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Mitteldeutschland Herbert Grönemeyer wirft seine Schatten voraus
Region Mitteldeutschland Herbert Grönemeyer wirft seine Schatten voraus
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13:02 04.07.2019
Buntes Treiben schon am Morgen: Kinder vor Stadthalle in Chemnitz. Quelle: Roland Herold
Chemnitz

10, 9, 8, 7 - Chemnitz startet heute in ein Event der Mega-Klasse. Eine galaktische Riesenparty für Toleranz und gegen Fremdenhass unter dem Motto „Kosmos Chemnitz - Wir bleiben mehr“ soll Tausende an 40 Plätzen des westsächsischen Universums rund um den Nüschel begeistern. Seit dem frühen Morgen rüsten sich Open-Air-Bühnen für spacige Musik, Artistik und Comedy.

Zahllose Tonproben, krachende Beats, Baustellen, gesperrte Zugänge - wer schwache Nerven hat, sollte die Stadt heute besser weiträumig umkurven. Die Ordner bemühen sich, die Besucherströme zu lokalisieren. Auch Kamerateams rücken bereits in Rudeln an. Die Polizei zeigt Präsenz, hält sich aber im Hintergrund. Viele Kindergruppen vor der Stadthalle, die den Vormittag zum Toben nutzen, stört das alles wenig. Erst recht, wenn die Erzieher so relaxt sind wie heute.

Herbert kommt! Die Security auch...

Über all dem strahlt der Himmel in den Farben des Chemnitzer Fußballclubs - hellblau. Pascal (19), der mit seiner persönlichen Venus Swenja (18) aus Grüna herübergedüst ist, findet es jetzt schon cool. „Wann bekommt man mal so eine große Party, die auch noch kostenlos ist“, freuen sich die beiden, bevor sie sich in einem der vielen Modegeschäfte noch ein wenig aufstylen wollen. Sie verpassen –Herbert Grönemeyer. Als Star der Kosmos-Party soll er am Abend auftreten. Doch kurz nach 12 betritt er die Bühne und probt, mindestens eine Stunde lang. Die Fans hinter den Absperrungen jubeln, die Security holt Journalisten zurück, die fotografieren. „Das wollen wir nicht“, sagt ein junger Mann und hofft, dass das als Erklärung reicht. Herbert dröhnt zornig dazwischen: „Männer bauen Raketen“. Das passt irgendwie.

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Das Programm des heutigen Tages ist jedenfalls umfangreich. Dazu gehören beispielsweise Musik-Spots, Dokumentationen und Filmpremieren. Ob im Waschsalon, im Panoramarestaurant des Dorint Hotels oder in der Galeria Kaufhof – im Orbit des Stadtzentrums werden zahlreiche Vorträge, Lesungen und Diskussionen beispielsweise über Demokratie, DDR-Kunst und -architektur oder auch Stadtentwicklung stattfinden. Dazu kommen sportliche Angebote zum Abheben wie etwa ein Skatewettbewerb, ein Basketball Contest mit den Niners Chemnitz, eine Kletterwand sowie auch ein E-Gaming-Bereich.

Umfangreiches Programm

Das Cluster des automatisierten Fahrens stellt die Zukunft der irdischen Stadtmobilität vor. Galerien öffnen ihre Türen und bieten ein abwechslungsreiches Programm an. Weiterhin sind interaktive Formate wie ein Planspiel Stadtrat, Workshops und eine Instagram-Fototour durch Chemnitz geplant.

Herbert probt .schon mal Quelle: Roland Herold

Neben Grönemeyer haben Bands wie Alligatoah und Tocotronic, aber auch der Liedermacher Joris Landeerlaubnis erhalten. „Kosmos Chemnitz“ sei ein „offenes Konzept, bei dem lokale Akteure aus vielen künstlerischen Sparten, aus der Musik, dem Sport und der Wirtschaft an einem Strang ziehen“, ließen die Veranstalter wissen. Insgesamt rechnen sie mit rund begeisterten 20 000 Raumfahrern.

65 000 vor einem Jahr

Vor einem Jahr hatten rund 65 000 Menschen unter dem Motto „#wirsindmehr“ bei einem ersten Konzert gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt protestiert. Die Veranstaltung damals war eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Deutschen Daniel H. und die damit verbundenen Demonstrationen rechtspopulistischer Kräfte. Der 35-jährige Deutsche war in den Morgenstunden des 26. August 2018 in Chemnitz erstochen worden. Mittlerweile hat der Prozess gegen einen Syrer begonnen. Tatverdächtig sind der Angeklagte sowie ein Iraker, der auf der Flucht ist und nach dem weltweit gefahndet wird.

Seinerzeit spielten Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet gratis. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war damals wegen seiner Unterstützung für die Veranstaltung kritisiert worden. Mehrere CDU-Politiker – unter anderem die damalige Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer – monierten das Engagement, weil der Schweriner Verfassungsschutz die Punkband Feine Sahne Fischfilet zeitweise wegen „linksextremistischer Bestrebungen“ im Blick hatte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dagegen dankte den Organisatoren für ihr Engagement. Mittlerweile wird das kosmische Open Air Event von der kommunalen Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH organisiert. CWE heißt die neue Nasa.

 

Von Roland Herold und Matthias Puppe

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