Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Europas Zukunft aus sechs verschiedenen Perspektiven – Wahlforum in Leipzig
Region Mitteldeutschland Europas Zukunft aus sechs verschiedenen Perspektiven – Wahlforum in Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:47 14.05.2019
Das Europawahlforum 2019 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig am 14. Mai 2019. Auf dem Bild v.l. Kristin Franke (FDP), Anna Cavazzini (Büdnis90/Grüne), Peter Jahr (CDU), Maximilian Krah (AfD), Bastian Brandau (DLF), Anna Gorskih (Die Linke) und Constanze Krehl (SPD). Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Sollte je der Verdacht aufgekommen sein, dass die Europawahlen am 26. Mai keinen vom Sofa hochlocken, so wurde er am Dienstag in Leipzig zerstreut. Welchen Kurs die Parteien in Brüssel für die kommenden fünf Jahre einschlagen wollen und ob Sachsen und Thüringen in Brüssel überhaupt gehört werden, erfuhren rund 200 interessierte Besucher am Dienstagabend im Leipziger Stadtzentrum. Im Zeitgeschichtlichen Forum standen vier Frauen und zwei Männer der im Bundestag vertretenen Parteien vor der Europawahl vor vollem Saal Rede und Antwort, die sich mit weiteren 1374 Kandidaten um die 96 deutschen Sitze im europäischen Parlament (751 Sitze) bewerben. Jede dritte Kandidatin ist weiblich, in der Leipziger Runde waren die Damen sogar mit zwei Dritteln in der Überzahl, da der FDP-Kandidat für Brüssel von einer Frau vertreten wurde. Das bunt gemischte Publikum, darunter auch auffällig viele junge Menschen, erlebte eine lebhafte und in Teilen auch kontroverse Debatte.

Die Teilnehmer des Europawahlforums 2019 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Grüne: Umweltschutz bewegt viel stärker

Die Grünen-Kandidatin Anna Cavazzini (36) bezeichnete sich als „überzeugte und begeisterte Europäerin“. Schon während ihres Studiums in Chemnitz habe sie ein Jahr in Prag studieren düfen, heute arbeitet die Wahl-Berlinerin als Menschenrechtsreferentin für Brot für die Welt. Die gebürtige Hessin tritt als Spitzenkandidatin für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an und will die EU „gegen alle Rückabwicklungsversuche verteidigen, für ein sozialeres Europa“. Themen wie Umweltschutz und Klimawandel bewegten die Leute nach dem Hitzesommer 2018 stärker. Für die meisten ihrer Gesprächspartner gehe es „nicht um Europa oder nicht, sondern welches Europa und welche Politik wir wollen“. Sachsen sei nicht mehr mehr am Rand, sondern im Herzen Europas.

Peter Jahr (60) aus Leipzig ist seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments seit 2009. Der Christdemokrat und promovierte Landwirt sieht die EU als Erfolgsstory, „aber kein Naturgesetz“. Die Gemeinschaft wolle geschützt und verteidigt werden. „Die EU als Friedens- und Freiheitsprojekt ist unsere Lebensversicherung“, betonte er. Frieden sei keine Selbstverständlichkeit. Es ist auch eine Wertegemeinschaft – mit gemeinsamen Werten, an die sich alle halten sollten.

Krehl: Union muss solidarischer werden

Die Sozialdemokratin Constanze Krehl (62) aus Leipzig ist seit Beginn der 90er-Jahre EU-Parlamentarierin. Auch wir Sachsen sind durch EU-Förderung bei Regionalpolitik gut vorangekommen!“ Was ihr noch fehle, sei eine soziale Union, „die solidarischer wird als heute“. „Europa ist ganz nah fängt früh beim Zähneputzen mit der Trinkwasserqualität an, geht bei Behindertenförderung weiter.“Auch Hybridbusse in Leipzig würden zur Verbesserung der Umweltqualität gefördert, nannte sie als Beispiele.

