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Mitteldeutschland Mord an Dresdner Forscherin – griechische Polizei sucht fieberhaft nach Tätern
Region Mitteldeutschland Mord an Dresdner Forscherin – griechische Polizei sucht fieberhaft nach Tätern
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16:33 12.07.2019
Die Molekularbiologin Suzanne Eaton wurde am 2. Juli Opfer eines Schwerverbrechens. Quelle: AP
Dresden/Athen

Im Fall der auf Kreta getöteten Wissenschaftlerin Suzanne Eaton (59) ermittelt eine Sonderkommission der griechischen Polizei wegen Mordes. Das bestätigten übereinstimmend griechische Ermittlerkreise und das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden, an dem die US-amerikanische Forscherin seit 1998 arbeitete.

Opfer eines brutalen Überfalls

Suzanne Eaton war am Nachmittag des 2. Juli von Chania auf Kreta zu einer Laufrunde in unbekannte Richtung gestartet, von der sie nie zurückkehrte. Entlang der Laufstrecke soll sie griechischen Medien zufolge von einem oder mehreren Tätern überfallen und brutal misshandelt worden sein. Das genaue Motiv der Attacke ist bislang unklar. Geld, Handy und Wertsachen hatte sie im Hotel zurückgelassen. Nach „Bild“-Informationen schließen die Ermittler ein Sexualverbrechen nicht aus, da auch Fremd-DNA sichergestellt worden sein soll. Die Obduktion der Leiche durch die Gerichtsmedizin ergab die Todesursache: Ersticken nach gewaltsamem Verschluss der Atemwege. Außerdem sollen Messerstiche und -schnitte dokumentiert sein, schreibt „Bild“ unter Berufung auf Medien vor Ort.

Leiche in Wehrmachtsdepot versteckt

Die mit einem Tuch bedeckte Leiche der Frau war am Montag, knapp eine Woche nach ihrem Verschwinden, von Wanderern in einer zehn Meter tiefen Höhle nahe der Ortschaft Maleme im Nordwesten der Insel Kreta gefunden worden. Das labyrinthartige System aus Gängen und Bunkern im Fels diente der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg als Waffenarsenal und Munitionsdepot. Ohne entsprechende Ortskenntnis ist das Versteck auf der gegenüberliegenden Seite einer Bucht schwer zu finden. Berichten zufolge könnte die Frau in einen Schacht hineingeworfen worden sein, der zur Belüftung für dieses Munitionsdepot gedient haben soll. Ob es sich dabei auch um den Tatort handelt, ist bislang offen. Der Zugang war mit einer Palette abgedeckt. An der Vermisstensuche hatten sich auch Eatons Ehemann Anthony A. Hyman und weitere Familienmitglieder beteiligt, die dafür aus Sachsen nach Kreta gereist waren.

Die Kriminalisten haben mittlerweile Vorbestrafte aus der Region zu ihren Alibis befragt. Außerdem wurden Mobilfunkdaten und Gendateien ausgewertet – bislang offenbar ohne heiße Spur zu möglichen Tätern. Ermittler der aus Athen angeforderten Sonderkommission sprachen von einem „außergewöhnlich schwer aufzuklärenden Kapitalverbrechen“, da der oder die Täter viel Zeit zur Verschleierung und Spurenverwischung gehabt hätten.

Verlust eines wunderbaren Menschen

Eaton stammte aus Oakland (Kalifornien). Vor 21 Jahren kam die Molekularbiologin nach Dresden ans Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, wo ihr Mann Hyman einer der Direktoren ist. Mit ihrem Team erforschte sie an Fruchtfliegen, wie Zellen miteinander kommunizieren, um Gewebe einer bestimmten Größe und Form zu bilden. In Kreta nahm sie an einer Tagung teil. „Suzanne war eine herausragende und inspirierende Wissenschaftlerin, eine liebevolle Ehefrau und Mutter, eine Athletin und eine wunderbare Person, die von uns allen sehr geliebt und geschätzt wurde“, erklärten ihre Institutskollegen. „Ihr Verlust ist unfassbar. Unsere Gedanken sind bei ihrem Mann Tony, ihren Söhnen Max und Luke und bei ihrer ganzen Familie.“

Die Polizei habe umfassende Maßnahmen ergriffen, um den oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, erklärte die Institutssprecherin Katrin Boes. „Wir können die Untersuchungen am besten unterstützen und ihren Erfolg gewährleisten, indem wir helfen, wichtige und akkurate Informationen zu finden und zu kommunizieren und irreführende oder spekulative Verwirrung zu vermeiden.“

„Wir können diese schockierende Tragödie immer noch nicht begreifen“, erklärte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann. „Suzanne Eaton war eine hervorragende Wissenschaftlerin und ein wunderbarer Mensch. Sie war von Anfang an eine Schlüsselperson, eine wesentliche Säule des Instituts.“ Die Max-Planck-Gesellschaft werde die Spitzenforscherin „für immer in Erinnerung behalten, für alles, was sie zu unserer Gemeinschaft und weit darüber hinaus beigetragen hat.“

Todesumstände schnellstmöglich aufklären

Auch an der TU Dresden ist die Trauer um die Professorin groß. „Wir verlieren mit Suzanne Eaton eine hoch angesehene Wissenschaftlerin und einen beeindruckenden Menschen“, sagte Rektor Hans Müller-Steinhagen.

Der Direktor am Biotechnologischen Zentrum der TU,Michael Schroeder, fügte hinzu: „Wir haben Suzanne als lebensfrohe und engagierte Frau kennengelernt, die entscheidend zur Entwicklung unseres Instituts beitrug.“ Umso betroffener mache ihr plötzlicher und viel zu früher Tod. „Wir sind traurig, fassungslos und mit unseren Herzen bei Suzannes Familie.“

Die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) hatte sich ebenfalls erschüttert gezeigt und die Hoffnung geäußert, „dass die Todesumstände schnellstmöglich aufgeklärt werden“. Eaton sei eine wichtige Säule des Instituts und eine lebensfrohe und offene Frau gewesen.

Von Winfried Mahr

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