Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Lieferengpässe: Blutdrucksenker sorgt für neuen Ärger
Region Mitteldeutschland Lieferengpässe: Blutdrucksenker sorgt für neuen Ärger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:13 27.04.2019
Wer einen erhöhten Blutdruck hat, ist eventuell auf Blutdrucksenker angewiesen. Berichte über das Mittel "Valsartan" schreckten viele Patienten auf. (Symbolbild) Quelle: Bernd Weissbrod/dpa
Leipzig

Neuer Ärger um den Blutdrucksenker Valsartan. Im vergangenen Jahr hatten Schlagzeilen, wonach der Wirkstoff mit einem potenziell krebserregenden Stoff belastet war, aufgeschreckt und zu einem Ansturm von verunsicherten Patienten in den Apotheken in Sachsen und Thüringen geführt. Bis Ende September waren die Chargen dann zurückgerufen und durch neue Ware ersetzt worden.

Nun meldet das Online-Portal „apotheke adhoc“, dass „sämtliche generische Monopräparate des Blutdrucksenkers defekt“ sind. Generisch bedeutet die wirkstoffgleiche Kopie eines Arzneimittels, dass bereits unter einem Markennamen auf dem Markt ist. Monopräparate enthalten nur einen pharmakologisch wirksamen Bestandteil und „defekt“ meint schlichtweg: nicht lieferbar. Der Ausfall betreffe Lieferanten wie TAD, Mylan, Phoenix und auch Gehe.

Kunden müssen draufzahlen

Nur das Original Diovan von Novartis sei derzeit zu bekommen, so das Portal. Hier müssten sich die Kunden aber auf hohe Aufzahlungen einstellen. Inklusive der gesetzlichen Zuzahlung muss ein Patient bei der N3-Packung mit 80 mg Wirkstoff 76 Euro aus eigener Tasche zahlen, bei den Präparaten mit 160 und 320 mg sind es 91 beziehungsweise 114 Euro. Das hängt damit zusammen, dass die Krankenkassen ihre Festbeträge für bestimmte Packungen mit bestimmter Menge und Dosierung senken, sobald das Patent für das Präparat gefallen ist. Bei Diovan ist das so.

Uwe Bauer, Vorstandsmitglied des Sächsischen Apothekerverbandes, bestätigt die Engpässe. „Das ist ein echtes Thema“, sagt der Inhaber der Plauener Concordia-Apotheke. „Wir haben eine unerfreulich lange Liste an defekten Präparaten.“ Er empfiehlt, auf Candesartan, Losartan oder Irbesartan umzusteigen – auf jeden Fall ein Präparat, bei dem das Patent gefallen sei. Und er hofft, dass auch Valsartan demnächst wieder lieferbar sind. TAD verspricht das für Ende Mai. Auch Hexal und Teva sind zumindest zuversichtlich.

„Kontrolle darüber verloren, wer was wo herstellt“

Barmer-Landesgeschäftsführer Fabian Magerl rät: „Kommt es zu Lieferschwierigkeiten und Versorgungsengpässen bei Valsartan-Blutdrucksenkern, sollten sich Betroffene an ihren behandelnden Arzt wenden.“ Dieser könne eine geeignete und mehrkostenfreie Therapieumstellung auf ein anderes Sartan-haltiges Arzneimittel oder einen sogenannten ACE-Hemmer mit vergleichbarer therapeutischer Wirkung vornehmen und dieses Arzneimittel auf rosa Kassenrezept verordnen. Er kündigte an, dass die Barmer die Kosten für die alternative mehrkostenfreie Versorgung für ihre Versicherten tragen wolle.

Apotheker Bauer sieht eine Ursache für den Mangel in der Rabattschlacht auf dem Arzneimittelmarkt, die dazu führe, dass immer mehr Präparate vornehmlich in Asien (Indien, China, Vietnam) produziert werden. „Der Nachteil daran ist, dass man die Kontrolle verloren hat, wer was wo herstellt.“ Firmen zögen alle Hebel, um Produkte so günstig wie möglich zu verkaufen. Gewinnen könne die Ausschreibung am Ende aber nur einer, während die anderen dann die Produktion runterführen. „Bricht dann aber bei diesem Hersteller das Chaos aus, dann haben in Deutschland, in Europa und in der Welt viele Leute keine Möglichkeit mehr, auf den Wirkstoff zuzugreifen“, rügt Bauer.

Schafft ein neues Gesetz Abhilfe?

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte die Hersteller im vergangen Sommer aufgefordert, ihre Herstellungsprozesse bei Sartan-haltigen Arzneimitteln zu überprüfen, um die aufgetretenen Verunreinigungen auszuschließen. Dafür wurde ihnen eine Übergangszeit von zwei Jahren eingeräumt. Die Bundesregierung will mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) den Bundesoberbehörden für den Rückruf von Arzneimitteln und Wirkstoffen erweiterte Kompetenzen ermöglichen.

Die Krankenkassen bekommen dem Entwurf zufolge einen Regressanspruch gegenüber den Herstellern, wenn ein Arzneimittel wegen Qualitätsmängeln zurückgerufen werden muss. Patienten werden zudem von der Zuzahlungspflicht befreit, wenn sie sich aufgrund eines mangelhaften Arzneimittels ein neues Rezept besorgen müssen.

Von Roland Herold

Leipziger Hebammen fordern einen höheren Personalschlüssel in den Kliniken, einen Mindest-Betreuungsschlüssel für werdende Mütter und eine bessere Bezahlung für angestellte Hebammen.

27.04.2019

Die Leipziger Hebammenschule wird zum kommenden Jahr in eine akademische Einrichtung unter dem Dach der medizinischen Fakultät überführt. Die Geburtskliniken der Stadt sehen sich vom Fachkräftemangel in der Geburtshilfe derweil nicht betroffen.

27.04.2019

Es ist ein schockierender Fund: Zwei Spaziergänger entdecken am Osterwochenende im Ilm-Kreis eine Babyleiche. Nun setzt die Polizei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Fall aufzuklären.

26.04.2019