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Faktencheck Kinder fürchten Armut und fühlen sich allein – akute Gefährdung nimmt in Sachsen zu
Region Mitteldeutschland Faktencheck Kinder fürchten Armut und fühlen sich allein – akute Gefährdung nimmt in Sachsen zu
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18:01 19.02.2019
Jeder vierte der 14-Jährigen in Deutschland fühlt sich bei Problemen in der Schule von den Lehrern allein gelassen, jeder Zehnte hat laut eigener Angaben nicht einmal in der eigenen Familie jemanden, „der sich um mich kümmert“. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Kinder und Jugendliche in Deutschland haben Angst vor finanzieller Not, kennen häufig kaum ihre Rechte, vermissen Einflussmöglichkeiten auf die Gesellschaft und beklagen zum Teil fehlende Zuwendung durch Eltern und Lehrer. Das geht aus einer gestern vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. In Sachsen müssen Jugendämter zudem auch häufiger eingreifen, weil das Wohl von Kindern akut gefährdet ist.

Mehr als 6000 Mal rückten die Behörden 2017 im Freistaat aus, weil Sozialarbeiter bei Heranwachsenden Vernachlässigungen durch ihre Eltern oder sogar physische, psychische oder sexuelle Gewalt erkannt hatten, heißt es aus dem Statistischen Landesamt. Gegenüber dem Vorjahr sei diese Zahl um alarmierende 8,5 Prozent angestiegen. Die meisten Fälle von Kindesgefährdung gab es in Dresden, knapp gefolgt von Leipzig (jeweils etwa 1200). Auffällig häufig sind aber auch Kinder im Landkreis Görlitz und in der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge in Notsituationen. Dort wurden jeweils mehr als 900 Fälle registriert, dreimal so viele wie in Chemnitz, obwohl in den beiden östlichen Landkreisen nicht mehr Menschen wohnen, als in der Großstadt.

Um solche Extremsituationen geht es in der Bertelsmann-Studie zwar nicht. Hier stehen die Bedürfnisse der Heranwachsenden im Vordergrund – so wie sie diese selbst formulieren. Tendenziell lassen sich aber auch in dieser Analyse beunruhigende Mangelerscheinungen herauslesen. Forscher der Frankfurter Goethe-Universität hatten bundesweit 3500 Fragebögen an Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren ausgegeben, zudem Gesprächsrunden organisiert. Zwar seien die geäußerten Sorgen nur in wenigen Fällen tatsächlich existenziell, „es zeigen sich aber auch markante Unterschiede“.

25 Prozent der Hauptschüler ohne Familienurlaub

So gab jeder dritte Schüler einer Haupt-, Gesamt- oder Sekundarschule an, kein ausreichendes Sicherheitsgefühl zu haben – in Gymnasien war das „nur“ jeder sechste. Jeder vierte der 14-Jährigen fühlt sich bei Problemen in der Schule von den Lehrern allein gelassen, jeder Zehnte hat laut eigener Angaben nicht einmal in der eigenen Familie jemanden, „der sich um mich kümmert“. In Hauptschulen kennt jeder Vierte Familienurlaub quasi nur vom Hörensagen und mehr als die Hälfte aller Kinder macht sich regelmäßig Sorgen, dass die eigene Familien nicht genug Geld zum Leben haben könnte.

„Wenn sich die Hälfte aller Kinder vor Armut fürchten und ein Drittel der Haupt- und Realschüler sich in der Schule nicht sicher fühlt, zeigt dass, dass Kindheit in Deutschland alles andere als sorgenfrei ist“, sagte die sächsische Landespolitiker Janina Pfau (Linke). Sie forderte eine Kindergrundsicherung, den Ausbau öffentlicher Infrastrukturen und die Beseitigung des gegliederten Schulsystems, „welches Ungleichheitserfahrungen schafft“. Henning Homann (SPD) hieb in dieselbe Kerbe, auch er will längeres gemeinsame Lernen. Immerhin habe seiner Fraktion bereits die Einführung flächendeckender Schulsozialarbeit erreicht.

Laut CDU-Generalsekretär Alexander Dierks habe die gute wirtschaftliche Entwicklung auch die Situation von Kindern und Jugendlichen in Sachsen deutlich verbessert hat. „Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass es noch immer junge Menschen im Freistaat gibt, die noch mehr Unterstützung brauchen oder stärker in Entscheidungen eingebunden werden wollen.“

Von Matthias Puppe

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