Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Bier macht dick aber glücklich? Sechs Fakten für Bierkenner
Region Mitteldeutschland Bier macht dick aber glücklich? Sechs Fakten für Bierkenner
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:33 05.07.2019
Frisch gezapftes Bier: Ein süffiger Stoff zum Fachsimpeln.
Frisch gezapftes Bier: Ein süffiger Stoff zum Fachsimpeln. Quelle: Sina Schuldt/dpa
Anzeige
Leipzig

Ein Schock für die Männerwelt: Die ersten professionellen Brauer der Geschichte waren Frauen! Männern war es im alten Ägypten sogar verboten, Bier zu brauen oder zu verkaufen. Die alten Wikinger glaubten, dass nach ihrem Tod in Walhalla eine riesige Ziege namens Heidrun auf sie wartet, aus deren Euter Bier fließ. Und Schätzungen zufolge werden allein in Großbritannien jährlich 93.000 Liter Bier verschwendet, indem es in Bärten hängen bleibt.

Es gibt eine Menge kurioses Wissen rund ums Bier – zum Beispiel in Internetforen wie Bavarion.de – mit dem man bei der nächsten Stammtischrunde glänzen kann. Daneben halten sich aber auch hartnäckig Mythen und Halbwahrheiten. Zusammen mit dem Bier-Sommelier und Geschäftsführer der Altenburger Brauerei Bastian Leikeim haben wir nachgefragt und sechs Fakten für echte Bierkenner zusammengestellt.

1. Bier gleich Bierbauch: Ist es wirklich ein Dickmacher?

„Das kann man per se nicht sagen. Es kommt natürlich schon auf die Menge an, die getrunken wird“, sagt Bier-Sommelier Bastian Leikeim. Immerhin: Bier hat nur etwa 45 Prozent so viel Kalorien wie Wein. Und immer noch weniger Kalorien wie Apfelsaft oder Milch. Professor Martin Bobak von der University College London hat dazu eine Untersuchung durchgeführt. Sein Fazit: „Höchst unwahrscheinlicher Zusammenhang zwischen Bierkonsum und Bodymaßindex“. Frauen, die mäßig Bier trinken sind sogar etwas schlanker als solche, die ganz darauf verzichten.

Schlagzeilen machte im Frühjahr diesen Jahres auch der Amerikaner Del Hall, der nach eigenen Angaben 15 Kilo abgenommen habe, weil er eine strikte Bier-Diät eingehalten hatte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält das durchaus für realistisch. Einen Abnehmeffekt erziele man immer, wenn man Kalorien einspart. Allerdings drohe bei der Rückkehr zur normalen Ernährung ein Jojo-Effekt.

Die einen schwören auf die Gosenschenke – andere haben mit der Hafenbar einen stillen Ankerplatz gefunden. Hier gibt’s Biergartentipps aus Leipzig und der Region in der Übersicht.

2. Männer trinken Bier, Frauen lieber Wein?

„Das ist meistens noch so, weil Frauen oft das Bier für zu bitter halten. Einige sind dann aber überrascht, wenn ihnen bei Verkostungen plötzlich ein Weißbier schmeckt, weil dieses viel weniger Bitterstoffe enthält“, so die Erfahrung von Experte Leikeim.

Daher glaubt nicht nur der Altenburger Bier-Sommelier: Die Unterschiede beim Biergenuss von Mann und Frau werden geringer. Nach einer Untersuchung des Bundesforschungsministeriums, aus der die „Deutsche Handwerkszeitung“ zitiert, trinken bereits 48 Prozent der Frauen lieber Bier als Wein. In der Gruppe der 19- bis 24-Jährigen spielen die Geschlechter zudem keine Rolle. Bier liegt hier bei beiden Gruppen auf Platz eins der beliebtesten alkoholischen Getränke.

