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Mitteldeutschland CDU zieht in Sachsen an AfD vorbei
Region Mitteldeutschland CDU zieht in Sachsen an AfD vorbei
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21:45 13.08.2019
Über die Zusammensetzung des neuen sächsischen Landtags wird am 1. September 2019 entschieden. Quelle: Robert Michael
Dresden

Eine neue Prognose zur sächsischen Landtagswahl am 1. September 2019 bestätigt die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Insa, das die CDU aktuell drei Prozentpunkte vor der AfD sieht. In Thüringen, wo am 27. Oktober 2019 ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird, bricht die Union dagegen ein und liegt die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow nun vorn.

Neue Prognose für Sachsenwahl

Innerhalb von neun Wochen hat es deutliche Verschiebungen gegeben. Im Vergleich zur Juni-Prognose gewinnt die CDU aktuell 31 der 60 Wahlkreise, was einem Plus von sieben Mandaten entspricht – der Bestwert lag im März allerdings bei 36 potenziellen Siegen. Gleichzeitig baut die Union in einigen Wahlkreisen, in denen sie bereits vorn lag, ihren Vorsprung aus. Dagegen kommt die AfD aktuell nur noch auf 26 Wahlkreise, sie büßt damit drei ein und verliert selbst sicher geglaubte Führungen (Görlitz, Zwickau, Vogtland).

Auch die Grünen müssen demnach in drei Wahlkreisen den Spitzenplatz (Leipzig, Dresden) abgeben, kommen aber noch auf vier Direktmandate. Bei den Linken ist die Tendenz ähnlich: In Leipzig liegen sie noch in zwei Wahlkreisen vorn (minus 1). „Es deutet sich an, dass die Kandidateneffekte offenbar immer stärker ins Gewicht fallen“, kommentiert Meinungsforscher Valentin Blumert von wahlkreisprognose.de die Zahlen. Bei der Landtagswahl 2014 hatte die Union 59 Wahlkreise gewonnen und musste sich nur im Leipziger Süden der Linken geschlagen geben.

Regionale Unterschiede besonders in Ostsachsen

Insbesondere in Ostsachsen und im Raum Erzgebirge/Chemnitz sind laut der Prognose größere Veränderungen festzustellen – von der AfD zur CDU. Dabei sticht CDU-Regierungschef Michael Kretschmer heraus: In seinem Görlitzer Wahlkreis führt er neuerdings laut Prognose mit einigem Abstand. Allerdings, und das ist ein neues Phänomen in Sachsen, ist in mindestens drei Viertel der Wahlkreise mit einem engen Ausgang zu rechnen. „Es wird auf den Endspurt ankommen. Momentan sind die Abstände vielerorts nur hauchdünn“, meint Valentin Blumert.

Besonders umkämpft sind Leipzig und Dresden. Während es in der Landeshauptstadt auf einen Dreikampf zwischen CDU, AfD und Grünen hinausläuft, mischen in Leipzig auch Linken mit – das Quartett liegt im Stadtgebiet mit Werten um 20 Prozent nahezu gleichauf. Dabei stechen als Einzelkandidaten mit sehr guten Aussichten bislang nur die Landtagsabgeordneten Roland Pohle (CDU) und Juliane Nagel (Linke) sowie Grünen-Landeschefin Christin Melcher heraus. In Dresden haben sich AfD-Landessprecher Andreas Harlaß und der Grünen-Kandidat Thomas Löser ein kleines Polster verschafft.

Unterschiedliche Stimmenverteilung wird erwartet

Der Meinungsforscher macht mit Blick auf die jüngsten Erhebungen einen weiteren Trend aus, der erhebliche Folgen haben könnte: „Es ist mit einem Stimmensplitting zu rechnen, das es in dieser Form in Sachsen noch nicht gegeben hat.“ Hintergrund ist das sächsische Wahlrecht: Jeder kann zwei Kreuze machen – für einen Direktkandidaten im Wahlkreis (Erststimme) und für die jeweils favorisierte Partei (Zweitstimme). Ist das Votum in besonders vielen Fällen unterschiedlich, kommt es zu Abweichungen zwischen Erst- und Zweitstimmenergebnis.

Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, könnte beispielsweise die CDU mehr Direktmandate holen als ihr anhand der Zweitstimmen möglicherweise zustehen würde. Die Folge wären Überhangmandate für die Union und Ausgleichsmandate für andere Parteien. „Unterm Strich wären es mehr Sitze im Landtag. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch“, erklärt Valentin Blumert. In der sächsischen Verfassung ist der Umfang des Landtags geregelt: Es soll 120 Abgeordnete geben. In der laufenden Legislatur sind es 126 – weil 2014 auf die CDU aufgrund ihrer Dominanz in den Wahlkreisen drei Überhangmandate entfielen, erhielten Linke, SPD und AfD jeweils einen Ausgleichssitz.

Große Veränderungen in Thüringen

Im benachbarten Thüringen wird am 27. Oktober 2019 gewählt. Das rot-rot-grüne Regierungsbündnis hat nach aktuellem Stand zwar seine Mehrheit verloren – doch weitaus heftiger trifft es die CDU in den Wahlkreisen, wo die Partei von Oppositionsführer Mike Mohring einen regelrechten Absturz erlebt und die AfD deutlich Boden gut macht oder sogar vorbeizieht. Hätte die CDU im August 2018 noch 34 der 44 Direktmandate gewonnen und damit ihr Niveau seit der Landtagswahl von 2014 gehalten, sind es jetzt noch 11. Demgegenüber legt die AfD 15 potenzielle Siege zu. Während die Rechtsaußen im westlichen Altenburger Land in Führung liegen, sind im östlichen Teil des Kreises die Linken wieder an der AfD vorbeigezogen. Dabei sind jedoch – wie in Sachsen – die Abstände häufig gering: Die Wahlkreise wackeln also noch. Die Linke kann in Thüringen gegenwärtig auf 17 Direktmandate hoffen (2018: 5) und ist besonders in Erfurt, Jena und Nordhausen sowie im Kyffhäuserkreis und Südthüringen (Hildburghausen, Suhl) stark. Die AfD hat in Saalfeld und Ostthüringen, wie etwa in Gera, ihre Hochburgen. Die SPD kommt weiterhin auf ein Direktmandat in Gotha (2018: 1), die Grünen gehen laut der jüngsten Prognose in Thüringen leer aus.

Daten mit eigenen Berechnungsverfahren erhoben

Das Team von Wahlkreisprognose.de hat ein eigenes Berechnungsverfahren entwickelt, das 2017 erstmals verwendet wurde: Neben demoskopischen Trends, sozialen Daten und historischen Wahlergebnissen werden auch Extra-Ergebnisse von Meinungsforschungsinstituten berücksichtigt. Bei den Landtagswahlen in Bayern und in Hessen lag die Treff­sicherheit zuletzt bei fast 97 Prozent. Seit kurzem werden auch Vor-Ort-Befragungen durchgeführt.

Von Andreas Debski

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