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Mitteldeutschland So lief das erste Duell von Kretschmer und Dulig in Leipzig
Region Mitteldeutschland So lief das erste Duell von Kretschmer und Dulig in Leipzig
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22:38 15.05.2019
MP Michael Kretschmer und Martin Dulig diskutierten am 15. Mai 2019 in der Leipziger Alten Börse über Sachsen und Europa. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Normalerweise sitzen Michael Kretschmer und Martin Dulig an einem Tisch: Im sächsischen Kabinett sind sie die Nummer 1 und Nummer 2 im Freistaat, als CDU-Ministerpräsident und als dessen Stellvertreter für die SPD. Am Mittwochabend treffen die beiden Protagonisten der Landesregierung erstmals in einem öffentlichen Duell aufeinander: Auf Einladung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung  werden aus den Koalitionären in der Leipziger Handelsbörse zumindest für zwei Stunden Kontrahenten - von Streicheleinheiten sind beide vor den rund 250 Besuchern weit entfernt. 

In vier Themenbereichen - Verkehr, Innere Sicherheit, Bildung und Wirtschaft - prallen häufig Welten aufeinander. Im ersten Block zum Beispiel pocht Dulig auf die Landesverkehrsgesellschaft und kritisiert, dass Sachsen „zu lange Verkehrspolitik aus Sicht der Autofahrer“ gemacht habe. Kretschmer hingegen will bei entsprechenden Angeboten auch im öffentlichen Raum „die Leute selbst entscheiden lassen“. 

Kretschmer: Vertraue Polizisten erstmal grundsätzlich

Das soll allerdings erst ein Vorgeschmack auf den zweiten Bereich, die Innere Sicherheit, sein. „Wir haben einen völlig unterschiedlichen Zugang zu dem Thema. Ich habe grundsätzlich erstmal Vertrauen in einen Polizisten“, stellt Kretschmer fest, als Dulig unter Beifall bedauert, dass es im neuen Polizeigesetz keine Kennzeichnungspflicht für die Beamten gibt. Beim Thema Rechtsextremismus droht der Regierungschef aus der Haut zu fahren: „Rassismus ist tödlich. Natürlich wird in diesem Bereich alles getan. Das kann aber keine Begründung dafür sein, andere Kriminalität zu vernachlässigen.“ Seine Vize hält dagegen: „Es fällt uns jetzt auf die Füße, dass das Problem des Rechtsextremismus in Sachsen zu lange relativiert wurde.“ 

Dulig: Müssen Schule neu denken

Richtig haarig wird es beim Thema Bildung: Hier werden die größten Unterschiede deutlich. Dulig hält ein leidenschaftliches Plädoyer für das längere gemeinsame Lernen, für die Gemeinschaftsschule: „Wir müssen Schule neu denken.“ Dem hält Kretschmer entgegen: „Wir dürfen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“ - heißt, Änderungen könne und solle es durchaus geben, aber das Bildungssystem dürfe nicht grundsätzlich umgekrempelt werden, fügt der Ministerpräsident hinzu. Als Bestätigung zieht er auch die guten Noten in diversen Pisa-Studien heran: „So falsch können wir also nicht liegen.“

Schlagabtausch zeigt politische Konturen

Beim Thema Wirtschaft, eigentlich eines der Kernthemen der CDU, zeigen sich schließlich noch einmal die Differenzen. Allerdings deutlich verhaltener als zuvor: Dulig - immerhin seit fünf Jahren Wirtschafts- und Arbeitsminister - fordert eine stärkere Tarifbindung in Sachsen. Kretschmer wiederum führt die mittelständisch geprägte Firmenstruktur an und verweist auf die bisherige gute Entwicklung.

Als Fazit bleibt: Auch wenn Dulig - wohl aufgrund der gastgebenden Friedrich-Ebert-Stiftung - nicht selten ein Heimspiel hat, dürften am Ende beide gewonnen haben. Der regieriungsinterne Schlagabtausch hat es in sich - und das nicht nur mit Blick auf die Landtagswahl und etwaige Koalitionsgespräche danach. Den Vorwurf der Farb- und Konturenlosigkeit müssen sich an diesem Abend weder Kretschmer noch Dulig gefallen lassen - selbst wenn die Spitzenkandidaten anderer Parteien nicht präsent sind. Ein erstes, bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung geplantes Aufeinandertreffen war zuvor abgesagt worden. Eine vertane Möglichkeit, wie sich jetzt herausstellt. 

Von Andreas Debski

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