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Faktencheck Immer mehr Sachsen haben Waffen – erhebliche Zuwächse seit 2015
Region Mitteldeutschland Faktencheck Immer mehr Sachsen haben Waffen – erhebliche Zuwächse seit 2015
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20:03 13.11.2019
Ein sogenannter „kleiner Waffenschein“ erlaubt beispielsweise auch Schreckschuss-Pistolen, wie diese „Walther P22“. Quelle: dpa
Dresden

In Sachsen gibt es trotz Bevölkerungsrückgangs immer mehr Waffen – und das ganz legal. In den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der bei den Behörden registrierten Gewehre, Pistolen, Hieb- und Stichwaffen, die unter das bundesdeutsche Waffengesetz (WaffG) fallen, um 23 Prozent auf insgesamt 175.000. Aktuell haben etwa 49.000 Sachsen eine waffenrechtliche Erlaubnis – das sind 14.000 mehr als noch 2015.

Der mit Abstand größte Teil der Kampfgeräte ist dabei in privater Hand. Etwa 30.000 Sachsen, die nicht beruflich damit zu tun haben, wurde der Besitz zugestanden. Zusammen haben sie nicht weniger als 150.000 genehmigungspflichtige Waffen legal im heimischen Schrank. Unter den Bewaffneten sind viele Sportler, passionierte Jäger, auch Sammler von historischen Exponaten. Aber es gibt auch Extremisten mit Waffen.

93 Rechtsextreme haben legal Waffen

„Es besorgt mich seit Jahren, wie viele Schusswaffen in Umlauf sind – und dass nach wie vor auch Neonazis und Reichsbürger die Möglichkeit haben, sich ganz legal zu bewaffnen“, sagte die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Linke) gegenüber der LVZ. Sie hat die aktuellen Zahlen bei Innenminister Roland Wöller (CDU) abgefragt und dabei schwarz auf weiß zu lesen bekommen: 93 Personen, die vom Verfassungsschutz zur rechtsextremistischen Szene in Sachsen gezählt werden, haben eine waffenrechtliche Erlaubnis. Zum Teil sind die Genehmigungen von den Behörden offenbar erst in den vergangenen Monaten ausgestellt worden – und das allen Ankündigungen im Kampf gegen den militanten Rechtsextremismus zum Trotz. Denn zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr waren es laut Wöller noch 84 Rechtsextreme mit Waffen, im Jahr davor 80. Bei den Linksextremen gibt es seit Jahren nur einzelne Personen mit registrierten Waffen.


 Waffenbesitz in Deutschland


Unter das Waffengesetz (WaffG) fallen alle Schusswaffen, Gegenstände und Munition, die in der Anlage zum Waffengesetz näher bestimmt sind. Bei der Genehmigung wird zwischen Waffenschein, Waffenbesitzkarte und sogenanntem „kleinem Waffenschein“ unterschieden. Einen Waffenschein berechtigt zum öffentlichen Führen von Waffen – und wird in der Regel nur in beruflichem Zusammenhang ausgestellt (z.B. Polizei, Geldtransporte, Jäger). Die Waffenbesitzkarte regelt den Besitz von genehmigungspflichtigen Waffen und ist an Auflagen gebunden – unter anderem gehört dazu ein Nachweis von Sachkunde und Bedürfnis, wie beispielsweise bei Sportschützen. Der „kleine Waffenschein“ berechtigt zum Führen von Schreckschuss- und Reizgas-Geräten und ist im Gegensatz zu den anderen waffenrechtlichen Regelungen nicht an den Nachweis eines klaren Bedürfnisses gebunden.

