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Mitteldeutschland Studie: AfD-Wähler sehen Deutschland bedroht
Region Mitteldeutschland Studie: AfD-Wähler sehen Deutschland bedroht
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22:00 20.08.2018
Soziologie-Professor Holger Lengfeld Quelle: André Kempner
Leipzig

Ausgrenzung, Abschottung, Demokratiekritik: Die Universität Leipzig legt ein Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen eine groß angelegte Studie zu AfD-Wählern vor – und rüttelt damit an den Grundfesten der etablierten Parteistrategen. Denn eine zentrale Botschaft lautet: Mithilfe von sozialen Wohltaten, wie bislang angenommen, wird sich kaum jemand von der AfD abwenden. „Wenn es um die Sorge geht, dass die deutsche Identität bedroht ist und geschützt werden muss, werden auch größere Umverteilungen zu nichts führen. Das zentrale Motiv für AfD-Wähler ist der Wunsch nach einer geschlossenen Gesellschaft und dichten Grenzen sowie die Angst vor Überfremdung“, sagte Soziologieprofessor Holger Lengfeld (48), unter dessen Federführung die Studie entstand, der Leipziger Volkszeitung. Die Forscher haben Daten von mehr als 8400 Befragten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2016 ausgewertet, aus einer der größten Bevölkerungsumfragen in Deutschland.

„Sicher gibt es gute Gründe, die Lage der sozial Schwächsten in unserem Land zu verbessern. Weil die Motive der AfD-Wähler aber überwiegend keine wirtschaftlichen sind, würden Maßnahmen wie etwa Rentenzuschüsse für Geringverdiener wenig oder sogar nichts am derzeitigen Zulauf zugunsten der AfD ändern“, sagt Lengfeld. Die letzte aktuelle Umfrage sieht die AfD mit 24 Prozent klar als zweitstärkste Kraft in Sachsen, hinter der CDU (32 Prozent), in einer Prognose wurde errechnet, dass die AfD viele Direktmandate 2019 in Sachsen holen könnte.

Eine Komponente der Identifikation mit der AfD ist laut der Studie auch, Konkurrenz um Arbeitsplätze und Sozialleistungen durch Flüchtlinge abzuwehren. Insgesamt prallen aber in diesem kulturellen Konflikt letztlich Überzeugungen und Werte aufeinander, „die sich nicht einfach durch politische Kompromisse still stellen oder sogar lösen lassen“, so Lengfeld. Hinzu komme, dass ein Teil der Wähler unzufrieden mit dem politischen System in der Bundesrepublik ist.

Was die AfD stark macht

Zugleich sei es auch „kein Erfolg versprechendes Rezept“, die AfD mit den eigenen Waffen – also einer nationalen und sehr konservativen Politikausrichtung – schlagen zu wollen, macht der Wissenschaftler klar. „Ein solcher Wechsel ist nicht glaubwürdig. Das hat zuletzt die CSU-Asylpolitik gezeigt“, erklärt Lengfeld. Und weiter: „Die Menschen werden ihre Meinung nicht so schnell ändern. Außerdem geht es wesentlich auch um Vertrauen, das die etablierten Parteien verloren haben.“ Sein Rat an die Politik lautet deshalb: Parteien sollten Probleme benennen und auch eingestehen, wenn sie keine Lösungen präsentieren können – „denn das ist auch ein Zeichen von Glaubwürdigkeit“. Im Gegensatz dazu genüge es für die AfD zu kritisieren: „Sie braucht Krisen und die Polarisierung, um möglichst viele Wähler zu mobilisieren. Derzeit rutscht die AfD immer weiter nach rechts.“

Die Leipziger Wissenschaftler haben außerdem festgestellt: Den „typischen“ AfD-Wähler gibt es nicht, auch wenn geringe Einkommen und niedrig qualifizierte Berufe häufiger vertreten sind als Angehörige der Mittelschicht oder Besserverdiener. „Die AfD erhält von vielen Seiten ihre Unterstützung. Ob es nun Arbeiter, Angestellte, Selbstständige oder Rentner sind, ob mit geringerer oder höherer Bildung: Es scheinen häufig Menschen zu sein, die sehr konservative Meinungen vertreten und sich bei der CDU nicht mehr zu Hause fühlen“, erklärt Lengfeld, der in diesem Zusammenhang auch von einer nachholenden Entwicklung spricht.

„In anderen westeuropäischen Ländern gibt es schon lange Parteien jenseits der Konservativen, etwa die FPÖ in Österreich oder den Front National in Frankreich.“ Nicht zuletzt deshalb hält er es für wahrscheinlich, dass sich die noch junge AfD im deutschen Parteiensystem etabliert.

Von Andreas Debski

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