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Mitteldeutschland Bundespolizei probt den Ausnahmezustand am Erfurter Hauptbahnhof
Region Mitteldeutschland Bundespolizei probt den Ausnahmezustand am Erfurter Hauptbahnhof
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17:33 14.05.2019
Am Erfurter Hauptbahnhof plant die Bundespolizei eine große Anti-Terror-Übung. (Archivbild) Quelle: dpa
Erfurt

Das Gedankenspiel ist ein Alptraum: Täter schießen auf Reisende und zünden Sprengsätze - am Erfurter Hauptbahnhof, mitten in der Stadt. Mit einer solchen Anti-Terror-Übung will die Bundespolizei in der Nacht zu Mittwoch den Ausnahmezustand proben. Mehr als 1000 Einsatzkräfte beteiligen sich - Polizisten, Sanitäter, Bahnmitarbeiter.

Es soll für die Bundespolizei eine ihrer größten Übungen dieser Art werden, wie Michael Oettel von der Bundespolizeiinspektion Erfurt im Vorfeld sagte. „Die Sicherheitsbehörden gehen immer noch von einer hohen abstrakten Gefährdung in Deutschland aus“, sagte Oettel zum Grund für die Übung.

Kein Einschränkungen im Bahnverkehr

Der Bahnverkehr soll trotz der Übung normal weiter laufen, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Es könne lediglich zu Gleisverlegungen kommen. Hauptschauplatz für die Übung ist der Einkaufsbereich des Hauptbahnhofes, der abgesperrt wird.

Auch der Tunnel, wo sich die Straßenbahnhaltestellen befinden, soll gesperrt und Sichtschutzzäune sollen dort aufgebaut werden. „Wir üben taktische Vorgehensweisen, die nicht jeder sehen soll“, sagte Oettel.

Die Übung soll um 23 Uhr beginnen, bis 4.30 Uhr am Mittwoch soll der Hauptbahnhof wieder frei sein. Die ersten Absperrungen wird es am Dienstag aber schon ab 20 Uhr geben. Nach Angaben der Stadtwerke Erfurt können einige Haltestellen für Bus und Straßenbahn während der Übung nicht angefahren werden. Außerdem soll es Schienenersatzverkehr für Straßenbahnen geben.

Drei Szenarien werden durchgespielt

Drei unterschiedliche Szenarien sollen in der Nacht durchgespielt werden. Die Ausgangslage ist aber immer die Gleiche: Täter sind extrem gefährlich und wollen Menschen töten. „Man orientiert sich bei solchen Übungen immer auch an Szenarien, die tatsächlich stattgefunden haben“, sagte Oettel.

Bei der Übung schießen die Täter mit Platzpatronen, auch die Sprengattrappen machen laut Oettel Krach. Für die drei Szenarien sei unterschiedliches taktisches Handeln gefragt.

Rund 800 Polizisten der Bundespolizei und der Landespolizei beteiligen sich an der Übung. „Die Streifenpolizisten sind diejenigen, die in solchen Situationen normalerweise als erste vor Ort sind und die ersten Maßnahmen ergreifen“, sagte Oettel. Rund 250 Polizeischüler sollen Statistenrollen übernehmen und Reisende am Bahnhof spielen. Speziell geschulte Polizisten spielen die Täter.

Auch gespielte Verletzte soll es geben. Oettel zufolge stellen Sanitätssoldaten der Bundeswehr verschiedene Verletzungsbilder nach. Etwa 350 Rettungskräfte beteiligen sich an der Übung, wie eine Sprecherin des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sagte. „Unsere Leute müssen dann erkennen, wer leicht, schwer oder lebensbedrohlich verletzt ist, und entscheiden, wer zuerst behandelt oder in eine Klinik gebracht wird“, sagte die Sprecherin.

Oettel sagte, dass es bei der Übung auch darum gehe, wie die Behörden im Ernstfall zusammenarbeiten. „Wir haben schon bei den Vorbereitungen gemerkt, dass man besser wird, wenn man sich austauscht“, sagte Oettel. Während die Übung läuft, sollen Schiedsrichter alles genau beobachten und bewerten. „Wir haben auch Dokumentationsteams vor Ort, die ein Video anfertigen“, sagte Oettel.

von Stefan Hantzschmann/dpa

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