Klar ist auch: Die Dunkelziffer dürfte in allen Bereichen weitaus größer sein. Immer wieder stellen Sicherheitsbehörden bei Kontrollen illegale Waffen sicher. Auch Köditz warnt davor, dass die 150.000 erlaubnispflichtigen Gewehre, Pistolen und Messer in privater Hand nur ein Bruchteil des tatsächlichen Bestandes sind. „Eine große Frage, der sich Behörden annehmen müssen, lautet dabei aber auch: Wie viele illegale Waffen kursieren eigentlich? Wir kennen leider nur die Spitze des Eisberges“, so Köditz weiter.

Immerhin wurden im vergangenen Jahr während einer Amnestie mehrere Hundert gehorteter Weltkriegsdevotionalien und anderer illegaler Waffen bei den Behörden abgegeben. Am 1. August 2018 lief die Aktion aus. Im dritten Quartal 2019 konnten trotzdem noch ein paar Dutzend nicht registrierter Waffen aus dem Verkehr gezogen werden, heißt es jetzt.

Stärkste Zunahme seit 2015 in Dresden

Tendenziell nimmt die Bewaffnung im Freistaat aber immer weiter zu – und das regional unterschiedlich. So gab es in Chemnitz vor vier Jahren 4500 registrierte Waffen, aktuell sind es 5800 – eine Zunahme um mehr als ein Viertel. Auffällig ist, dass in der Stadt vor allem in den vergangen beiden Jahren mehr als 1000 neue Waffen hinzugekommen sind. Noch stärker ist die neuerliche Bewaffnung in Dresden mit einem Plus von 35 Prozent seit 2015. Derzeit sind in der Landeshauptstadt mehr als 12.000 Waffen registriert – davon 11.000 in privater Hand. Die Zahl der Waffenbesitzer hat sich in Dresden in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt: von 2700 auf 4500. Darunter sind 2250 Privatpersonen. Ähnlich sieht es in Leipzig aus: Dort gibt es inzwischen 32 Prozent mehr Kampfgeräte als 2015.

Allerdings muss man auch wissen: Auf dem Land gibt es allgemein deutlich mehr Gewehre und Pistolen – vor allem bei Privatpersonen. Die mit Abstand meisten Waffen und Waffenbesitzer sind im Erzgebirge registriert. Auf mehr als 5000 Personen mit entsprechender Erlaubnis kommen dort 20.500 genehmigungspflichtige Gewehre und Pistolen. In der Stadt Leipzig, wo fast doppelt so viele Menschen wohnen, haben die Behören halb so viele Waffen wie im Landkreis an der tschechischen Grenze registriert.

Auch in anderen südlichen und südöstlichen Landkreisen, wie etwa in Bautzen oder in der Sächsischen Schweiz, lassen sich vergleichsweise viele Besitzer von Schusswaffen finden. Die höchste Pro-Kopf-Bewaffnung hat allerdings das eher bevölkerungsarme Nordsachsen – mit 70 Waffen pro 1000 Einwohnern. Zum Vergleich: In Leipzig sind es „nur“ 18.

Dafür hält in den Großstädten im Unterschied zur ländlichen Region der Trend zum „kleinen Waffenschein“ weiter an – für diesen im Gegensatz zur Waffenbesitzkarte keine Prüfung ablegt und auch kein konkretes Bedürfnis nachgewiesen werden muss. In der Regel wird mit solchen „kleinen Waffenscheinen“ das Mitführen von Schreckschuss-Pistolen erlaubt, die äußerlich von scharfen Waffen kaum zu unterscheiden sind und angeblich ein besseres Sicherheitsgefühl vermitteln. Behörden warnen allerdings vehement davor, dies sei ein Trugschluss. Durch Schreckschuss-Waffen entstünden eher mehr Gefahren. In Leipzig haben etwa 3000 Einwohner legal eine Schreckschuss-Waffe regelmäßig in ihrer Tasche, in Dresden sind es 2250. Sachsenweit gibt es zusätzlich zu den 49.000 Waffenbesitzkarten noch etwa 20.000 solcher „kleinen Waffenscheine“.

Mehr Fakten aus Sachsen: www.lvz.de/fakten

Von Matthias Puppe

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