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Mitteldeutschland Arbeitsmarkt in Sachsen: Langzeitarbeitslose immer schwerer vermittelbar
Region Mitteldeutschland Arbeitsmarkt in Sachsen: Langzeitarbeitslose immer schwerer vermittelbar
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11:21 30.05.2018
Wer längere Zeit als Arbeitsloser registriert ist, der hat es auch bei Betrieben in Sachsen schwer, einen Job zu ergattern. Quelle: dpa
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Leipzig

Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit gibt am Mittwoch die neuen Zahlen für den Monat Mai bekannt. Im Vorfeld bestätigt eine aktuelle IAB-Umfrage unter bundesweit mehr als 10 000 Betrieben einen sich verfestigenden Trend: Wer längere Zeit ohne Arbeit ist, für den wird es immer schwerer, einen Job zu finden. Das trifft besonders auf die Wirtschaft in Sachsen zu, die zwar händeringend Arbeitskräfte sucht, aber nicht einmal jeder zweite Betrieb im Freistaat würde einen Langzeitarbeitslosen einstellen. In Sachsen liegt der Anteil der Betriebe, die Langzeitarbeitslose einstellen würden, sogar noch leicht unter dem deutschen Durchschnitt von 43,7 Prozent.

Trotz der Probleme, die immer mehr Firmen bei der Suche nach geeigneten Kräften haben, sind viele generell skeptisch gegenüber Arbeitslosen. 14 Prozent würden sogar nur Bewerber berücksichtigen, die nicht aus der Erwerbslosigkeit kommen. Leider seien viele Firmenchefs – zum Teil auf Grund einer einzelnen Erfahrung – sehr voreingenommen gegenüber Langzeitarbeitslosen, sagt Klaus-Peter Hansen, der Chef der Landesarbeitsagentur. Von den derzeit 48 300 Langzeitarbeitslosen im Land hätten die meisten einen Berufs- beziehungsweise Studienabschluss und könnten qualifizierte Aufgaben übernehmen. Hansen: „Fast die Hälfte kann als Facharbeiter vermittelt werden. Langzeitarbeitslose Menschen sind oft teamfähig, zuverlässig und motiviert. Diese Eigenschaften könnten Betriebe nutzen.“

In Sachsen und Thüringen ist mehr als jeder dritte Erwerbslose länger als ein Jahr ohne Job und gilt demnach als langzeitarbeitslos. Gesunken ist die Zahl der langzeitarbeitslosen Sachsen aber dennoch: von 96 165 im Jahr 2010 auf 52 700 im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang um 45,2 Prozent (bundesweit minus 44,6 Prozent). In Thüringen fiel der Rückgang in sieben Jahren um 41,4 Prozent auf 23 848 ähnlich aus. Aktuell sind in Sachsen 48 259 und in Thüringen 21 698 Frauen und Männer länger als ein Jahr auf der Suche nach einer neuen Arbeit.

Zurückzuführen sei der Rückgang auf die gute Wirtschaftslage, aber auch auf demografische Effekte, da immer mehr Sachsen in Rente gehen. Jedes Jahr, so Hansen, nimmt die Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung um rund 30 000 ab. Gleichzeitig würden die Betriebe immer mehr freie Stellen melden. „Unternehmer sind gut beraten, wenn sie einige Bewerber nicht von vornherein ausschließen.“ Jeder habe eine Chance verdient und „manchmal auch eine zweite und dritte“.

Von Andreas Dunte