3. Ein gutes Bier braucht sieben Minuten beim Zapfen?

„Ein katastrophaler Unsinn“, meint Leikeim. Nach sieben Minuten sei die Frische dahin, das Bier schmecke schal und sei nicht mehr richtig kühl.“ Woher der sich hartnäckig haltende Mythos vom Sieben-Minuten-Pils stamme, kann sich der Altenburger Bierbrauer auch nicht recht erklären. Vermutlich komme er noch aus der Zeit veralteter Zapfmethoden. Heute müsse auch dank moderner Zapfanlagen ein gutes Pils nach zwei Minuten serviert werden. „Nur so ist es ein richtiger Genuss.“

4. Zum Bier passt am besten Salzgebäck zum Knabbern?

„Bloß nicht, Finger weg vom Salzgebäck“, sagt Leikeim. Der Grund: Die Geschmacksstoffe des Pils und das Salz ergeben auf der Zunge einen metallenen Geschmack und verstärkt den bitteren Effekt. „Da muss man sich dann auch nicht wundern, dass viele Leute sagen, dass Pils bitter schmecke.“ Das werde diesem anspruchsvoll hergestelltem Bier aber überhaupt nicht gerecht.

Bastian Leikeim, Geschäftsführer der Altenburger Brauerei, ist auch als Bier-Sommelier unterwegs und gibt Tipps, was zum Bier geschmacklich wirklich passt. Quelle: Mario Jahn

Viel besser passe zu einem Pils beispielsweise ein Frischkäse.In asiatischen Ländern würden seit einigen Jahrzehnten verstärkt Biere getrunken, weil ein hoher Hopfenanteil die Schärfe aus würzigen Speisen nimmt. Von allen Biersorten ist das Helle wohl das am besten ausbalancierte Bier. Sein Hopfengehalt und seine Malzsüße passen zu allen Speisen.

Und: Eine überraschende, aber durchaus passende Kombination sei auch Schokolade zum Bier. „Probieren Sie mal Bitterschokolade zum kräftigen Bockbier aus. Das ergänzt sich hervorragend“, so der Experten-Tipp.

5. Finger weg von grünen Bierflaschen?

„Das kommt wie immer auf den Geschmack an. Aber richtig ist: Den besten UV-Schutz bieten braune Flaschen. Sie halten am besten Wärme und Licht vom Bier ab“, sagt Leikeim. Die grünen Flaschen seien vor allem ein Marketing-Mittel der Brauerei Beck aus Bremen gewesen, die damit ihre Marke „Becks“ von der Konkurrenz unterscheiden wollte. Inzwischen gebe es wohl auch grüne Flaschen, die einen besseren UV-Schutz ausweisen. Aber der Altenburger Bier-Sommelier schwört weiter auf die braunen Flaschen.

Anekdote am Rande: Zu DDR-Zeiten misstrauten Biertrinker oft den grünen Flaschen, nachdem die Runde gemacht hatte, in diesen lichtdurchlässigen Flaschen habe das Bier oft schon einen Knacks weg. Aus den bunt gemixten Kästen wurden in der Folge die grünen Flaschen fleißig aussortiert und durch braune Flaschen ersetzt. Bis man in der Kaufhalle den Dreh mitbekam und an der Kasse auf eine Mindestabnahme-Menge grüner Flaschen pro Kunde bestand...

6. Bier macht glücklich?

Das stimmt! US-Forscher haben tatsächlich herausgefunden, dass beim Biertrinken das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird. „Hinzu kommt: Kaum einer trinkt ganz allein sein Bier. Meistens sitzt man doch mit seinem Nachbarn oder mit Freunden zusammen und trinkt gemeinsam ein Bier. Allein dieses Zusammengehörigkeitsgefühl macht gute Laune“, sagt Leikeim.

Dass die Deutschen am meisten Bier trinken, stimmt aber nicht. 2018 trank im Schnitt jeder Deutsche 102 Liter Bier – das reicht nur für Platz 3 hinter Tschechien (138 Liter) und Österreich (105). Was aber leider wenig über unseren Glückszustand im internationalen Vergleich aussagt: Österreich (10.) liegt laut aktuellem UN-Weltglücksatlas zwar sieben Plätze vor Deutschland (17.), Bier-Weltmeister Tschechien (20.) aber noch hinter uns.

Von Olaf Majer