Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Drohung gegen Martin Dulig: Ermittler verfolgen heiße Spur
Region Mitteldeutschland Drohung gegen Martin Dulig: Ermittler verfolgen heiße Spur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:22 01.07.2019
Unbekannte haben Martin Dulig (SPD) einen Sturmgewehr-Nachbau geschickt. Der Staatsschutz ermittelt. Quelle: dpa / privat
Dresden

Im Fall der Drohungen gegen Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hat die Dresdner Staatsanwaltschaft inzwischen eine erste Spur zu den Tätern. Wie Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt am Montag gegenüber der Leipziger Volkszeitung erklärte, habe der Provider des Online-Portals, auf dem Unbekannte einen Sturmgewehr-Nachbau bestellt und anschließend an Dulig geschickt hatten, inzwischen die mutmaßlich IP-Adresse des Käufers herausgegeben. „Der Provider hat alles gemacht, was er konnte“, sagte Schmidt.

Nur anhand dieser IP-Adresse konnte der Täter allerdings noch nicht konkret ermittelt werden. „Das ist in der Regel weitaus komplizierter, als man denkt. Da spielen auch Verschlüsselungen und Umleitungen eine Rolle“, so Schmidt. Die IP-Adresse sei lediglich ein Ermittlungsansatz, dem die Kriminalisten nun nachgehen können. Weitere Angaben zum Stand der Recherchen wurden nicht gemacht.

IP-Adressen können verschleiert werden

Jedem Gerät, das sich im Internet anmeldet, wird eine solche IP-Adresse zugeordnet, damit Datenpakete von Sender und Empfänger ausgetauscht werden können. Allerdings können IP-Adressen auch im Netz verschleiert werden, beispielsweise mit Hilfe von Umleitungen über Proxy-Server oder mit der Nutzung des Tor-Netzwerk – einem Zugang zum sogenannten Darknet. Hierbei wird der Weg einer Nachricht oder eines Datenpakets über mehrere IP-Adressen geleitet.

Sachsens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident hatte den Soft-Air-Nachbau des Sturmgewehrs G36 bereits im Mai an seiner Privatadresse erhalten. Die Waffe war bei einem bayerischen Online-Händler für Outdoor- und Freizeitbedarf bestellt worden. In dem Online-Shop ist es möglich, eine Sendung gegen Rechnung an eine beliebige Adresse zu versenden. Es ist dafür allein die Angabe einer Telefonnummer und einer Mailadresse nötig, überprüft wird beides nicht.

Am vergangenen Wochenende hatte der Sozialdemokrat den Vorfall gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) bestätigt: „Geöffnet hat das Paket meine Frau Susann. Im Beisein meines 83-jährigen Vaters. Auf den ersten Blick war für sie nicht erkennbar, dass es sich nicht um eine echte Waffe handelte. Sie hat mich dann sofort angerufen und die Polizei informiert.“

Dulig bedankt sich für Solidarität

Am Montag bedankte sich Dulig via Twitter für die Solidarität, die ihm nach Bekanntwerden der Drohung auch von Politikern anderer Parteien zu Teil wurde. „Gut zu wissen, dass es viele Menschen gibt, denen es nicht egal ist, wohin sich unser Land entwickelt“, schrieb der Sozialdemokrat. Sein Respekt gelte auch jenen, die sich tagtäglich mit dem Hass auseinandersetzen müssten.

Am Sonntag hatten sich auch hochrangige Bundespolitiker mit dem sächsischen SPD-Chef solidarisch gezeigt. „Martin Dulig kämpft entschlossen für die Demokratie. Immer wieder tritt er insbesondere Rechtsextremen mutig entgegen. Wie er und seine Familie bedroht werden, ist einfach abscheulich“, schriebt Außenminister Heiko Maas. Linken-Vorsitzende Katja Kipping kommentierte „Solidarität mit allen Aufrechten! Wir werden weiter für ein weltoffenes & soziales Sachsen streiten!“ Finanzminister Olaf Scholz twitterte: „Mit seinem Einsatz für Demokratie und gegen rechten Extremismus ist Martin Dulig ein echtes Vorbild.“

Die Ermittlungen in dem Fall werden von der Abteilung Staatsschutz im sächsischen Landeskriminalamt (LKA) und von der Staatsanwaltschaft Dresden geführt. Ursprünglich hieß es, der Provider des Online-Händlers, bei dem die Waffe bestellt wurde, weigere sich, die IP-Adresse herauszugeben.

Von Jan Sternberg / Matthias Puppe

Binnen weniger Tage haben sich in der Sächsischen Schweiz drei tödliche Kletterunfälle ereignet. Nachdem zuletzt auch immer wieder Sicherungsringe am Felsen zerstört wurden, stellt sich die Frage nach der Sicherheit des Bergsports.

01.07.2019

Aufregung in Sachsen: SPD-Chef Martin Dulig bekam eine Drohbotschaft: Eine Sturmgewehr-Attrappe erreichte ihn per Post. Das sagen Politiker aus der Region zu dem Vorfall.

30.06.2019

Die sächsische CDU beschloss in Chemnitz ihr neues Regierungsprogramm. Ihr Parteichef Michael Kretschmer hat die Delegierten mit seiner Rede überzeugt – und sich solidarisch gezeigt.

29.06.2019