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Mitteldeutschland Amazon streicht 500 befristetete Stellen in Leipzig
Region Mitteldeutschland Amazon streicht 500 befristetete Stellen in Leipzig
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19:33 03.04.2019
In Zukunft sollen weniger Menschen im Leipziger Amazonlager arbeiten. (Archiv) Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Die Zeiten, als bei Amazon vor Weihnachten bis zu 5000 Mitarbeiter die Weihnachtspakete packten, sind wohl endgültig vorbei. Künftig sollen hier nur noch 1500 Menschen arbeiten. Das verkündete das Management nach LVZ-Informationen am Montag auf einer Betriebsversammlung. Bis Jahresende solle die Anzahl sogar auf unter 1500 sinken, hieß es. „Wir gehen Richtung 1400“, sagte Thomas Schneider von der Gewerkschaft Verdi, der seit Jahren die regelmäßigen Streiks in dem Versandzentrum organisiert.

Bisher hatte Amazon stets von einer Belegschaftsstärke von knapp 2000 Mitarbeitern gesprochen. Hinzu kamen jedes Jahr vor Weihnachten Hunderte Aushilfen – in den besten Jahren 2012 und 2013 waren sogar jeweils 3000. Hinzu kamen damals noch Leiharbeiter. Direkt nach Weihnachten durften die meisten aber wieder gehen.

Alle befristeten Stellen fallen weg

Von einem Stellenabbau könne aber keine Rede sein, hieß es auf Anfrage bei Amazon. „Das Logistikzentrum in Leipzig hat schon immer ein Team von rund 1500 fest angestellten Mitarbeitern mit unbefristeten Verträgen", sagte Sprecher Stephan Eichenseher. „Daran wird sich nichts ändern.“ Schließlich wolle man die Erfahrung der Kollegen nicht verlieren. „Fast 90 Prozent unserer Mitarbeiter sind seit mehr als sechs Jahren bei Amazon in Leipzig, sodass die Kollegen dort ein sehr eingespieltes Team sind.“

Hinzu kamen bisher aber auch außerhalb des Weihnachtsgeschäfts meist mehr als 400 Mitarbeiter, die als Weihnachtsaushilfen angefangen hatten und dann zunächst auf zwei Jahre übernommen wurden. Danach wurden die Verträge oft entfristet. Diese Verträge werden nun nicht verlängert. „Wir machen bei allen befristeten Verträgen von Anfang an klar, dass diese auch tatsächlich nach der festgelegten Laufzeit enden und eine Weiterbeschäftigung nicht garantiert werden kann“, sagte der Sprecher.

Sortimentsänderung sorgt für weniger Arbeit

Grund für den Abbau ist laut Amazon die Änderung des Sortiments am Standort. Denn der Versandhändler investiert in Leipzig gerade fünf Millionen Euro in ein neues Hochregallager. Weil hier dann verstärkt größere Artikel wie Mikrowellen oder Großpackungen mit Babywindeln verpackt werden sollen, werden dann weniger Picker benötigt, die in dem riesigen Warenlager bisher Bücher und Kleinteile zusammensammeln.

Verdi-Mann Schneider berichtet, dass auch gezielt Aufhebungsverträge angeboten werden – in Verbindung mit einer Abfindung. „Wer länger als acht Jahre dabei war, bekommt schon mal 15 000 Euro angeboten.“ Und es werde gezielt Druck ausgeübt, die Verträge zu unterschreiben. Zudem würden auch vermehrt Kündigungen ausgesprochen, vor allem bei Krankheit.

Der Amazon-Sprecher wies das zurück. „Eine Zunahme von Kündigungen wegen Krankheit oder eine Zunahme von Aufhebungsverträgen wegen der Sortimentserweiterung gibt es nicht und ist auch nicht geplant“, sagte er. „Hier einen Zusammenhang herzustellen, ist falsch.“

Mitarbeiterzahl bereits deutlich gesunken

Von der einstigen Sollstärke von 2000 Mitarbeitern ist der Standort schon jetzt weit entfernt. Ende 2018 hatte Standortleiter Dietmar Jüngling noch von 1700 bis 1750 Stammkräften gesprochen, jetzt sind es laut Verdi noch 1580. Von den befristeten Mitarbeitern hat sich der Standort bereits fast komplett getrennt. Weniger als zehn derartige Verträge gibt es nach LVZ-Information noch.

Und auch im Weihnachtsgeschäfts war Amazon zuletzt deutlich kürzer getreten. Statt der einst 3000 Aushilfen, wurden 2018 nur knapp 500 ins Haus geholt. Und übernommen wurde davon laut Verdi anders als früher niemand.

Von Frank Johannsen

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