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Mitteldeutschland Welches Gewässer wird Deutschlands schönster See?
Region Mitteldeutschland Welches Gewässer wird Deutschlands schönster See?
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07:37 10.08.2019
Hausboote am Goitzschesee in der Nähe von Bitterfeld-Wolfen.  Quelle: Christian Modla
Leipzig

Die Goitzsche soll der Deutschen Lieblingssee werden. Die Stadtverwaltung von Bitterfeld-Wolfen (Kreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt) will das so und rührt deshalb mächtig die Werbetrommel. Gute Chancen habe das geflutete Tagebaurestloch, heißt es auf der Internetseite der Verwaltung.

Denn bereits im Vorjahr habe man bei dem Wettbewerb des Portals Seen.de, das jedes Jahr Nutzer zum Voting aufruft, den dritten Platz belegt – nach dem Chiemsee in Bayern und Sieger Scharmützelsee in Brandenburg. „Vielleicht ist in diesem Jahr mehr drin“, hofft die Stadtverwaltung und animiert ihre Bürger für die Goitzsche zu klicken.

Störmthaler liegt in Führung

Auch zwei Sachsen haben es im Vorjahr in die Top-Ten der beliebtesten deutschen Seen geschafft: der Störmthaler (Platz 4) und der Markkleeberger See (10). Ob sie in diesem Jahr gute Chancen haben, wieder ganz vorn zu landen?

Laut Zwischenstand liegt bei den beliebtesten sächsischen Seen der Störmthaler vor dem Cospudener und dem Zwenkauer See, weiß Nele Poggel von Seen.de zu berichten. Die Erfahrungen der Vorjahre hätten gezeigt, dass die vorn platzierten Gewässer erneut viel gevotet werden. Bis Ende August geht der Wettbewerb.

Ausgewählte Seen, die regelmäßig beim Voting gut abschneiden

Obwohl jeder der im Portal aufgeführten 2000 Seen in Deutschland gewählt werden kann, listet der Betreiber für das Online-Voting – gewissermaßen als Entscheidungshilfe – die „50 schönsten Seen“ auf. Erstaunlicherweise sind die beiden im Vorjahr beliebtesten Leipziger Seen, also der Störmthaler und der Markkleeberger nicht dabei, dafür aber der Cospudener und der Kulkwitzer See.

Warum, fragt sich der Nutzer, ist Sachsen überhaupt nur mit zwei Seen in der 50er-Vorschlagsliste? Geht man nach der Anzahl der Gewässer pro Bundesland, müsste der Freistaat mit allein 527 Seen, die im Portal stehen, öfters vertreten sein, denn das entspricht Rang 5 aller Bundesländer. Brandenburg führt das Ranking mit 1767 Gewässern an, ist aber auch nur mit drei Seen unter den 50 auf der Vorschlagsliste dabei. Nordrhein-Westfalen hingegen kommt ganze sieben Mal vor, hat aber nur 367 Seen. Nele Poggel: „Ausgewählt wurde anhand von Nutzerzugriffen.“

Mit der Auszeichnung lässt sich gut werben

Deshalb ist das Saarland, obwohl das Portal nur zehn Seen aufführt, genau wie Sachsen mit zwei Gewässern unter den 50 zu finden. Ganz glücklich zeigt sie sich mit der Entscheidung nicht, aber so seien eben die Regeln. In NRW, so fügt sie an, schauten sich übrigens sehr viele auf dem Portal um, suchten Ideen für einen Ausflug. Außerdem seien die 50 ja nur Vorschläge, gewählt werden könne jeder See.

Mit der Auszeichnung „Lieblingssee“ lasse sich prima werben, meint Birgit Tietz, Marketing-Expertin der Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen. Dass die Goitzsche Jahr für Jahr mehr Gäste anziehe, sei darauf zwar eher nicht zurückzuführen. Aber zur wachsenden Bekanntheit über die Grenzen der Region hinaus trage das Ranking schon bei. Und das glaubt nicht nur sie. Auch die Stadtverwaltung von Bad Saarow, in deren Gemarkung ein Großteil des Scharmützelsees liegt, wirbt mit der „Lieblingssee“-Urkunde.

Störmthaler See habe viel zu bieten

Obwohl der Cospudener See und der Markkleeberger See beim Ranking regelmäßig gute Plätze belegen, hält sich die Euphorie darüber – zumindest in der Stadtverwaltung Markkleeberg (Kreis Leipzig) – in Grenzen. Im Amtsblatt mache man auf das Voting zwar regelmäßig aufmerksam, sagt Daniel Kreusch, Sprecher der Stadt. Und man freue sich auch, wenn einer der Seen beim Ranking gut abschneidet. Aber eine repräsentative Umfrage sei das nicht. Privat würde er an Hand des Votings sein Ausflugsziel eher nicht wählen, meint Kreusch.

Ganz anders reagiert Großpösnas Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch (parteilos). Jede Form der Werbung für den Störmthaler See sei ihr recht. Der habe nämlich viel zu bieten. Es gibt eine Marina, Restaurants, einem Spielplatz, die schwimmende Kirche Vineta und einmal im Jahr das Highfield-Festival, zählt sie auf. Willkommen sind Kanufahrer und Badegäste genauso wie Angler oder Wanderer.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Natürlich verfolge sie den Wettbewerb. Aber zum Voting aufrufen auf der Internetseite der Stadt­verwaltung – nein, das gehe zu weit. Ganz nebenbei erzählt sie aber, dass es da andere „Multiplikatoren“ gebe. Der schönste weit und breit sei der Störmthaler so oder so.

Marketingexpertin Tietz aus der Stadtverwaltung Bitterfeld-Wolfen überlässt hingegen nichts dem Zufall. Die Goitzsche sei mit sechs Quadratkilometern nicht nur Mitteldeutschlands zweitgrößter See, sondern auch „ganz klar“ der schönste, wirbt sie am Telefon. Und zu bieten habe man mehr als alle anderen: Piratenschiff, Pegelturm, Bitterfelder Bogen, Radrundweg, Naturschutzgebiet, Hafenfest, das Springbreak-Festival.

Einmal in Fahrt, ist die gebürtige Wolfenerin nicht mehr zu bremsen. „Die Leute in der Region sind begeistert vom See und voten was das Zeug hält.“ Sie suche Sportclubs auf und animiere Vereine aller Art, sagt sie und beißt sich auf die Zunge. Nein, fügt sie an, Nachahmer anderswo, etwa im Südraum Leipzigs, könne sie nicht gebrauchen. „Sonst wird es noch ein Kopf-an Kopf-Rennen.“

Von Andreas Dunte

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