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Mitteldeutschland Auch in Sachsen sind viele Brücken marode
Region Mitteldeutschland Auch in Sachsen sind viele Brücken marode
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22:43 15.08.2018
Die längste und höchste Autobahnbrücke Sachsens ist die Lockwitztalbrücke an der A 17 bei Dresden. Sie misst 723 Meter und verläuft 61 Meter über dem Talgrund. Quelle: Foto: dpa
Leipzig/Dresden

Während Sachsens Fernstraßenbrücken im bundesweiten Vergleich bei der Sicherheit gut abschneiden, gelten zahlreiche Brücken, die in die Zuständigkeit von Städten, Gemeinden und Kreisen in Sachsen fallen, als marode. „Der Zustand der knapp 6000 kommunalen Brücken ist teilweise erschreckend schlecht“, sagt Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. „Bei rund 15 Prozent aller kommunalen Brücken lohnt sich eine Sanierung gar nicht mehr, sodass diese Brücken komplett neu gebaut werden müssten“, unterstreicht er. Doch das wäre teuer.

Bund und Länder müssten den Kommunen bei der Instandhaltung helfen, so Kühn. Zu diesem Zweck fördert die Landesregierung seit zwei Jahren Brückenbauten. Allein dieses Jahr stehen den Kommunen 253 Millionen Euro für die Instandsetzung und Erneuerung der Wege über Flüsse, Straßen und Gleise zur Verfügung. Durch die zusätzlichen Mittel sei die Situation im Freistaat besser geworden, beobachtet Peter Simchen, Vizepräsident der Ingenieurkammer Sachsen. Dennoch würden die kommunalen Brücken häufig vergessen - dabei hätten Städte und Gemeinden die meisten Überführungen zu verwalten, bedauert er.

„Wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden beiden Jahren ein höherer Mittelbedarf für den kommunalen Straßen- und Brückenbau erforderlich wird, als derzeit im Haushaltsentwurf veranschlagt ist“, sagt Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetags. Wie viele Mittel genau fehlen, stünde allerdings erst im November fest, wenn die Kommunen ihre Bedarfsmeldungen eingereicht haben.

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Neben den finanziellen Hilfen sei es außerdem wichtig, dass der Personal- abbau in Baubehörden gestoppt werde, findet der Bundestagsabgeordnete Kühn. Nur mit den nötigen Fachkräften könne der „Sanierungsstau“ abgebaut , Brücken erneuert oder repariert werden.

In regelmäßigen Abständen wird jede einzelne Brücke in Sachsen und Thüringen geprüft. Nach Unfällen oder Hochwasser finden gesonderte Inspektionen statt. Die Ergebnisse fasst das Bundesamt für Straßenwesen zweimal jährlich zusammen, Brücken mit schlechten Bewertungen werden gesperrt oder Überholverbote oder Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt. Als sanierungsbedürftig gilt in der Region etwa die Pleißebrücke bei Windischleuba (Landkreis Altenburger Land). Auch die Brücke der Bundesstraße 95 über die Eula zwischen Borna und Rötha wurde mit „nicht ausreichend“ bewertet. Die zwei Georg-Schwarz-Brücken in Leipzig sollen seit Jahren neu gebaut werden. Die Arbeiten sind derzeit aber erst für die Zeit von August 2024 bis März 2030 geplant. In der Messestadt stehen dieses Jahr nach Angaben des Verkehrsbauamtes etwa der Ersatzneubau der Plagwitzer Brücke an. Außerdem werde die Hofer Brücke am östlichen Ende der Richard-Lehmann-Straße in Marienbrunn instandgesetzt. 341 Brücken befinden sich in der Baulast der Stadt Leipzig.

Bei den Autobahnen in Sachsen ist einzig die Muldebrücke auf der Autobahn 14 bei Grimma sanierungsbedürftig, darum gilt auf der Brücke ein Überholverbot für Lastwagen.

Gerade wegen der kontinuierlichen Prüfungen sei der Zustand der Brücken „recht gut bekannt“, sagt Markus Löffler, Verkehrsingenieur des ADAC Sachsen. „Dass zahlreiche Fernstraßen nach der Wende neu gebaut wurden, bringt uns nach vorn“, betont er. Die Experten sind sich einig: Ein Unglück wie das in Genua ist in Sachsen sehr unwahrscheinlich. Dennoch müsse ständig Geld investiert werden, um die Brücken instand zu halten, heißt es vom ADAC. Es sei wichtig, sich die Gefahr bewusst zu machen und „akribisch zu handeln“, sagt Simchen von der Ingenieurkammer.

Denn eine Sperrung sei für alle Beteiligten unbequem: „Brücken sind meist Engpässe im Straßennetz“, so Simchen. Umfangreiche Arbeiten zögen häufig große wirtschaftliche Schäden nach sich, weiß er. Denn ein Gros an Waren wird auf Fernstraßen transportiert. Das Material einer Brücke habe keine Auswirkungen auf das „Katastrophenpotenzial“, erklärt der Experte. Jede Bauweise, ob Beton oder Stahl, habe ihre Berechtigung.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums gibt es mit Stand März dieses Jahres in Sachsen neben den kommunalen Brücken rund 650 Autobahnbrücken, davon haben 50 eine Gesamtstützweite von mehr als 100 Metern. Hinzu kommen etwa 880 Bundesstraßen-Überführungen und 1625 Brücken an Staatsstraßen. In Thüringen zählt das Verkehrsministerium rund 820 Autobahnbrücken, etwa 720 Brücken an Bundesstraßen und knapp 1200 auf Landstraßen.

Von Theresa Held

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