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Region Mitteldeutschland

Chemnitz wird Europäische Kulturhauptstadt 2025

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14:11 28.10.2020
Chemnitz wird europäische Kulturhauptstadt 2025. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Chemnitz/Berlin

Chemnitz soll Deutschland als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten. Eine entsprechende Empfehlung für die sächsische Stadt verkündete die europäische Auswahljury am Mittwoch in Berlin. Damit haben Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg – die anderen Städte der Shortlist – das Nachsehen. Zuvor waren im vergangenen Dezember die Mitbewerber Dresden, Gera und Zittau ausgeschieden.

Die Empfehlung der Jury muss von Bund und Ländern in eine formelle Ernennung umgewandelt werden. Die zweite Europäische Kulturhauptstadt 2025 stellt Slowenien, die Entscheidung soll im Dezember verkündet werden. In diesem Jahr können sich Rijeka in Kroatien und Galway in Irland mit dem Titel schmücken.

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Kretschmer: „Unglaubliche Chance für Chemnitz“

„Ich freue mich riesig für diese wunderbare Stadt und die hier lebenden Menschen. Ich bin mir sicher: Die Macher-Mentalität der Chemnitzer war mitentscheidend dafür, dass es am Ende geklappt hat“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in einer ersten Reaktion. „Mein Dank gilt allen, die dafür mit viel Herz und bewundernswertem Engagement gearbeitet haben. Die Entscheidung der europäischen Auswahljury ist eine unglaubliche Chance für Chemnitz, in Europa und in der Welt nun noch deutlich sichtbarer zu werden.“

Mehr zum Thema: So könnten Leipzig und Dresden von Chemnitz als Kulturhauptstadt profitieren

Die Entscheidung bedeutet ein großes Konjunkturprogramm für die 245.000-Einwoher-Stadt und die Region: Der Freistaat will bis 2025 insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) musste in der Live-Übertragung, in der die Entscheidung am Mittag verkündet wurde, nach Worten ringen. „Der vorletzte Arbeitstag als Oberbürgermeisterin dieser wunderbaren Stadt ist eindeutig der beste meiner 14-jährigen Amtszeit“, sagte sie. „Dieser Titel ist für Chemnitz die große Chance, viel zu geben und viel zu bekommen, viel vom Ungesehenen zu zeigen. Nicht nur die Bilder von Nazi-Aufmärschen, sondern eine Erzählung von Fleiß und Kreativität für gelebte europäische Werte.“

Deutschland stellte zuletzt 2010 die Kulturhauptstadt

Die Europäische Union vergibt den Titel seit 1985 immer zeitgleich an zwei Länder. Zuletzt war Deutschland 2010 mit Essen und dem Ruhrgebiet vertreten. Ausgezeichnet wurden davor auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988).

In den Bewerberstädten wurden jahrelang Ideen gewälzt, Programme aufgestellt und dicke Bewerbungen geschrieben. Die Kandidaten wurden aufgrund umfangreicher Bewerbungsbücher bewertet. Außerdem gab es zuletzt Stadtbesuche, wegen der Corona-Pandemie allerdings ausschließlich digital.

Chemnitz will „all die Leute und Orte sichtbar machen, die man nicht sieht, und damit auch ein Chemnitz, das in Europa – noch – keiner auf dem Schirm hat“, so das Bewerbungsteam. Mit kulturellen Mitteln sollen Gräben überwunden werden.

Chemnitz war vor zwei Jahren tagelang im Ausnahmezustand gewesen, nachdem Daniel H. am Rande des Stadtfests von einem Asylbewerber erstochen worden war. Es folgten Demonstrationen, bei denen auch der Hitlergruß gezeigt wurde. Die Ereignisse des Sommers 2018 wurden genau wie brachliegende Flächen und leerstehende Häuser zunächst als Schwäche in der Bewerbung der drittgrößten Stadt in Sachsen betrachtet. Ob Wende, Strukturwandel oder jetzt die Corona-Pandemie: Mit Macher-Mentalität will Chemnitz aktiv werden.

Von dpa/nöß