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Mitteldeutschland Erzgebirge ist erstes Corona-Risikogebiet in Sachsen – Landrat: „Breite Streuung“
Region Mitteldeutschland

Erzgebirge ist erstes Corona-Risikogebiet in Sachsen – kein einzelner Hotspot

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18:36 12.10.2020
Ein Arzt der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hält einen Coronavirus-Test in den Händen. / Landrat Frank Vogel (CDU) Quelle: dpa / Landkreis Erzgebirge
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Annaberg-Buchholz

In Sachsen gibt es nun auch den ersten Landkreis mit erhöhtem Corona-Infektionsrisiko. Wie der Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel (CDU) am Montag mitteilte, ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in der Region am Wochenende auf 67 Fälle pro 100.000 Einwohner gestiegen. Laut Robert-Koch-Institut wird ab 50 Fällen von einem innerdeutschen Risikogebiet gesprochen.

Laut Vogel gebe es im Erzgebirge keinen einzelnen lokalen Hotspot oder eine extrem betroffene Berufsgruppe. Im oberen Erzgebirge seien die Zahlen etwas höher als im Rest der Region. Dort waren zuletzt mehrere Schulen und eine Pflegeeinrichtung betroffen. Die aktuelle Lage sei aber diffuser. „Es gibt auch nicht genau die Ursache für den Ausbruch, sondern wir verzeichnen eine breite Streuung“, so Vogel in einer Video-Pressekonzerenz. Am Sonntag seien noch einmal 59 Personen positiv auf das Virus getestet worden. Damit gibt es seit Beginn der Pandemie 1127 Menschen im Erzgebirge, die das Virus nachweislich in sich trugen.

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Kein Lockdown im Erzgebirge

Bereits vor einigen Tagen hatte Landrat Vogel im Erzgebirge erste Einschränkungen angeordnet, ließ unter anderem Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern untersagen. Im Gegensatz zum Frühjahr gebe es aber auch jetzt keinen Lockdown im Erzgebirge. „Die Menschen in der Region gehen ihrem normalen Tagesablauf nach und haben dabei auch wesentlich mehr Kontakte als im Frühjahr“, so der Landrat am Montag. Das mache die Kontaktverfolgung für die Gesundheitsämter schwieriger.

Vogel wollte angesichts der dynamischen Situation im Erzgebirgskreis nicht ausschließen, dass es künftig punktuell zu weiteren Einschränkungen kommen kann, sollte sich die Infektionszahl nicht verringern. „Jeder hat eine Verantwortung für die Allgemeinheit“, appellierte der Unionspolitiker und erinnerte daran, dass ein Mund-Nase-Schutz sowie regelmäßiges Lüften von Räumen als probates Mittel in der Pandemiebekämpfung angesehen werden.

Eine neue Allgemeinverfügung sieht vor, dass bei privaten Zusammenkünften und Feiern maximal 25 Personen erlaubt sind, in geschlossenen angemieteten Räumen maximal 50 Gäste, bei Zusammenkünften unter freiem Himmel bis zu 100 Personen. Bei Großveranstaltungen und Sportveranstaltungen mit Publikum sind maximal 500 Personen zulässig. In Pflegeeinrichtungen ist der Besuch durch einen nahen Angehörigen pro Tag zulässig.

Das Sächsische Sozialministerium, das am Wochenende selbst keine Corona-Zahlen erhebt, vermeldete am Montag 84 Neuinfektionen im Erzgebirge. Innerhalb einer Woche waren es demnach 194 positive Testergebnisse im Landkreis – was rechnerisch eine Inzidenz von etwa 58 bedeuten würde. Das Ministerium selbst ging am Montag laut Webseite allerdings von einer deutlich geringeren Zahl für den Landkreis aus. Wie es heißt, will sich Ministerin Petra Köpping am Dienstag auf der Kabinettspressekonferenz in Dresden zur Infektionslage in Sachsen äußern.

Von Matthias Roth / Matthias Puppe