Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Expertenrunde soll Gesprächskultur in Sachsen verbessern – Schwabe begrüßt Initiative
Region Mitteldeutschland Expertenrunde soll Gesprächskultur in Sachsen verbessern – Schwabe begrüßt Initiative
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:26 06.09.2018
Der ehemalige sächsische Innenminister Heinz Eggert (CDU, l.) Quelle: LVZ-Archiv
Leipzig

Ein Team aus vier Experten soll nach den Ideen von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) künftig den Dialog zwischen Bürgern und Politikern im Freistaat in Gang bringen. Wie Kretschmer am Mittwoch in seiner Regierungserklärung sagte, wurden Sachsens ehemaliger Innenminister Heinz Eggert (CDU), die Leipziger Politikwissenschaftlerin Astrid Lorenz, der Leiter der Pirnaer Aktion Zivilcourage Sebastian Reißig sowie der frühere Punkmusiker (Wutanfall, L’attentat) und heutige Leiter des Beratungsinstituts „B3“ Bernd Stracke angefragt, „durch das Land zu gehen, den Menschen zuzuhören, ihre Argumente, ihre Sorgen, ihre Ängste, auch ihren Protest aufzunehmen und in unsere politische Arbeit einzubinden.“

Prof. Dr. Astrid Lorenz, Politikwissenschaftlerin an der Uni Leipzig. Quelle: André Kempner

Alle vier hätten sich dazu bereit erklärt, mit Bürgermeistern und Vereinsvorsitzenden Gespräche zu führen. „Wir brauchen eine breite Bewegung, wir brauchen viele Menschen, die diese Gespräche führen, die argumentieren, die aufnehmen, die für unsere Demokratie werben, die aber auch eine Rückmeldung darüber geben, was nicht funktioniert und was wir ändern müssen“, erklärte Kretschmer im Plenum des Dresdner Landtages.

Am Donnerstag äußerte sich Ex-Innenminister Eggert erstmals gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) selbst zum Vorhaben. Wie der Unionspolitiker sagte, sollen in der kommenden Woche erste Gespräche zur Struktur und zu den Inhalten des Vorhabens stattfinden. Aus seiner Sicht müsse es aber vor allem darum gehen, eine Gesprächskultur im Freistaat zu finden.

Bernd Stracke beim Konzert von L'Attentat im UT Connewitz. (Archivfoto Quelle: LVZ-Archiv

Man müsse wieder mehr miteinander statt übereinander reden und sich „nicht mehr in asozialen Netzwerken gegenseitig das Gesicht zerschlagen“. Eggert will die schweigende Mehrheit im Land ermutigen, gemeinsam über die Zusammenhänge in Sachsen nachzudenken, dabei auch nichts auszulassen. Zwei Dinge seien dabei wichtig, so Eggert: „Wer spricht, muss auch zuhören können. Und wir müssen aufpassen, nicht falsch zu etikettieren und diejenigen, die durch Argumente veränderbar sind auch verändern.“ Nicht reden will Eggert allerdings mit Pegida, mit Menschen, die den Hitlergruß zeigen und mit denen, die „Volksverräter“ brüllen.

Uwe Schwabe, Chef des Leipziger Archivs Bürgerbewegung, begrüßt die Initiative. „Gesprächsforen sind immer gut. Sie sind in dieser aufgeheizten Atmosphäre, die ich für schlimmer als 1989 halte, die einzige Chance, um die Wogen zu glätten“, sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler am Donnerstag gegenüber LVZ.de. Viele, die sich weder für rechte noch für linke Demos entscheiden, suchten in der Mitte trotzdem das Gespräch, so Schwabe. Gleichzeitig kritisierte er aber auch die schnelle Abgrenzung gegenüvber Pegida. „Ich finde es problematisch, dass Herr Eggert sofort klarstellt, dass er mit Pegida nicht reden wird. Von einem echten Dialog sollt man niemand ausschließen“, forderte Schwabe gegenüber LVZ.de.

André Böhmer / Matthias Puppe

Mit der „Chemnitzer Erklärung“ sprechen sich frühere DDR-Bürgerrechtler gegen die Instrumentalisierung des Leipziger Spruchs "Wir sind das Volk" von populistischen Gruppen nach dem Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz aus.

05.09.2018

Prävention und Intervention sollen in Sachsen das friedliche Miteinander fördern. Dazu gibt es laut Petra Köpping viel Engagement - aber auch noch Luft nach oben.

05.09.2018

Die sächsische Polizei hat Berichte zurückgewiesen, Beamte seien bei einer rechten Demonstration am Wochenende in Chemnitz bei Übergriffen von Ordnern gegen Passanten und Journalisten nicht eingeschritten.

05.09.2018