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Mitteldeutschland AfD erreicht Rekordergebnis
Region Mitteldeutschland AfD erreicht Rekordergebnis
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21:23 01.09.2019
Beatrix von Storch, Bundesvorstandsmitglied, Jörg Urban, Spitzenkandidat der AfD, und Jörg Meuthen (v. l.), Bundesvorsitzender der AfD, jubeln auf der AfD-Wahlparty. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Dresden

Jörg Meuthen ist schon eine Stunde vor der ersten Prognose im Saal. Der AfD-Bundesvorsitzende will ein Zeichen setzen: Sachsen steht im Fokus, hier soll abgeräumt werden – und in diesem Sinn werden schon vor18 Uhr etliche Vorab-Interviews gegeben. Kaum sind die Prognosen bekannt, ruft Meuthen unter dem Jubel von„AfD, AfD“-Sprechchören: „Wir sind der Wahlsieger des heutigen Abends.“ Das stimmt so zwar nicht, doch dieausgelassene Stimmung wird weiter befeuert.

Fast gesamte Bundesspitze vor Ort

Das erklärte Wahlziel war eindeutig gewesen: 30 Prozent plus X und die Regierungsübernahme. Kein Wunder, dass sich am Wahlabend fast die gesamte AfD-Bundesspitze im sächsischen Landtag einfindet, neben Meuthen sind Beatrix von Storch und Alice Weidel vom Vorstand sowie Bundestagsfraktionsvize Tino Chrupalla unter den Gästen. AfD-Landeschef Jörg Urban genießt den Jubel, als er auf das Podium schreitet: Der Dresdner, der nach dem Abgang von Frauke Petry die Führung übernommen hatte, war nicht immer unumstritten – jetzt scheint der 54-Jährige trotz des verfehlten Wahlziels kaum angreifbar. Die Schmerzgrenze war zuvor inoffiziell bei 23 bis 24 Prozent gezogen worden, doch es sind deutlich mehr Stimmen geworden.

„Das ist ein historischer Tag. Unsere Partei hat die CDU in Sachsen gehörig ins Wanken gebracht“, ruft Urban in den Saal und erklärt sich mit dem nächsten Satz zum Wahlsieger. Die AfD habe im Freistaat ihr bestes Ergebnis erzielt, das jemals bei einer Landtagswahl in einem Bundesland erreicht wurde, fügt der sächsische Landesvorsitzende hinzu, während seine Worte abermals in tosendem Applaus untergehen.

Zugleich macht Urban auch Schuldige aus, weshalb es zu keinem noch besseren Ergebnis kommen konnte: „Wir sind nicht fair behandelt worden“, erklärt er unter Verweis auf die vom Landeswahlausschuss zunächst von 61 auf 18 Plätze reduzierte Landesliste. Der sächsische Verfassungsgerichtshof hatte aufgrund einer Klage der AfD später die Entscheidung teilweise aufgehoben, letztlich durften 30 Kandidaten auf der Landesliste stehen. „Viele unserer Wähler haben sich gefragt, ob sie ihre Stimme nicht etwa verschenken, wenn sie uns wählen“, macht Urban mit Blick auf diese Auseinandersetzung klar. Nichtsdestotrotz erklärt er: „Heute ist ein Feiertag.“

Partei will starke Opposition sein

Dem stimmt auch der AfD-Bundestagsvize Tino Chrupalla, der im Landesverband ein Schwergewicht ist, zu. Im Stil eines erfahrenen Politikers kommentiert Chrupalla: „Wir haben uns im Vergleich zu 2014 etwa verdreifacht. Das ist eine ganze Menge.“ Tatsächlich dürfte die nach dem Ausscheiden von Frauke Petry von 14 auf neun Abgeordnete geschrumpfte Landtagsfraktion nun erheblich zulegen. Dass die beiden Wahlziele nicht erreicht wurden, sieht der Görlitzer – jedenfalls nach außen – gelassen: „Wir werden eine starke Opposition sein.“ Die Spitze der Sachsen-AfD hatte im Wahlkampf weniger auf Protest gesetzt als die Landesverbände in Brandenburg und Thüringen, wo Ende Oktober gewählt wird. Anstatt sich mit Slogans wie „Vollende die Wende“ vor allem als Ventil für Unzufriedenheit anzubieten, bemühten sich Spitzenkandidat Urban mit seinen Mitstreitern um ein heimatverbundenes, bürgerliches Image.

Der Europaabgeordnete Maximilian Krah kündigt nun im breiten Brustton an: „Wir werden sie jagen.“ Auch der Bundestagsabgeordnete Jens Maier, der einst mit seiner Rede beim umstrittenen Björn-Höcke-Auftritt in Dresden für Schlagzeilen sorgte, zeigt sich „hochzufrieden“ und nennt die erfolgreiche Bundestagswahl von 2017, als die CDU im Freistaat zum ersten Mal nur zweitstärkste Partei geworden war, als Maßstab. „Das ändert aber nichts daran, dass wir weiterhin hohe Ziele haben. Wir werden momentan mit der Regierungsbildung in Sachsen nichts zu tun haben. Doch wir arbeiten weiter, dass sich das ändert.“

Wahlparty im CDU-Fraktionssaal

Der Sachsen-AfD ist im Vorfeld noch ein besonderer Coup gelungen: Ihre Wahlparty wird ausgerechnet im Saal A 600 abgehalten, den die CDU bislang für Fraktionssitzungen genutzt hat. Auch in diesem Sinn soll ein Zeichen gesetzt werden. Dabei scheint auch nicht zu stören, dass vom Büfett ein gelbes indisches Paprikasüppchen und ein mediterraner Paprikasalat mit Oliven gereicht werden. Mit Einbruch der Dunkelheit zieht sich die AfD auf einen Elbe-Dampfer zurück: Für die eigentliche Wahlparty mit ihren Anhängern auf dem Wasser.

Von Andreas Debski

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