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Mitteldeutschland Bild nackter Dresdner Oberbürgermeisterin verboten
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11:29 03.12.2009
Ein von einer Dresdner Künstlerin gemaltes Bild der nackten Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) darf nicht mehr gezeigt werden. Das entschied das Landgericht Dresden am Donnerstag mit einer einstweiligen Verfügung. Quelle: dpa
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Dresden

Streitgegenstand war das Bild der Dresdner Künstlerin Erika Lust mit dem Titel „Frau Orosz wirbt für das Welterbe“. Der Knackpunkt der Abbildung: Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) posiert vor der fertigen Waldschlößchenbrücke - nackt und mit Amtskette. Das Gericht sah darin die persönliche Schamgrenze Orosz’ verletzt und sprach eine einstweilige Verfügung aus. Das Bild, das übrigens längst verkauft ist, darf vorerst weder veröffentlicht, noch zur Schau gestellt oder vervielfältigt werden.

Lust wird also die Abbildung von ihrer Homepage nehmen müssen, sonst droht ihr ein sechsstelliges Ordnungsgeld. Der Käufer dürfte das Bild lediglich im Privaten zeigen. „Erleichtert“ sei sie, sagte Orosz nach der eher kurzen Verhandlung den zahlreichen Medienvertretern in die bereitgehaltenen Mikrofone. Sie hatte sich in ihrer Intimsphäre und Menschenwürde verletzt gesehen. „Es geht darum zu sagen: Das geht zu weit“, argumentierte sie.

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Lust saß dagegen mit zusammengepressten Lippen neben ihrer Anwältin. Die aus Kasachstan stammende Künstlerin hat schon einige historische Persönlichkeiten nackt oder halbnackt abgebildet, von Heinrich VIII. bis Jane Seymour. Von Orosz malte sie unter anderem noch ein Bild als Domina - auch das ist verkauft. Beanstandet wurde das Sujet bisher nicht.

Anders beim Waldschlößchen-Bild: Es entstand im Juli 2009, kurz nachdem die UNESCO das Dresdner Elbtal wegen des umstrittenen Brückenbaus von der Liste der Welterbe-Stätten gestrichen hatte. Lust bezeichnete es als künstlerisches Statement zum europaweit einmaligen Verlust dieses Titels. Die Nacktheit sei Ausdruck dafür, dass Orosz zur entscheidenden Sitzung des Welterbe-Komitees in Sevilla mit leeren Händen gereist sei.

Orosz sei mit dem Bild nicht nur privat getroffen, sondern auch in ihrem Amt, begründete Richter Stephan Schmitt das Urteil. Als Oberbürgermeisterin müsse sie Kritik erdulden, „aber für jeden Menschen existiert ein Tabu“. Die Darstellung zeige Orosz „in Würden, aber nicht in Würde“. Schmitt monierte unter anderem, dass „der Geschlechtsbereich frontal gezeigt“ werde. „Wir mussten uns Gedanken machen, was für Gedanken und Gefühle dieses Bild bei einem unvoreingenommenen Betrachter auslösen.“ Sein Fazit: „Wir konnten nicht anders entscheiden.“

Die Künstlerin aber kündigte noch im Gerichtssaal Berufung an. „Ich will mich nicht selbst zensieren“, sagte Lust. Sie plane, noch weitere Politiker zu malen. „Ich muss wissen, ob das möglich ist.“ Wann das Oberlandesgericht Dresden darüber verhandelt, ist noch unklar. Nach Zustellung des schriftlichen Urteils haben die Prozessparteien vier Wochen Zeit, den Gang zur nächsten Instanz vorzubereiten. Mindestens bis dahin aber gilt wohl, was ein Prozessbesucher so auf den Punkt brachte: „Dresden bleibt in den Schlagzeilen.“

Torsten Klaus, dpa