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Markranstädt Bad Lausicker Hilferuf verhallt im Kreistag
Region Markranstädt Bad Lausicker Hilferuf verhallt im Kreistag
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15:25 18.04.2019
Lange Gesichter bei Vertretern der Bad Lausicker Bläserphilharmonie, die sich ein anderes Abstimmungsergebnis erhofft hatten. Quelle: Frank Schmidt
Landkreis Leipzig/Nimbschen

Der Landkreis will seine Verantwortung für die beiden in der Region beheimateten Orchester künftig auch als Gesellschafter wahrnehmen. Der Kreistag stimmte am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit für die Gründung einer Orchester-GmbH, in der das Leipziger Symphonieorchester und die Sächsische Bläserphilharmonie eingegliedert werden sollen. Der Beschluss wurde mit 53 Ja-Stimmen, sechs Nein und neun Enthaltungen gefasst. Befürchtungen, die Vertreter des Bad Lausicker Klangkörpers geäußert hatten, fielen nicht auf fruchtbaren Boden.

Bläser senden Appell an alle Kreisräte

Die Deutsche Bläserakademie GmbH, derzeitiger Träger der Sächsischen Bläserphilharmonie und der Deutschen Bläserakademie, hatte zuvor einen Hilferuf an die Kreisräte gesandt und darum gebeten, die erfolgreiche Entwicklung der jüngsten Zeit nicht aufs Spiel zu setzen. Mit einer gemeinsamen GmbH, die schon einmal bestand, verbinden die Bad Lausicker keine gute Erinnerungen.

Damals hätten sich weder im künstlerischen noch im Verwaltungsbereich Synergien ergeben, heißt es in einem Schreiben an die Kreisräte - unterzeichnet von Chefdirigent Thomas Clamor, Orchestermanagerin Barbara Venetikidou sowie Vertretern von Orchestervorstand und Betriebsrat. „Kurze Entscheidungswege wurden verkompliziert. Bereits nach drei Monaten war der Spielbetrieb beider Orchester fast zusammengebrochen.“

Einstige Gemeinsame Gesellschaft endete mit Insolvenz

Die GmbH habe damals drei Geschäftsführer verbraucht und letztlich 1999 zu einer für den Kulturraum teuren Insolvenz geführt.

Lars Zobel, Soloposaunist der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Vertreter der Sächsischen Orchester-Konferenz, redet den Parlamentariern ins Gewissen. Quelle: Frank Schmidt

Bedenken, die Lars Zobel, Vertreter der Sächsischen Orchester-Konferenz, auch in Nimbschen vortrug. „Gemeinsam haben die Orchester nur eins“, meinte der Solo-Posaunist der Sächsischen Staatskapelle Dresden. „Beide Klangkörper machen Musik – so wie auch Fußballer- und Handballer mit einem Ball spielen. Aber beides sollte man nicht miteinander vermengen.“

Landrat Graichen wirbt für gemeinsame Lösung

Landrat Henry Graichen (CDU) hatte zuvor für seinen Vorstoß geworben. „Der Kreis gibt inzwischen jährlich 835 000 Euro für beide Orchester aus. Insofern sollte der Gedanke nachvollziehbar sein, dass wir nicht nur Geldgeber sein wollen, sondern auch mitentscheiden.“ Eine Überlegung, die bei den Sitzgemeinden auf große Offenheit gestoßen sei, betonte der Kreischef. Zudem stehe beim LSO das Ausscheiden eines Geschäftsführers an, so dass es auch von Böhlener Seite her den ausdrücklichen Wunsch gab, jetzt Gespräche aufzunehmen. Mit den Musikern beider Orchester hätten in den vergangenen Tagen Mitarbeiterversammlungen stattgefunden. Dort seien die Beweggründe ausführlich erläutert worden. Graichen: „Es hat Zustimmung, aber auch Bedenken gegeben.“

Weitere Beschlüsse

Der Kreis gewährt Harzt-IV-Empfängern zukünftig höhere Kaltmieten. Der Kreistag bestätigte einstimmig neue Richtwerte für die Kosten der Unterkunft.

Angenommen wurde ein Bericht zur Fortschreibung des Kreisentwicklungskonzepts.

Paul Janus zog eine erfolgreiche Bilanz der Arbeit des Kreisseniorenbeirats in der zu Ende gehenden Legislaturperiode.

Projektvorschläge des Landkreises für den Strukturwandel zur Aufnahme in das Maßnahmegesetz des Bundes wurden mit großer Mehrheit bestätigt.

Grünes Licht gab es ebenfalls für Fachstandards zur Jugendhilfeplanung auf dem Gebiet der Eingliederungshilfen für körperlich und/oder geistig behinderte Kinder und Jugendliche.

Grimmaer OBM Berger scheitert mit Änderungsantrag

Letztere griff Matthias Berger, Kreisrat der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV), auf: „Wenn sich der Kreis als Gesellschafter engagieren will, kann er das auch in den beiden eigenständigen GmbHs tun“, lautete sein Änderungsantrag, dem aber keine Mehrheit beschieden war.

Gangloff: Orchester bleiben in ihrer Eigenständigkeit erhalten

Maria Gangloff, Kreisrätin und langjährige Bürgermeisterin von Böhlen, macht sich für die Gründung einer Orchester-GmbH stark. Quelle: Frank Schmidt

Aus den Reihen der Kreisräte ergriff lediglich noch Maria Gangloff (Linke) das Wort. Sie plädierte leidenschaftlich für eine gemeinsame Verwaltung der Klangkörper. „Wir als Stadt sind niemals in der Lage, den Sitzgemeindeanteil aufzubringen“, betonte die langjährige Böhlener Bürgermeisterin. „Der Beschluss sagt zudem eindeutig aus, dass die Orchester in ihrer Eigenständigkeit erhalten bleiben.“

Von Simone Prenzel

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