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Mitteldeutschland FDP: Zastrow will Landtagswahl zum „Tag der Befreiung“ machen
Region Mitteldeutschland FDP: Zastrow will Landtagswahl zum „Tag der Befreiung“ machen
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14:39 06.04.2019
Holger Zastrow, Landesvorsitzender der FDP Sachsen gestikuliert während seiner Rede auf dem Landesparteitag im Internationalen Congress Center. Quelle: Robert Michael/dpa
Dresden

Als Holger Zastrow (50) den 1. September 2019 zum „Tag der Befreiung“ für Sachsen ausruft, brandet so etwas wie Jubel auf - der FDP-Landesparteitag ist nach fast einer Stunde reif für die definitive Kampfansage des Vorsitzenden.

„Unser Land hat Besseres verdient: Befreien wir uns von Ideologie, Agitation, Müßiggängern und Verhinderern, Schluss mit dem Gelabere, Gequatsche und Gefasele“, ruft Zastrow, der sich längst auf Betriebstemperatur geredet hat, den 217 Delegierten im Internationalen Kongresszentrum Dresden zu. Selten hat Zastrow auf Parteitagen so viel Beifall wie am Sonnabend bekommen.

Zastrow: Mein Werk ist noch nicht vollendet

Der Applaus ist ein erster Gradmesser für die gut drei Stunden später angesetzte Wiederwahl des FDP-Landeschefs: Zastrow amtiert seit 1999, gilt als der ewige Vorsitzende, aber nicht zuletzt auch als das Gesicht der Liberalen in Sachsen.

Wider Erwarten hat er es geschafft, die über lange Zeit nässende Wunde der Landtagswahl 2014 vernarben zu lassen, als die Partei aus der Regierung heraus nicht einmal mehr den Wiedereinzug in den Landtag schaffte. Zastrow, der in den vergangenen Jahren nicht nur eine Palastrevolution überstanden hat, polarisiert - doch ganz offensichtlich mangelt es an echten Alternativen zu dem Unternehmer aus Dresden.

„Mein Werk ist einfach noch nicht vollendet. Die Scharte von 2014 wollen wir auswetzen und das Comeback schaffen. In den vergangenen fünf Jahren haben wir unsere Bodenhaftung zurückgewonnen“, lautet seine Ansage, die die Partei mit ihren sachsenweit 2100 Mitgliedern allmählich verinnerlicht. Die Grabenkämpfe scheinen wenigstens bis zur Wahl auf Eis gelegt.

FDP will bei der Landtagswahl zweistellig werden

So kommt es, dass sich der Rekonvaleszent FDP doch wieder berappelt: Zur Bundestagswahl 2017 wurde das sächsische Ergebnis mit 8,2 Prozent - auch im Zuge des Christian-Lindner-Effektes - nahezu verdoppelt, in aktuellen Umfragen liegen die Liberalen knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. „Momentan sieht es nicht ganz schlecht aus. Wir können nur gewinnen“, sagt Generalsekretär Torsten Herbst.

Das Ziel für die Landtagswahl am 1. September lautet: 10 Prozent plus x - und eine Regierungsbeteiligung. Ausdrucks dieses Anspruchs ist ein immerhin 85 Seiten umfassendes Wahlprogramm. „Wir haben ein Superwahljahr, das über die Zukunft unserer Partei entscheidet“, redet Zastrow den Delegierten in Dresden ins Gewissen. „Es liegt an der FDP, ob Sachsen nach der Wahl nach links abrutscht.“

Deshalb müsse die Partei darum kämpfen, bei der Landtagswahl mindestens auf Augenhöhe mit den Grünen und der SPD zu kommen.

Landeschef holt zum Rundumschlag aus

In seiner Rede holt der mit 64,4 Prozent im Amt bestätigte Landesvorsitzende, der bei der Wahl zum Spitzenkandidaten im Februar noch 62,2 Prozent und vor zwei Jahren magere 53 Prozent bekommen hatte, zum Rundumschlag aus: Seine verbalen Attacken treffen so ziemlich alle und alles.

Als erstes nimmt sich Zastrow den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) vor, der „wie Blei im Regal“ liege. „Ich kann dieses ewige reden, reden und nochmals reden nicht mehr ertragen. Die Staatsregierung ist weder ein Debattierklub noch ein gesprächstherapeutischer Zirkel - die sollen regieren“, bricht es aus Zastrow heraus.

Zastrow: Kohlekompromiss ist „Verrat an den Interessen Sachsens“

Weitaus heftiger bekommen es allerdings die Grünen („die Verbotspartei“) und die SPD mit ihrem Wirtschaftsminister Martin Dulig („keine Angst, wir tun nichts“) ab. Den Kohlekompromiss bezeichnet der FDP-Chef als „Verrat an den Interessen Sachsens“, da aus den 30 Jahren seit der Wende - mit all ihrem Aderlass - nichts dazugelernt worden sei.

Zastrows politischer Zorn trifft schließlich auch die Demonstranten von „Fridays für Future“ mit voller Wucht, und das keineswegs aufgrund des Schulschwänzens: „Die denken, der Strom kommt aus der Steckdose. Ich bin sehr dafür, dass wir endlich wieder mehr naturwissenschaftliche Kenntnisse in den Schulen vermitteln.“

Das sei doch „alles nicht mehr normal“, redet sich der Chef-Liberale, der nun der dienstälteste amtierende Landesvorsitzende einer Partei in Deutschland ist, zunehmend in Rage.

Auch Liberale schalten in Wahlkampfmodus

Der Dresdner Parteitag gibt damit einen Eindruck, was in den nächsten Monaten im Wahlkampf zu erwarten sein dürfte: Auch die Liberalen haben in den Angriffsmodus geschaltet.

„Wir können als Freie Demokraten den entscheidenden Unterschied für Sachsen machen“, sagt Zastrow und bemüht dann doch wieder die liberale Liturgie: „Wir kümmern uns um die, die mehr machen als sie dürfen und müssen. Jeder soll seinen Traum verwirklichen können.“

Von Andreas Debski

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