Brennpunkt der Stadt darstellt. Je später der Tag, desto lauter die durch Alkohol oder andere Mittel gezeichneten Prozessionen durch den Innenhof. Was dann nachts geschehe, könne man anhand fehlenden oder beschädigten Eigentums am Folgetag nur ahnen.

Gesamtkonzept für mehr Sicherheit gefordert

Gisela Magli bedauert, dass es so weit kommen musste. Ihr habe die Offenheit des Objektes immer gefallen. „Was wir jetzt haben, kenne ich von meiner Freundin in Kapstadt. Wir steuern auf Verhältnisse zu, die wir aus Südafrika kennen. Geschützte Wohnburgen.“ Natürlich sei der Schutz privaten Eigentums Privatsache, meint sie. „Aber was sich hier entwickelt hat, ist ein gesellschaftliches Problem. Das kann man nicht nur auf private Eigentümer abwälzen“, ist Magli überzeugt. Wenn jeder für sich einen eigenen Wachdienst beauftrage, würde man die mutmaßlichen Täter nur von einem Ort zum anderen scheuchen. „Wieviel effektiver wäre es, wenn man die Maßnahmen koordinieren würde, vielleicht sogar auf Grundlage eines längst überfälligen Konzeptes?“, fragt sie. Hier vermisse sie ein Signal von den öffentlichen Verantwortungsträgern, um sich an einen Tisch zu setzen, die Probleme zu analysieren und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

Von Rainer Küster

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