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Mitteldeutschland Bruchholz, Borkenkäfer, Brandgefahr – Sorge um Sachsens Wälder
Region Mitteldeutschland Bruchholz, Borkenkäfer, Brandgefahr – Sorge um Sachsens Wälder
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09:42 07.06.2019
Ein Borkenkäfer kriecht über eine Fichte. Schädlinge und Trockenheit setzen Sachsens Wäldern zu. Quelle: dpa
Leipzig/Dresden

Stürme, Dürren, Brandgefahr: Dem sächsischen Wald geht es immer schlechter. Große Bestände sind durch Holzbruch und Hitzestress in katastrophalem Zustand. Den Rest bekommen Millionen Laub- und Nadelbäume durch eine Schädlingsplage ungeahnten Ausmaßes. Borkenkäfer, Raupen und Pilzkrankheiten haben Fichten, Ahornbäume, Ulmen, Eschen und Roteichen befallen und könnten zu deren großflächiger Vernichtung führen, argwöhnen Forstexperten. „Im Grunde genommen ist der gesamte sächsische Wald von den Schäden betroffen“, sagte eine Sprecherin des Staatsbetriebes Sachsenforst auf LVZ-Anfrage, auch wenn sich die Intensität regional unterscheide.

Die meisten Baumarten bedroht

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) sprach von den „verheerendsten Waldschäden seit Jahrzehnten“. Mindestens ein Viertel aller Bäume sei schwer geschädigt, durch die anhaltende Trockenheit und die Schädlingsausbreitung müsse aktuell mit noch größeren Schäden als im Vorjahr gerechnet werden.

Die größten Kopfzerbrechen bereitet den Forstleuten die anhaltende Massenvermehrung verschiedener Borkenkäferarten an Nadelbäumen, die es in diesem Umfang in den zurückliegenden hundert Jahren nicht mehr gegeben habe, heißt es beim Sachsenforst. So machten Buchdrucker und Kupferstecher den in Sachsen weit verbreiteten Fichtenbeständen zu schaffen, Lärchenborkenkäfer den Lärchen und gleich mehrere Käferarten machten sich über dürregeplagte Kiefern her, was „besonders in Nordwestsachsen zu einem enormen Befall führte“, so die Behördensprecherin.

Aber auch Laubbäume sind zunehmend betroffen. Vor allem im Forstbezirk Leipzig gebe es erhebliche Schäden beim Ahorn durch die Rußrindenkrankheit, bei der schädliche Pilzarten zum allmählichen Pflanzentod führten. Eschentriebsterben und verschiedene Käferarten machten auch Eschen und Ulmen zu schaffen. Zudem leiden alle Baumarten unter Wassermangel. Mit der sommerlichen Hitze steigt außerdem die Waldbrandgefahr: Für die nördlichen Regionen des Freistaates und den westlichen Teil des Landkreises Leipzig wurde bereits die höchste Warnstufe ausgegeben.

Das Überangebot von Schad- und Bruchholz treibt die Holzpreise in den Keller. Auch die privaten Waldbesitzer sind am Rande ihrer Kapazitäten angekommen, wie Verbandsgeschäftsführer Steffen Wolf berichtet. „Sie kommen nicht hinterher, das sind leider beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer.“ Maschinen für kleine Flächen von nur zehn Hektar seien schwer zu bekommen. Fast die Hälfte der insgesamt 520 000 Hektar Wald im Freistaat ist in Privatbesitz. „Dabei steht uns die Hauptkäferzeit noch bevor“, sagt Wolf. „Und die Prognosen sind schlecht.“

Grüne fordern schnelleren Waldumbau

Nach Ansicht der sächsischen Grünen hätte die Abkehr von forstwirtschaftlichen Monokulturen wie Fichten und Kiefern in Sachsen wesentlich schneller kommen müssen. „Der Waldumbau hin zu stabilen Mischwäldern ging in Sachsen bisher viel zu langsam voran“, kritisierte Fraktionschef Wolfram Günther. Artenreiche Wälder mit unterschiedlicher Altersstruktur hätten Stürmen, Dürren und Schädlingen mehr entgegenzusetzen. „Mit der besonderen Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft kann sich unser sächsischer Umweltminister daher nicht schmücken“, so Günther.

Angesichts des überaus kritischen Zustandes großer Waldgebiete bestehe „akuter Handlungsbedarf, um das sensible Ökosystem Wald zu schützen und für unsere Kinder und Enkel in seiner Funktionsfähigkeit zu erhalten“, mahnte Günther. „Wir brauchen in den Wäldern die Baumarten, die an unsere Standorte angepasst sind. Auch die Trockenheitsresistenz sollte bei der Auswahl zukünftig noch mehr beachtet werden.“ Der Waldumbau sei eine große Aufgabe im Staatswald, in den Körperschaftswäldern und für Privatwaldbesitzer. „Hier hat die Regierungskoalition in den letzten Jahren viel zu wenig getan. Nun gilt es, schnellstens und mit allen Kräften den Waldumbau voranzubringen.“

Wollen keine „kasachische Steppe“

Um kommenden Generationen noch einen gesunden Wald hinterlassen zu können, sollte die heutige Waldfläche deutlich vergrößert werden. Dafür macht sich die Stiftung Wald für Sachsen mit Sitz in Markkleeberg südlich von Leipzig stark. „Nachhaltigkeit lässt sich nur durch fachgerechten Waldbau und Baumarten sichern, die gut an die jeweiligen Standorte angepasst sind“, sagt Projektleiter Olaf Kroggel. Für die Waldmehrung müssen so viele Flächen wie möglich bereit gestellt werden“, so der Naturschützer. Offenland wie in der Kasachischen Steppe sei untypisch für Mitteldeutschland und könne keiner wollen: „Was wir hier brauchen, ist mehr gesunder Wald.“ Das sorge für höhere Luftfeuchtigkeit, verhindere Austrocknung und Erosion und binde klimaschädliche Gase wie Kohlendioxid, um nur einige Vorzüge zu nennen. „Die Politik sollte Neuanpflanzungen stärker durch Startinvestitionen fördern“, betont Kroggel.

Von Winfried Mahr

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