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Mitteldeutschland Ein Schatz aus Holz: Die Körtings suchen einen Platz für ihre ganz besonderen Spielsachen
Region Mitteldeutschland Ein Schatz aus Holz: Die Körtings suchen einen Platz für ihre ganz besonderen Spielsachen
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19:40 28.08.2019
Werner Körting und seine Frau Regina mit dem Holzspielzeug, das Vater Max Körting in den Nachkriegsjahren gebaut hat. Quelle: André Kempner
Leipzig

Werner Körting war sechs Jahre alt, als ihm sein Vater das erste selbstgebaute Spielzeug schenkte. „Ich war in gewisser Weise privilegiert und das gleich in doppelter Hinsicht“, sagt der heute 80-jährige Leipziger und hat dabei etwas feuchte Augen. Mit „privilegiert“ meint er nicht nur, dass sein Vater mit großem handwerklichem Geschick gesegnet war, sondern das dieser überhaupt während des Zweiten Weltkriegs für seine Familie da sein konnte. “Mein Vater war vom Kriegsdienst befreit, weil er als Facharbeiter in der Gießereitechnik unabkömmlich war.“

Was Max Körting (1901 bis 1991) für seinen Sohn Werner während der letzten Kriegstage und in den Jahren danach angefertigt hat, ist einmalig und sollte eigentlich öffentlich ausgestellt werden. Aber wo? Genau mit dieser Frage schlägt sich Werner Körting seit geraumer Zeit herum. „Mit 80 Jahren macht man sich so seine Gedanken“, sagt der Leipziger, der mit Frau Regina (ebenfalls 80) den Spielzeugschatz hütet und pflegt.

Straßenbahn, Busse, Traktor und ein Spiel-Schiff

Aus geschreinerten Holzkisten holt das Ehepaar - sorgfältig in Zeitungspapier verpackt - Unikate hervor: Darunter eine Straßenbahn, Busse, einen Traktor, Dampf-Lokomotiven sowie Lastkraftwagen und Pkws unterschiedlicher Größe und Art. Alles Unikate – den damals gängigen Fahrzeugen nachempfunden und konzipiert. Gefertigt aus Holz und Metall – nicht für die Vitrine, sondern zum Spielen. Genauso wie ein etwa knapp ein Meter langer Handelsdampfer. Mit abnehmbaren Aufbauten und bordeigenen Ladebäumen.

„Wenn ich als Kind damit gespielt habe, war ich gefangen in einer anderen Welt, ist die Zeit nur so verflogen“, erinnert sich Werner Körting, dessen Sohn Karsten später damit ebenfalls gespielt hat. Zum Schiff gehört ein Kran, mit dem man Frachten von Eisenbahnwaggons, Autos und Lastkähnen an Bord hieven kann. Auch sie hat der Vater alle selbst angefertigt. Das trifft auch auf die Kisten, Rundholzbündel, Baumstämme und Säcke zu, die mit den Lademaßen der Fahrzeuge übereinstimmen.

Das von Max Körting für seinen Sohn hergestellte Spielschiff – ein Handelsdampfer mit Verladekahn und einem Lotsenboot. Quelle: Manfred Schuster

Das Schiff, das Max Körting Ende des Zweiten Weltkriegs für seinen Sohn gefertigt hat, ist noch bis Anfang September im Depot Pohl-Ströher im erzgebirgischen Gelenau zu bestaunen. Es ist eines der herausragenden Exponate in der Schau Holzspielschiffe. Die Veranstalter der Ausstellung sind begeistert. „Das Schiff ist einmalig“, schwärmt Depot-Leiter Michael Schuster. „Man kann damit spielen wie mit einer Puppenstube. Die einzelnen Decks lassen sich nacheinander abnehmen, die Luken öffnen und mit Fracht befüllen.“

Die Drehbank stand auf dem Balkon

Max Körting absolvierte in Leipzig eine Lehre als Gießereimodellbauer, arbeitete anfangs in Erla bei Schwarzenberg im Erzgebirge und später im Sächsischen Modellbaubetrieb in Leipzig. „Vater setzte sich in seiner Freizeit an die Drehbank.“ Untergebracht war die Technik dort, wo es das meiste Licht in der Wohnung gab: auf dem Balkon.

Das Bauen von Spielzeug war nicht die einzige Leidenschaft. Max Körting fertigte weihnachtliche Kunstgegenstände aller Art. Vernarrt sei er gewesen ins Erzgebirge mit seinen Traditionen und Bräuchen, erzählt Regina Körting. In ihr und ihrem Mann scheint dieses Erbe fortzuleben. Denn die Wohnung der Körtings in Leipzig steht einer Museumsstube in Seiffen in nichts nach. Gedrechselte Kronleuchter an der Decke, Setzkästen voller Erzgebirgsfiguren und hölzerne Pyramiden an den Wänden. Vor allem letztere hatten es dem Meister angetan.

Immer im Lot: Pyramiden mit Kardan-Gelenk

Anfangs nur für den Hausgebrauch hergestellt, fertigte Max Körting später auch Pyramiden, die unter anderem bei Unternehmen in Seiffen in Produktion gingen. „Seine Fantasie kannte keine Grenzen“, erzählt Sohn Werner. Für eine zerlegbare Wandpyramide wurde ihm 1957 sein erstes Geschmacks-Muster-Patent beim Amt für Erfindungs- und Patentwesen der DDR erteilt – weitere sollten folgen.

Der Leipziger mit dem Herz für das Erzgebirge kreierte verschiedenen Typen von Tisch- und Wandpyramiden - aus Vierkantstäben, aus Rundstäben und sogar mit Kardan-Gelenk. Egal wie schräg die Unterlage oder die Wandaufhängung auch ist, die Pyramide befindet sich stets im Lot. Weitere Exponate des Leipzigers gingen in Serie, drehten – und drehen sich sicher immer noch – zur Weihnachtszeit in unzähligen Haushalten im In- und Ausland.

Weihnachtsausstellung im Alten Rauhaus Leipzig 1966 – Max Körting an der Drehbank (l.). Quelle: privat

Die Fertigkeiten des Modellbauers drangen bereits in den 1950er-Jahren bis zum Stadtgeschichtlichen Museum im Alten Rathaus in Leipzig vor. „Zur alljährlichen Weihnachtsausstellung“, erzählt Werner Körting, „setzte Vater sich an die Drehbank im Rathaus und ließ vor den Augen der Gäste Figürliches entstehen, meist kleine Bäume oder gedrechselte Männel.“ Einige der von Max Körting gefertigten Pyramiden und Figuren befinden sich im Fundus des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, anderes im Erzgebirgischen Spielzeugmuseum Seiffen.

Die Körtings selbst schenkten sich unlängst eine längliche Wandvitrine, wo sie - wie sie sagen - ein besonderes Glanzstück des väterlichen Einfallsreichtums – platzierten: eine historische Messeszene mit pferdebespannten Planwagen und zwölf Handelsleuten aus aller Welt. Gestaltet hat sie Max Körting nach Vorlagen des Leipziger Grafikers Georg Emanuel Opitz anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt. Für eine weitere Figurengruppe („Kater Lampe“) suchen die Körtings noch einen würdigen Platz.

Welchen Weg die kleinen hölzernen Kunstwerke und die für den Sohn gefertigten Spielzeug-Autos und -Schiffe irgendwann einmal nehmen werden, ist noch offen.

Von Andreas Dunte

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