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Mitteldeutschland „Absurdes Regime“ – Selbstauskunft in CDU-Magazin sorgt für Aufsehen
Region Mitteldeutschland „Absurdes Regime“ – Selbstauskunft in CDU-Magazin sorgt für Aufsehen
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15:44 12.11.2018
Ausschnitt aus der "Dresdner Union" vom 3.11.18, Mitgliederzeitung der CDU in Sachsens Landeshauptstadt. Quelle: Screenshot LVZ
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Leipzig

Es sind markige Worte, die Hannes Hertwig in die aktuelle Ausgabe der CDU-Mitgliederzeitung „Dresdner Union“ geschrieben hat. In einer Kandidatenrunde zur Landtagswahl ist der Diplom-Ingenieur neben Sozialminisiterin Barbara Klepsch abgebildet, bewirbt sich wie sie um ein Mandat im Wahlkreis 47 und setzt dabei offenbar auf Konfrontation. In seinem Vorstellungstext geht es um ein angeblich „absurdes Regime“, um „korrupte Institutionen“, die Menschen im Land benachteiligen. Er hofft auf Unterstützung, weil er „diese Missgeburt wie Papier zerreißen werde.“ Was genau gemeint ist, bleibt offen. Sicher ist: „Jeder Widerstand meiner Person gegenüber wird in noch nie dagewesener Brutalität niedergeschlagen“, so Hertwig weiter.

Klingt nicht konservativ, auch nicht christlich, sondern eher nach einem Fake – nach einer Falschmeldung in Zeiten des Internets. Im Netz wird schon TV-Moderator Jan Böhmermann (Neo Royale) aufgrund seiner häufigen Scherze mit Dresden-Bezug verdächtigt. Aber wohl zu unrecht, denn sowohl CDU Dresden als auch der Kandidat bestätigten gegenüber der LVZ die Echtheit der Zeilen.

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Hertwig sei seit einem Jahr Mitglied in der Union, erzählt Pressesprecher Johannes Preißiger. Er ist verantwortlich für die Herausgabe der Mitgliederzeitung. „Herr Hertwig hat fristgerecht seinen Text als Bewerber abgegeben, beim ersten Lesen dachte ich allerdings: So kann man das nicht drucken.“ Korrekturwünsche wurden jedoch abgelehnt. „Er warf uns vor, wir würden ihn zensieren. Da wir keinen Kandidaten seiner demokratischen Rechte berauben, haben wir uns für die Veröffentlichung entschieden. Auch wenn das schwer fiel.“

Hertwig: „Wortwahl ist etwas irreführend

Wie der Autor des Textes am Telefon auf Nachfrage der LVZ erklärte, ging es ihm unter anderem um Aufmerksamkeit. „Ich hatte gehofft, dass es einige Resonanz erzeugt“, sagt er. Dass sein Artikel nicht bei jedem auf Zustimmung treffen würde, sei ihm bewusst gewesen. „Zugegeben: Meine Wortwahl war vielleicht etwas irreführend. Ich will natürlich, dass das Engagement friedlich bleibt und auf legalem Wege passiert“, so Hertwig. Wen er mit „korrupten Institutionen“ meint? „Die gesamte Situation, in der wir gerade leben. Dagegen will ich etwas ausarbeiten“, sagt der Unionspolitiker.

Partei-Sprecher Preißiger hält dagegen: „Dieser Text steht nicht für die CDU Dresden, das ist einzig und allein die persönliche Vorstellung eines Kandidaten.“ Deshalb stehe unter dem Artikel auch der Hinweis, dass jeder Bewerber für den Inhalt seines Textes selbst verantwortlich ist. „Das muss man in einer Demokratie manchmal eben aushalten.“ Am 17. November sei Nominierungsparteitag der Union. „Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass solch’ eine Meinung viele Stimmen in der CDU erhalten wird", sagt Preißiger.

Zumindest Öffentlichkeit hat Hertwigs Artikel schon erzeugt. Mit einer Auflage von 1500 Magazinen gehört die Dresdner CDU-Mitgliederzeitung zwar nicht zu den Massenmedien. Dank Twitter und Co. gab es aber auch bundesweites Feedback. Unter anderem teilte Juso-Chef Kevin Kühnert einen Screenshot der Passagen in sein Netzwerk.

Von Matthias Puppe