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Mitteldeutschland Auch die Anwaltschaft hat mit Landflucht zu kämpfen
Region Mitteldeutschland Auch die Anwaltschaft hat mit Landflucht zu kämpfen
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09:13 16.05.2019
DAV-Präsidentin Edith Kindermann. Quelle: André Kempner
Leipzig

Leipzig ist am heutigen Donnerstag und Freitag für zwei Tage die Hauptstadt der Rechtsanwälte. Im Congress Center (CCL) auf der Neuen Messe werden rund 1800 Teilnehmer zum 70. Deutschen Anwaltstag (DAT) erwartet. Die Branche erhofft sich von ihrem Jahrestreffen wichtige Impulse.

Andenken an DDR-Bürgerrechtler

Die Sachsen-Metropole Leipzig als Veranstaltungsort sei auch eine Reminiszenz an den 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution, sagte Edith Kindermann, Präsidentin des Deutschen Anwaltvereins (DAV), im LVZ-Interview. Der Kampf um einen freiheitlichen Rechtsstaat habe 1989 bei den DDR-Bürgerrechtlern in Leipzig ganz oben gestanden, so die Bremer Rechtsanwältin und Notarin, die Ende März auf den DAV-Spitzenposten gewählt wurde.

Herausforderung Landflucht

Als offizielles Schwerpunktthema dreht sich beim DAT vieles um den Rechtsstaat und wie jeder Einzelne seine Rechte geltend machen kann. Gegenüber der LVZ machte die DAV-Präsidentin aber klar, dass ein Fokus auch darauf gerichtet werde, wie die Anwaltschaft außerhalb großer Städte künftig arbeiten kann. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Anwaltschaft weiter in der Fläche aufrechterhalten bleibt“, sagte Kindermann. Die Situation sei ähnlich wie bei den Hausärzten. „Teile einer elementaren Grundversorgung stehen auf der Kippe, wenn Anwälte und Mediziner die Fläche verlassen.“

Gegensteuern gegen die „Landflucht“ lasse sich laut Kindermann vor allem mit einem Modell, das auch schon in den Städten genutzt werde. „Anwaltshäuser können auch auf dem Land funktionieren“, sagte sie. Jeder Anwalt arbeite für sich und bei Bedarf können auch die Räume erweitert werden.

Juristen aus Mitteldeutschland ausgezeichnet

Am Vorabend des DAT ehrte die DAV-Präsidentin zwei Juristen aus Sachsen und Thüringen mit dem Ehrenzeichen der Deutschen Anwaltschaft. So wurde der Grimmaer Rechtsanwalt Svend-Gunnar Kirmes als Mitbegründer und Ex-Vorsitzender des Leipziger Anwaltvereins ausgezeichnet. Er habe nach 1989 die Anwaltschaft in der Region organisiert und in seiner Tätigkeit als späteres DAV-Vorstandsmitglied auch die Ost-Bundesländer vertreten, sagte Kindermann in ihrer Laudatio.

Kirmes habe damit die Perspektive der ehemaligen DDR-Anwälte in die Debatten mit eingebracht. „Dies habe dem DAV nach der Wiedervereinigung sehr geholfen“, würdigte die Präsidentin die Arbeit von Kirmes, der als CDU-Abgeordneter Alterspräsident des Sächsischen Landtages ist. Ausgezeichnet wurde zudem die Anwältin Petra Pollak aus Mühlhausen, die sich mit Erfolg für das Landgericht in ihrer Stadt stark gemacht hatte und damit den regional wichtigen Standort erhalten konnte.

Kostenlose Sozialrechtsberatung

Für die Leipziger hat der DAT noch ein besonderes Bonbon in petto: Die AG Sozialrecht bietet in Zusammenarbeit mit mehreren Sozialrechtsanwälten kostenlose Sprechstunden im „Beratungsbus“ an. Am Freitag können sich Bürger zwischen 11 und 17 Uhr auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz vertraulich und kostenlos über Themen wie Rente, Krankenkasse oder Arbeitslosigkeit beraten lassen. Die Leipziger Volkszeitung ist Medienpartner der Aktion.

Von André Böhmer und Matthias Roth

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