Die Leipziger Verlegerin und Kinderbuchautorin Kristin Franke (FDP) kandidiert zwar nicht für das EU-Parlament, sonders für den sächsischen Landtag. Die 36-Jährige vertrat Toralf Einsle (39) aus Löbau, der beim Wahlkampfauftakt in Dresden unabkömmlich war. Die dreifache Mutter nannte Europa „das größte Friedensprojekt in der Geschichte“ mit einem ebenso innovativen wie zerbrechlichen Binnenmarkt. „Die europäischen Probleme sind so komplex, dass sie nationalstaatlich nicht gelöst werden können.“

EU für AfD unnötiges Vehikel

Maximilian Krah (42) von der AfD nannte die Seinen „proeuropäisch, aber EU-skeptisch“. Nach Ansicht des Dresdner Juristen würde es auf dem Kontinent nicht kriegerischer oder ärmlicher zugehen ohne die EU. Er wolle die Vielfalt und Kleinteiligkeit, aber auch regionale Eigenheiten und Schrulligkeiten erhalten. Nach seinem Eindruck werden vor der Wahl sehr grundlegende Fragen gestellt, wie man in Zukunft leben wolle. „Wir wollen von Sachsen neuen Funken ausgeben, das wir weg von der Zentralisierung und wieder zurück zu den Regionen kommen.“ Insofern sei die bürokratische EU für ihn „ein unnötiges Vehikel“.

Linke fordert mehr Mitbestimmung

Die zweite Stellvertreterin des Abends war die Studentin Anna Gorskih (27) aus Leipzig. Die Studentin der Kulturwissenschaft ist Jugendkandidatin auf der Landesliste der sächsischen Linken zur Landtagswahl vertrat Cornelia Ernst (62) aus Dresden, die seit 2009 Mitglied des europäischen Parlaments ist, wo sie auch am Dienstag Flagge zeigt. Die gebürtige Russin Gorskih will, „dass sich Europa sozialer und solidarischer entwickelt und die Interessen der Jugend stärker vertritt“. Bildung und Menschenrechte seien ihr wichtig. „Für Junge Menschen ist Europa selbstverständlich, da sie damit aufgewachsen ist.“ Nötig seien aber mehr Beteiligungsmöglichkeiten, um die Gefälle zwischen Nord-Süd- und Ost-West beheben.

Moderiert wurde das Podiumsgespräch, an dem auch die Landeszentrale für politische Bildung beteiligt war, von Bastian Brandau vom Deutschlandfunk. Er hatte mit fortschreitendem Abend gut zu tun, alle Zwischenrufer zur Ordnung zu rufen.

71 Kandidaten aus Sachsen und Thüringen

Bei der Europawahl am 26. Mai 2019 bewerben sich in Deutschland insgesamt 1380 Kandidatinnen und Kandidaten um die 96 deutschen Parlamentssitze (insgesamt 751), laut Bundeswahlleiter kommen davon 35 aus Sachsen und 36 aus Thüringen. Darunter sind bundesweit 479 Frauen (Anteil: 34,7 Prozent). Insgesamt 40 Parteien und politische Vereinigungen gehen bei der Wahl in Deutschland ins Rennen. Der Wahlzettel ist einen Meter lang und bietet reichlich Auswahl. CDU-Kandidat Jahr bat alle Anwesenden: „Gehen Sie wählen, denn Politik lebt von Mitwirkung!“

Von Andreas Dunte und Winfried Mahr

Weil im E-Auto weniger Teile stecken als im klassischen Pkw, drohen viele Jobs wegzufallen. In Sachsen zeigt man sich aber noch gelassen – und entwickelt augenzwinkernde Notfallpläne.

14.05.2019

Am Dienstag wurde in Dresden der Verfassungsschutzbericht für 2018 vorgelegt. In Sachsen gibt es demnach so viele Neonazis wie seit zehn Jahren nicht mehr, zudem ist das Personenpotenzial im linksextremistischen wie auch im islamistischen Bereich leicht gestiegen.

14.05.2019

In Erfurt plant die Bundespolizei eine große Anti-Terror-Übung. Mehr als 1000 Einsatzkräfte und mehrere Behörden sollen mitmachen. Beobachtet werden sie auch - von Schiedsrichtern.

14.05.2019