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Mitteldeutschland Das Geheimnis unter Buchenwald: Lagert im Stollen Raubgut der SS?
Region Mitteldeutschland Das Geheimnis unter Buchenwald: Lagert im Stollen Raubgut der SS?
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19:48 24.09.2019
Grabungen im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald sollen neue Hinweise auf mögliche Stollen und Hohlräume im Kalkstein des Ettersbergs erbringen. Quelle: MDR
Weimar

Das Martyrium beginnt auf dem Grund des Steinbruchs. Neu ankommende Häftlinge in Buchenwald werden hier zum Arbeitseinsatz eingeteilt, tragen die Steinbrocken von der Sohle des Grabens bis nach oben, werfen sie auf bereitstehende Lastwägen und werden von SS-Aufsehern wieder nach unten getrieben. So lange, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrechen –Vernichtung durch Arbeit.

„Wenn du einen kleinen Stein genommen hattest, weil du hundemüde warst, konnte es sein, sie treten dich. Und du fällst bis auf die Sohle des Steinbruchs. Ende, tot“. So erzählt es ein Überlebender in einem aufgezeichneten Gespräch von Peter-Hugo Scholz. Es ist eine der letzten großen Geschichten des Journalisten: Noch bis zum Wochenende recherchiert er die Historie des Steinbruchs Buchenwald bei Weimarbis er plötzlich an einem Herzleiden verstirbt.

Tod von Peter-Hugo Scholz: Gedenken durch Geschichten

Zusammen mit einem Team des Kulturressorts des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) war er Hinweisen nachgegangen, die auf verborgene Stollen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte schließen lassen. Wenn Scholz recht behält, könnte dort möglicherweise Raubgut der SS verborgen sein.

Peter Hugo Scholz Quelle: Olaf Kreiß

Die öffentliche Vorstellung seiner Geschichte und der mit ihr verbundenen Folgen am Dienstag in Weimar erlebt Scholz nicht mehr. „Wir haben lange überlegt, ob die Pressekonferenz stattfinden soll“, sagt Boris Lochthofen, Direktor des MDR-Thüringen. „Wir sind zu dem Schluss gekommen: Ja. Diese Form von Gedenken wäre in seinem Sinne gewesen.“ Scholz habe nicht nur wertvolle Stücke der Historie des „Schreckensortes Buchenwald“ zusammengetragen, sondern auch erreicht, dass der „Deckel dieses Geheimnisses“ ein wenig gelüftet werden könne, so Lochthofen.

Die Suche nach der Wahrheit im Steinbruch

Ab Ende September wird der MDR, begleitet von Experten des Landesamts für Denkmalpflege (TLDA) und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, ein Grabungsprojekt am Steinbruch durchführen. Dieses soll Aufschluss über die Fragen geben, die schon seit den 90er Jahren immer wieder selbst ernannte Schatzsucher auf den Plan rufen: Liegen geheime Depots unter Buchenwald? Und wenn ja: Verbergen sie einen Schatz?

Zwei solcher Hohlräume waren schon kurz nach der Befreiung des Vernichtungslagers von den Amerikanern gefunden worden. Ihr Inhalt: Wertgegenstände wie Uhren, Perlen und Besteck, aber auch Kerzenständer aus Synagogen. Viel davon – etwa herausgebrochenes Zahngold – den in den Konzentrationslagern des Ostens inhaftierten und ermordeten Menschen durch die Nationalsozialisten geraubt und dann, als die Niederlage im Krieg vorherzusehen war, versteckt. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sammelte Scholz Dokumente, kontaktierte Journalisten, Historiker und Zeitzeugen und trug schließlich genug stichhaltige Indizien zusammen, um die Verantwortlichen des TLDA und der Stiftung Gedenkstätten zu überzeugen.

Keine Anleitung für Schatzjäger

Eine wichtige Rolle spielte dabei eine Luftaufnahme des Konzentrationslagers von 1945, auf der Spuren von Grabungsarbeiten im Steinbruch zu sehen sind. In Verbindung mit einer Skizze unbekannter Herkunft, die neben den beiden gefundenen Bunkern noch weitere sechs Hohlräume zeigt, wird so eine ungefähre Ortung eventueller Depots möglich. „Es ist nicht unsere Absicht, hier Anleitungen für Schatzsucher zu veröffentlichen“, sagt der stellvertretende Gedenkstätten-Stiftungsdirektor Phillipp Neumann-Thein. „Möglicherweise öffnen wir hier den Deckel zur Geschichte nur, um ihn dann endgültig zu schließen – damit persönliche Grabereien ein Ende haben.“

Sven Ostritz, Präsident des TLDA fügt hinzu: „Wir gehen mit dem neuen Erkenntnisstand nach langer Abwägung in die Offensive.“ Priorität habe aber immer der Erhalt der historischen Quellen vor dem Hintergrund der Taten der Nationalsozialisten in Buchenwald. „Wenn es eine Hölle in Buchenwald gab, dann war das der Steinbruch“, sagt Ostritz.

„Facette monströser Menschheitsgeschichte“

„Uns ist klar, dass wir nur eine ganz kleine Facette monströser Menschheitsgeschichte zeigen“, sagt Lochthofen vom MDR. Er betont, dass unter vielen Auflagen und unter Anleitung lediglich ein Bagger für eine oberflächliche Schürfung zum Einsatz komme. Das Gelände werde zudem abgesperrt, um Trittbrettfahrer zu vermeiden. „Wenn wirklich etwas gefunden wird, ist unsere Arbeit beendet. Dann beginnt mit archäologischen Untersuchungen auch eine neue Entscheidungsfindung“, so Lochthofen. Bis dahin trage der MDR die Kosten.

Liegt unter Buchenwald tatsächlich weiteres Raubgut der SS versteckt, gehört dieses, laut Neumann-Thein von der Stiftung Gedenkstätten, zunächst dem rechtlichen Eigentümer. Könne dieser nicht gefunden werden, gehe es in den Besitz des Schatzregals Thüringen über.

Recherche zum Nachhören

Seine Recherche hat Peter-Hugo Scholz in einer siebenteiligen Podcastserie aufgezeichnet. Seit Montag stehen die ersten Folgen in der Mediathek von MDR-Kultur zur Verfügung und laufen auch im regulären Programm. Im Zuge der Schürfungen im Steinbruch werden zudem drei Filme entstehen, von denen einer bei Arte und zwei bei MDR gezeigt werden sollen. Die Leitung des Projekts hätte eigentlich Scholz übernehmen sollen.

Von Hanna Gerwig

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