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Mitteldeutschland Ein Kleinwüchsiger ist der erste Sport-Inklusionsmanager in Sachsen
Region Mitteldeutschland Ein Kleinwüchsiger ist der erste Sport-Inklusionsmanager in Sachsen
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22:23 19.07.2019
Ingo Giewolies ist momentan der einzige Sport-Inklusionsmanager in ganz Sachsen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

„Mein größter Wunsch ist es, nicht nach meinem Aussehen, sondern nach meinem Können bewertet zu werden – und diesen Gedanken an Erwachsene und Kinder weiterzugeben“ sagt Ingo Giewolies. Ein klares Statement, von jemanden, der es wohl wissen muss – denn Ingo Giewolies ist kleinwüchsig. Davon lässt sich der 45-Jährige allerdings nicht unterkriegen. Mit seinem Handicap setzt er sich dafür ein, dass Gleichberechtigung zukünftig in mehr Lebensbereichen umgesetzt wird.

Vor elf Jahren kam Giewolies von Aschaffenburg nach Dresden. Im Jahr 2016 fing er schließlich an, sich beim Verein für Breitensport Hellerau-Klotzsche (VfB) ehrenamtlich als Übungsleiter im Bereich Rehasport zu engagieren. „Ich war aufgrund meiner Behinderung oft arbeitslos. Aber ich wollte einfach nicht mehr nur zuhause sitzen – deswegen fing ich an, Sportkurse zu geben“, sagt der gelernte Bürokaufmann. Am Anfang wurde er im Sport als Trainer und Prüfer oft belächelt. Mittlerweile begegne ihm zwar Akzeptanz, eine gewisse Reserviertheit bei manchen würde sich dennoch nicht legen.

Inklusion voranbringen

Inzwischen ist Giewolies seit einem Jahr Sport-Inklusionsmanager beim VfB Hellerau-Klotzsche. Insgesamt hat der Verein 913 Mitglieder, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. In fünf von insgesamt elf Sportabteilungen wird laut Giewolies Inklusion gelebt: In den Bereichen Fußball, Judo, Tischtennis, Freizeit- und Rehasport sowie rhythmische Sportgymnastik nehmen rund 30 Behinderte an den Angeboten teil.

Um Inklusion durch Sport weiter voranzubringen, setzt der Deutsche Olympische Sportbund seit 2016 schwerbehinderte Menschen im gemeinnützigen Sport als sogenannte Sport-Inklusionsmanager ein. Behinderte sollen dabei ihre Expertise zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit in den gemeinnützigen Sport einbringen. Gleichzeitig soll der gemeinnützige Sport sensibilisiert werden, die Potenziale schwerbehinderter Menschen zu erkennen und Inklusion in der Mitarbeiterschaft zu leben.

Mehr Normalität in Vereinen

„Ich will, dass das Thema Inklusion in Sportvereinen als normal gilt. Ich bin die gelebte Inklusion – aber es müsste in mehr Vereinen so sein. Mein Ziel ist es, ein Netzwerk zu schaffen und die Normalität aus unserem Verein zu übertragen“, so Giewolies. Er möchte auf lange Sicht mehr Menschen mit Behinderung in den Sport einbeziehen, mehr Menschen mit und ohne Behinderung dazu animieren, gemeinsam normal miteinander Sport zu treiben. „Oft passiert das in Vereinen schon jahrelang automatisch – aber wird nicht direkt als Inklusion bezeichnet. Der Begriff schreckt leider viele ab. Man merkt, dass es bei einigen eine Hemmschwelle gibt, sobald sie das Wort hören“, so der 45-Jährige.

Mittlerweile gibt es insgesamt 22 Sport-Inklusionsmanager in ganz Deutschland. Die Stelle darf nur von Menschen mit Behinderung angetreten werden und deren Förderung auf zwei Jahre begrenzt. Beim VfB Hellerau-Klotzsche soll Giewolies Posten jedoch auch nach Ablauf der Frist durch Sponsoren und Fördermittel erhalten werden.

Viele schauen bewusst weg

Vor allem Erwachsene würden sich dem Thema bis heute nicht stellen und bewusst wegschauen. „Viele wissen einfach nicht, wie man mit behinderten Menschen umgeht. Aber schon für die Kleinsten sollte es selbstverständlich sein, dass Menschen auch anders sein können“, findet Giewolies. „Als ich meine Tochter früher aus dem Kindergarten abgeholt habe, haben sich die Kinder oft lustig gemacht, bis es mit der Zeit gewöhnlich für sie wurde“, so der Manager weiter. Kinder sollten seiner Meinung nach den Umgang mit einer Behinderung von klein auf lernen, um Hemmungen im späteren Leben vorzubeugen. Inklusion bedeute für ihn deshalb auch, Menschen mit Nichtbehinderung zu sensibilisieren – denn das sei immer noch nötig im alltäglichen Leben. „Das ist leider eine Never-Ending-Story“, sagt Giewolies. Aber er wolle seinen Teil dazu beitragen, mehr Verständnis für die Vielschichtigkeit von Behinderungen zu verbreiten.

Mehr Infos zum Thema unter inklusion.dosb.de/sport-inklusionsmanager/.

Von Annafried Schmidt

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