Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Höchste Brandgefahr in Sachsens Wäldern – bis zu 10 000 Euro Strafe drohen!
Region Mitteldeutschland Höchste Brandgefahr in Sachsens Wäldern – bis zu 10 000 Euro Strafe drohen!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:34 26.06.2019
Die aktuelle Waldbrandgefahr in Sachsen. Quelle: Grafik: Sachsenforst
Leipzig.

Wie ist die aktuelle Lage in Sachsen?

Wir haben insgesamt eine äußerst angespannte Waldbrandgefahrensituation. Heute Morgen wurden die amtlichen Waldbrandgefahrenstufen ausgegeben. Für den gesamten nordsächsischen Bereich haben wir die höchste Gefahrenstufe 5. Und in fast allen anderen Teilen die Stufe 4 – bis in die Mittelgebirge hinein. Das ist schon sehr selten.

Warum ist Nordsachsen besonders gefährdet?

In Sachsen gibt es drei Waldbrandgefahrenklassen, die danach unterscheiden, wie hoch die grundsätzliche Waldbrandgefahr ist. Dort fließen die Waldbrandstatistik der vergangenen Jahrzehnte ein und die grundsätzlichen klimatischen Bedingungen – im Kammbereich der Mittelgebirge fällt mehr Regen als in Nordsachsen. Schließlich sind die Standortbedingungen wichtig, gerade im Norden haben wir viele sandige Böden, die das Wasser nicht lange halten können. Die Kiefern-Bestände dort sind überdies viel zündbereiter als Fichten oder Laubholz.

Wer überwacht die sächsischen Wälder?

Die Waldbrandüberwachung erfolgt durch die Unteren Forstbehörden der Landkreise und Kreisfreien Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz. Als Oberbehörde kommen wir aber natürlich unseren Verpflichtungen zur Überwachung des Landeswaldes für den Freistaats Sachsen nach. Damit dort keine Gefährdung irgendeiner Art entstehen kann. Das kontrollieren dann die Revierleiter vor Ort.

„Hohe Geldbußen drohen“

Heißt Waldbrandwarnstufe 5 automatisch Waldbetreteverbot?

Das hängt davon ab. Dafür sind – wie gesagt – die Unteren Forstbehörden zuständig. Die haben auf jeden Fall die Möglichkeit, den Wald aus Gründen des Brandschutzes zu sperren. Der Landkreis Nordsachsen hat davon Gebrauch gemacht und eine Allgemeinverfügung herausgegeben, die grundsätzlich den Waldbesuch ab Gefahrenstufe 4 einschränkt. Dann gilt ein Gebot, dass man die Wege nicht mehr verlassen darf. Bei Stufe 5 dürfen alle Wälder im Kreis nicht mehr betreten werden. Das ist jetzt der Fall.

Wie sieht es in anderen Landkreisen aus?

Dort ist das eher anlassbezogen, dort werden eher Verbote für bestimmte Regionen herausgegeben. Beispielsweise wurde das Betreten des Nationalparks Sächsische Schweiz im vergangenen Jahr während der Nachtzeit eingeschränkt.

Was droht denn jemanden, der sich nicht daran hält?

Wer die Sperrungen missachtet, offenes Feuer entfacht, im Wald raucht oder klimmende Kippen wegwirft, kann mit einem Bußgeld bis zu 2500 Euro bestraft werden – in schweren Fällen bis zu 10 000 Euro.

„Gefahr wird noch steigen“

Welche Rolle spielen Schädlinge wie der Borkenkäfer für die Waldbrandgefahr?

Borkenkäfer oder auch Stürme erhöhen die Brandlast, also das Material, das brennen könnte. Vertrocknete Kiefern oder Fichten brennen natürlich wie Zunder und sorgen für Feuer in den Kronen, das große Flächen zerstören kann.

Wie hoch ist die Gefahr im Vergleich?

Wir hatten zu Ostern bereits eine ähnliche Situation, als die Waldbrandgefahr besonders hoch war.Insgesamt waren es in diesem Jahr 58 Waldbrände auf insgesamt 8,2 Hektar, davon entfielen 39 auf die Zeit um Ostern. Im Juni waren es bisher elf. Ich gehe davon aus, dass das noch steigen wird. Das ist in etwa die gleiche Situation wie im Vorfahr. Insgesamt waren die Waldbrände sehr kleinflächig, weil Alarmierung und Löschen durch örtliche Feuerwehren sehr gut funktionieren.

„Notruf per App“

Wie verhält man sich derzeit richtig im Wald?

Unbedingt informieren, ob es Sperrungen gibt – beispielsweise über die Internetseiten der Landratsämter oder telefonisch. Wenn es keine Sperrungen gibt, gilt : sehr, sehr vorsichtig zu sein. Waldbrandstufe 5 ist extrem gefährlich. Da kann man leicht Brände entfachen. Fahrlässiges Verhalten ist die häufigste Brandursache. Eigentlich ist der Umgang mit offenem Feuer grundsätzlich das ganze Jahr über verboten. Lagerfeuer und Grillen, aber auch Rauchen fällt darunter oder Kippen aus dem Auto werfen. Wer mit aufgeheiztem Katalysator nahe des Waldes parkt, kann auch Feuer entfachen. Schließlich ist das Zuparken von Waldwegen problematisch, weil dadurch die Feuerwehr behindert wird.

Was ist mit der App?

Die App Waldbrandgefahr Sachsen kann ich nur empfehlen. Da kann man sich über jede Region in Sachsen informieren und im Zweifelsfall sogar einen Notruf absetzen.

Wie geht es weiter mit der Waldbrandgefahr?

Da kann ich mich nur auf die Prognose des Deutschen Wetterdienstes für die kommenden drei Tage verlassen. Die prognostiziert eine leichte Entspannung, aber fürs Wochenende wieder einen deutlichen Anstieg.

Von Roland Herold

Die Gruppe „Zukunft Sachsen“ will eine Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen verhindern. Dafür pocht sie allerdings nicht auf Inhalte, sondern rechnet mögliche Koalitionen durch. Jetzt befragt die Gruppe alle CDU-Direktkandidaten.

26.06.2019

Beim Straßenbau fließt der Schweiß, am Schmelzofen gibt’s Extra-Pausen und der Saunameister macht trotzdem Aufguss: Wir haben die heißesten Orte in Sachsen gefunden. Doch es gibt auch einzelne Kälte-Oasen.

26.06.2019

Noch einmal durchhalten: Nach dem Hitze-Gipfel an diesem Mittwoch folgt die Abkühlung. Zum Start in den Juli deutet sich ein Temperatursturz auf unter 20 Grad an. Hat der Sommer schon fertig? Ein Wetterdienst schert aus dem Hitze-Trend aus.

26.06.2019