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Faktencheck Wissenswertes zur Corona-Impfung: Schutz für Kinder und Schwangere
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Corona: Impfung für Kinder und Schwangere - Alle Infos

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12:30 26.11.2021
Eine Mitarbeiterin in einem mobilen Impfbus zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf.
Eine Mitarbeiterin in einem mobilen Impfbus zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Biontech auf. Quelle: Kay Nietfeld
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Leipzig

Impfungen bieten persönlichen Schutz, sind aber auch das wichtiges Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. In der inzwischen immer hitziger geführten Debatte darüber gehen wesentliche Fragen zunehmend unter. Wir haben ein paar zentrale Aspekte gesammelt und geben Antworten. Im zweiten Teil geht es unter anderem um Impfungen für Kinder und Jugendliche, um die Optionen für Schwangere und um doppelte Kreuzimpfungen.

Kann ich mich zeitgleich gegen Grippe und gegen Corona impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission hat am 24. September die Empfehlung ausgesprochen, dass eine Corona-Impfung zeitgleich mit der Grippeschutz-Impfung erfolgen kann. Zwischen Covid-19-Impfungen und anderen sogenannten Totimpfstoffen müsse „ab sofort kein Impfab­stand mehr eingehalten werden“, heißt es. „Ich habe mich selbst am gleichen Tag mit Biontech gegen Sars-Cov2 in den linken Oberarm und gegen Influenza in den rechten Oberamt impfen lassen“, sagt Professor Michael Borte vom Klinikum St. Georg in Leipzig. Der Medizinier ist auch Mitglied der Sächsischen Impfkommission (Siko). Falls eine gleichzeitige Impfung gegen Corona und Grippe nicht möglich ist, rät er allerdings zu einem Abstand von 14 Tagen.

Sollen sich auch Schwangere impfen lassen?

Ja. Schwangere sollten sich ab dem beginnenden vierten Monat impfen lassen. Die Ständige Impfkommission der Bundesrepublik (Stiko) empfiehlt die Impfung, da eine Schwangerschaft als solche einen Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf darstellt und Corona-Infektionen wiederum bei Schwangeren das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. Empfohlen wird für Schwangere nur der Impfstoff Comirnaty von Biontech.

Welcher Impfstoff wird nun für Menschen unter 30 Jahren empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät, für Personen unter 30 Jahren ausschließlich den Impfstoff von Biontech zu verwenden. Der Grund: Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen als Impfreaktionen wurden bei Menschen unter 30 Jahren nach der Impfung mit dem Produkt von Moderna häufiger beobachtet. Für Menschen ab 30 Jahren besteht trotzdem nach der Immunisierung mit dem Vakzin von Moderna kein erhöhtes Risiko in dieser Hinsicht.

Die Impfkommissionen empfehlen inzwischen alle eine Impfung für 12- bis 17-Jährige – ist das wirklich ratsam?

Die Immunisierung sei ratsam, sagen die Impfexperten, weil die Infektionszahlen in dieser Altersgruppe mittlerweile auch steigen. Selbst wenn die Erkrankungen meist moderat verlaufen, so könnten die Betroffenen doch das Virus weitergeben, etwa an Eltern und Geschwister. Eine Impfung kann aus der Sicht der Impfexperten dazu beitragen, die Infektionsketten zu unterbrechen. Zugelassen ist für diese Altersgruppe allerdings nur das Produkt von Biontech.

Welche Impf-Nebenwirkungen wurden bei Kindern und Jugendlichen beobachtet?

Laut Robert-Koch-Institut wurden bei 12- bis 17-Jährigen Impfreaktionen etwas häufiger beobachtet als bei 18- bis 25-Jährigen. Genannt werden dabei sogenannte Lokalreaktionen (Schmerzen an der Einstichstelle, Rötung, Schwellung) und systemische Impfreaktionen (Abgeschlagenheit, Fieber, Kopfschmerz, Schüttelfrost, Übelkeit, Durchfall, Gelenk- und Muskelschmerzen), die häufiger nach der zweiten Impfstoffdosis auftraten. Schwere Reaktionen, wie etwa Herzmuskelentzündungen, sind sehr selten und werden mit einer Häufigkeit bis zu zwei Prozent angegeben.

Wann kommt der Impfstoff für Kinder von 5 bis 11 Jahren?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat am 25. November 2021 ihr Okay gegeben für den Impfstoff für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren. Hersteller Biontech hat dafür eine verringerte Dosis seines bekannten Vakzins entwickelt und entsprechende Testreihen durchgeführt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) berät derzeit darüber, ob sie Impfungen für Kinder unter 12 Jahren empfehlen wird. Die Empfehlung soll Ende Dezember kommen. Auch ohne Stiko-Empfehlung wären Immunisierungen mit EMA-Zulassung erlaubt – sofern sich Impfende finden. Eine Initiative von bundesweit 60 Kinderärzten bietet auf www.u12schutz.de bereits Termine an. Technisch gesehen könnten die reduzierten Biontech-Impfstoffe ab 20. Dezember europaweit ausgeliefert werden. Der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass zu Beginn etwa zwei Millionen Dosen nach Deutschland versendet werden. In der Bundesrepublik leben mehr als vier Millionen Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren.

Wie sicher sind die Impfstoffe für Kinder?

