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Mitteldeutschland Ausschreitungen in Chemnitz: Hausdurchsuchung in rechter Szene
Region Mitteldeutschland Ausschreitungen in Chemnitz: Hausdurchsuchung in rechter Szene
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17:31 12.03.2019
Teilnehmer der Demonstrationen am 27. August 2018 in Chemnitz.
Teilnehmer der Demonstrationen am 27. August 2018 in Chemnitz. Quelle: dpa
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Chemnitz

Die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft hat am Montag in Chemnitz die Wohnung eines 37-Jährigen durchsuchen lassen. „Der Beschuldigte steht im Verdacht, an den gewalttätigen Ausschreitungen im Rahmen der Demonstrationen am 26. und 27. August 2018 in Chemnitz maßgeblich beteiligt gewesen zu sein und mehrere Polizeibeamte und einen anderen Demonstrationsteilnehmer verletzt zu haben“, teilten die Behörden mit.

Bei dem tätlichen Angriff soll der Chemnitzer unter anderem Schlagschutzhandschuhe getragen haben, die unter das Waffengesetz fallen. Ihm werde zudem Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Bei den Durchsuchungen in der Wohnung sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden – darunter Mobiltelefone, Computer, Speichermedien, verbotene Stichwaffen und diverse Devotionalien der rechten Szene, teilte die Polizei mit.

Noch am Montag habe das Landgericht Chemnitz einen Haftbefehl gegen den 37-Jährigen erlassen. Allerdings setzt der Richter den Vollzug gegen Auflagen aus, nachdem der Beschuldigte die Vorwürfe teilweise gestanden habe. An den Ermittlungen gegen den Mann war auch das auf politische Kriminalität spezialisierte Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des Landeskriminalamtes beteiligt.

Eskalierte Proteste nach Tod von Daniel H.

In Folge des gewaltsamen Todes des Chemnitzers Daniel H. nach einem Streit mit mehreren Asylbewerbern am Morgen des 26. August in der Innenstadt riefen rechte und rechtsextreme Gruppe zu Protesten auf. An einer von einer Fangruppe des Chemnitzer FC organisierten Demonstration beteiligten sich nach Polizeischätzungen bis zu 800 teilweise gewaltbereite Personen. Augenzeugen und überregionale Medien berichteten, dass sich aus dem Demonstrationszug heraus einzelne Gruppen lösten und dabei auch auf Personen mit augenscheinlichem Migrationshintergrund Jagd machten. Die Polizei hatte Mühe, die Situation unter Kontrolle zu halten.

Am 27. August mobilisierten Rechtsextreme Gruppierungen, darunter die Initiative Pro Chemnitz, bundesweit für eine weitere Demonstration. An dieser nahmen Schätzungen zufolge zwischen 2000 und 6000 Personen teil. Auch hier berichteten überregionale Medien in der Folge von Jagdszenen in der Stadt.

Von Matthias Puppe