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Mitteldeutschland Comic-Reise in die DDR: Thälmann, Trampen, Turnfest
Region Mitteldeutschland Comic-Reise in die DDR: Thälmann, Trampen, Turnfest
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18:49 23.04.2019
Mit rotem Halstuch, Pioniergruß und immer im Sinne Ernst Thälmanns: Der 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordete KP-Vorsitzende und Namensgeber der Pionierorganisation wurde in der DDR hoch verehrt. Quelle: Alle llustrationen: Schwarwel/Buch
Leipzig

Der Pioniergruß ist zackig, die Losung und die Symbole an der Schultafel lassen keine freien Gedanken und Interpretationen zu. Alles im Geiste Ernst Thälmanns, des großen Sohns der Arbeiterklasse. Comic-Zeichner und Trickfilmregisseur Schwarwel (50) hat diese typische Szene aus dem DDR-Schulalltag mit lockerer und prägnanter Feder festgehalten. In seinem Buch „1989 – Lieder unserer Heimat“, das im Untertitel die vielseitige Erklärung „Der Almanach zum Lebensgefühl der Aufwachsenden” trägt.

Mit "1989 - Lieder unserer Heimat" setzt sich der Leipziger Comickünstler und Illustrator Schwarwel in seinen Bildern erneut mit der DDR-Geschichte auseinander. Er und seine zahlreichen Gastautoren wollen das Lebensgefühl an die Nachgeborenen vermitteln.

Fünf Jahre nach seinem Trickfilm (und Almanach) „1989 – Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer“ hat Regisseur Schwarwel (Schöpfer der Comicfigur Schweinevogel und als langjähriger Zeichner für die Punkband Die Ärzte bekannt) nun quasi einen neuen gedruckten Band folgen lassen. Keine normale Fortsetzung, sondern eine eigenständige Ausgabe, in der Texte mit neuen Comics und – zum Teil auch welchen aus dem Erstband – miteinander verknüpft werden.

Für die Generation der Nachgeborenen

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution will dieses großformatige A-4-Buch vor allem die Generation ansprechen, die die eingemauerte DDR und die eiserne SED-Herrschaft mit ihren Folgen bis in den letzten privaten Winkel persönlich gar nicht mehr erlebt hat. Wie hat sie sich also angefühlt, die DDR? Wie war das Leben zwischen Ostsee, Oder und Osterzgebirge? Hatte der DDR-Mensch auch Spaß?

Mit all diesen Fragen (und noch vielen mehr) geht das Buch in einer lockeren Form um und versucht sich in Antworten. Geschichte nicht im staubtrockenen Stil von „Opa erzählt vom Krieg“, sondern auf junge und frische Art und Weise erlebbar gemacht. Eben für jene, die sich unter einem ideologie-getriebenen und angepassten Leben so gut wie nichts mehr vorstellen können. Die zeitliche Brücke reicht dabei von der DDR-Zeit bis in die Gegenwart.

In die Vergangenheit einfühlen

„Für unser Empfinden lässt sich Geschichte am leichtesten erlebbar machen und vermitteln, indem wir uns einfühlen können in das Erzählte, das Gesehene, Gehörte und Gelesene“, sagen die Herausgeber Sandra Strauß und Schwarwel. „Damit können wir Rückschlüsse ziehen auf unser Leben im Hier und Jetzt. Wir können uns damit auseinandersetzen, was Vergangenheit mit uns und unserem eigenen Leben zu tun hat und was wir daraus mitnehmen können.“

In den 13 Episoden geht es um Themen wie Rock-Musik in der DDR („Zeit, die nie vergeht“), Hip-Hop im Sozialismus („Wir waren eben die Kanaris“), die Opposition wie die Geschichte über die Radix-Blätter, dem einzigen illegalen Untergrundverlag der DDR. Daneben werden aber das Medizinstudium und die Ärzteschaft in der DDR („Arbeiterkind vor Akademikerkind“), das Staatsdoping („Unser Herz dem Sport“), der Ost-Fußball als Verlierer der Wende („Tradition schießt keine Tore“) genauso beleuchtet wie der Schießbefehl an der Mauer und die Frauen und Frauenrechte.

Persönlich und unterhaltsam

Die Kapitel sind meist von einer sehr persönlichen Ebene aus erzählt, mit Anekdoten und Erlebnissen gemischt . Das macht „1989 – Lieder unserer Heimat“ zu einem unterhaltsamen „Gechichts“-Buch. Auf jeden Fall eine Empfehlung für Schulen und Geschichtslehrer als Unterrichtsmaterial. Die Texte stammen übrigens von 50 Autoren, viele von ihnen mit prominenten Namen. Wie Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, die Historiker Reiner Eckert und Sascha Lange, die DDR-Bürgerrechtler Uwe Schwabe und Siegbert Schefke oder der bekannte DDR-Experte in der „Spiegel“-Redaktion, Peter Wensierski („Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“).

Den Almanach, der von der Bundesstiftung und dem Sächsischen Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur fördert wurde und die dazugehörigen Trickfilme wollen Schwarwel und sein Team übrigens weiter in Demokratie-Workshops und für Bildungsveranstaltungen in Ost und West einsetzen. Sie geben damit letztendlich auch ein Erklärungsmuster ab, warum der Osten knapp 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution so und nicht anders tickt.

Von André Böhmer

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