In den Impfdosen für kleinere Kinder ist etwa ein Drittel des Erwachsenen-Wirkstoffs enthalten. Biontech hat für seine Testphasen 2300 Kinder ausgewählt, zwei Drittel bekamen das Vakzin gespritzt. Auswertende Berichte sprechen von hoher Wirksamkeit gegen das Virus, aber auch von den bekannten Nebenwirkungen: wie Kopf- und Armschmerzen, Fieber. In drei Fällen seien schwerere Erkrankungen aufgetreten, die aber nichts mit dem Vakzin zu tun gehabt hätten. Herzmuskelentzündungen als Folge der Impfung, wie sie bei Jugendlichen sehr selten registriert wurden, traten in der Studie nicht auf. In den USA werden kleinere Kinder bereits seit einigen Wochen gegen Corona geimpft, mehr als zwei Millionen haben ihre erste Dosis inzwischen erhalten. Die EMA sagt, dass der Nutzen des Impfstoffs die Risiken überwiege, insbesondere bei Kindern mit Vorerkrankungen, die das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe steigern. Die Entscheidung heißt nicht, dass nun auch die Impfung von Kindern empfohlen wird. Das sei Sache nationaler Regierungen beziehungsweise Gesundheitsbehörden, betont die EMA. Denn die Gefahr von schweren Covid-19-Erkrankungen ist bei Kindern generell deutlich geringer und der Impfschutz deshalb vorrangig eher eine pandemische Maßnahme, um Mitmenschen und Familienmitglieder zu schützen.

Sind Doppelkreuzimpfung möglich? Kann nach Astrazeneca und Biontech auch mit Moderna geboostert werden?

Das Bundesgesundheitsministerium sagt: Menschen mit einer Kreuzimpfung aus dem Impfstoff von Astrazeneca (erste Impfung) und einem mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna (zweite Impfung) bekommen beim Boostern (dritte Impfung) den gleichen mRNA-Impfstoff, der für ihre Zweitimpfung genutzt wurde. Das empfiehlt grundsätzlich auch die Sächsische Impfkommission (Siko). Aber es sei auch kein Problem, wenn jemand nach Astrazeneca und Biontech als drittes Moderna geboostert werde, heißt teilte die Siko am 22. November mit. Wer hingegen mit dem Serum von Johnson & Johnson immunisiert wurde (nur eine Impfung war dafür nötig), kann sowohl mit den Impfstoffen von Biontech als auch von Moderna geboostert werden. Einige Experten machen darauf aufmerksam, dass die Vorteile von Kreuzimpfungen hinsichtlich eines noch höheren Impfschutzes gerade auch beim Boostern genutzt werden sollten.

Kann man dem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angepriesenen Impfstoff von Moderna vertrauen, dessen Verfallsdatum im ersten Quartal abläuft?

Ja. Wenn der Moderna-Impfstoff fachgerecht gelagert wurde – wovon auszugehen ist – gibt es da überhaupt kein Problem. Und das Vakzin ist mindestens genauso gut, wie das von Biontech, wie Studien belegen. Beide Impfstoffe sind sehr sicher und haben eine Wirksamkeit und Effektivität von 90 Prozent, so der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Prof. Dr. Klaus Cichutek. Der Moderna-Impfstoff soll aber aufgrund höherer Dosierung nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für alle Menschen unter 30 Jahren und für Schwangere nicht eingesetzt werden.

Lässt die Wirkung des Impfstoffs von Biontech nach sechs Monaten stärker nach, als die des Produkts von Moderna?

Nach einer schwedischen Studie ja. Der Biontech-Impfstoff hatte nach etwa einem halben Jahr nur noch eine Wirksamkeit von 47 Prozent gegen Ansteckungen mit der Delta-Variante. Der Moderna-Impfstoff schützte nach sechs Monaten noch zu 59 Prozent gegen Ansteckungen. Aber: Covid-19-Impfstoffe sollen nicht nur gegen Infektionen schützen, sondern vor allem auch gegen schwere Krankheitsverläufe und Tod. In dieser Hinsicht sank die Wirksamkeit zwar auch, aber viel langsamer – besonders bei den über 80-Jährigen. Bei den Jüngeren lag sie beispielsweise auch nach neun Monaten immer noch bei 80 Prozent.

Reichen die Impfstoff-Reserven in Deutschland?

An Impfstoff mangelt es nicht, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Bis Ende November erhöhen sich die erfolgten Lieferungen von Biontech auf 118 Millionen Dosen und bei Moderna auf 25 Millionen Dosen. Dazu sind im Dezember noch einmal knapp neun Millionen Ampullen von Biontech und 25 Millionen von Moderna bestellt. Beide Vakzinen werden von Experten als gleichrangig gut angesehen, lediglich beim Impfen von Jugendlichen unter 18 Jahren wird Biontech priorisiert. Weil der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürchtet, dass Ärzte beim Boostern vorrangig Biontech verwenden, hat er die die Bestellmenge auf 30 Dosen pro Praxis und Woche beschränkt. Das sorgt für scharfe Kritik. Generell ist die Auffrischungswirkung bei sogenannten Kreuzimpfungen höher. Experten empfehlen deshalb inzwischen auch jeweils den anderen Impfstoff für das Boostern zu verwenden.

Wurde den Geimpften zu viel versprochen?

„Nein“, sagt Impfexperte Professor Michael Borte vom Klinikum St. Georg in Leipzig. „Die Situation wäre ein ganz andere“, klärt er auf, „wenn wir eine Durchimpfungsrate von über 90 Prozent hätten. Dann wäre eine Herdenimmunität erreicht und das Virus würde nicht mehr so zirkulieren.“ Aber: Je mehr aktive Corona-Fälle es gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit sich auch als Geimpfter zu infizieren. Allerdings ist das Risiko, schwer zu erkranken, bei Geimpften deutlich geringer als bei nicht geimpften Infizierten.

Von Anita Kecke und Matthias Puppe