Mehr als 700 Corona-Fälle in Sachsen – besonders schnelle Ausbreitung in Zwickau
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Faktencheck Mehr als 700 Corona-Fälle in Sachsen – besonders schnelle Ausbreitung in Zwickau
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17:20 22.03.2020
Blick auf eine leeres Bett einer Intensivstation. (Archivfoto) Quelle: Jonas Güttler/dpa
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Leipzig

Mehr als 700 Menschen haben sich in Sachsen inzwischen nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert – Tendenz steigend. Seit Tagen zeigt die Kurve der Fallzahlen im Freistaat steil nach oben, etwa ein Drittel Neuerkrankungen kommen täglich dazu. Eine scheinbare Beruhigung der Situation, wie sie am Wochenende auch bundesweit zu beobachten war, ist dabei trügerisch: Denn am Samstag und Sonntag wurde einfach weniger getestet, zum Wochenstart dürfte sich diese scheinbare Abschwächung der Infektionsrate spätestens wieder ausgleichen.

Generell sollte man sich vor Augen führen: Getestet werden nur Personen, die bereits Krankheitssymptome haben. Bei vielen anderen Menschen schlummert das Virus noch ohne größeren Effekt bereits im Körper. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Infektionsrate sieben bis zehn Mal höher ist, als bekannt. Der Leipziger Virologe Christoph Lübbert rechnet deshalb allein für Leipzig mit bis zu 5000 bis 6000 bis zum nächsten Wochenende.

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Zwickau überholt Leipzig

Die Messestadt ist zweifellos aufgrund der Vielzahl der Menschen, die hier wohnen, eines der Epizentren des Virus in Sachsen. Allerdings gibt es einen anderen Landkreis, in dem sich Covid-19 scheinbar noch schneller ausbreitet, als an der Pleiße: der Landkreis Zwickau. Täglich verdoppelt sich die Zahl der Betroffenen dort, am Samstagabend meldete das Landratsamt 172 positive Testergebnisse – so viele wie in keiner anderen sächsischen Region. Pro Kopf ist die Infektionsrate in Zwickau inzwischen auch doppelt so hoch, wie in den anderen am stärksten betroffenen Regionen. Ausgangspunkt der Infektion ist offenbar die Gemeinde Bernsdorf, wo es bereits zum Wochenanfang mehr als 150 Personen in Quarantäne mussten.

Der erste Zwickauer Corona-Fall wurde in der vorletzten Woche in der Praxis von Allgemein-Arzt Wolfram Illert getestet. „Die Patientin kam aus dem Skiurlaub in Ischgl und klagte schon auf der Rückfahrt per Handy über die typischen Symptome“, sagte der Mediziner gegenüber lvz.de. Der Test bei ihm in der Praxis habe dann schnell Klarheit geschaffen. Mittlerweile sei die Frau aber schon wieder gesund. Der Arzt rechnet damit, dass sich in der kommenden Woche weitere Infizierte bei ihm telefonisch melden werden. Illert verwies noch darauf, dass neben dem Heinrich-Braun-Klinikum ab Montag auch in der Paracelsus-Klinik eine spezielle Corona-Ambulanz in Zwickau öffne.

Neben Zwickau und Leipzig gehören inzwischen auch Dresden, Chemnitz und Bautzen zu den stark betroffenen Regionen. Aus dem Landkreis in Ostsachsen wurde am Freitag auch der erste sächsische Corona-Todesfall gemeldet. „Ich bedauere das zutiefst und möchte den Angehörigen an dieser Stelle mein tiefstes Beileid aussprechen“, so Landrat Michael Harig in einer ersten Stellungnahme. Im Leipziger Klinikum St. Georg, das auf Viruserkrankungen spezialisiert ist, werden aktuell neun Betroffene behandelt zudem ein Betroffener mit schweren Krankheitssymptomen behandelt.

Senioren, aber auch Kinder betroffen

Mit Blick auf die Bevölkerungsgruppen am häufigsten betroffen sind Männer im Alter zwischen 35 und 59 Jahren – gefolgt von Frauen aus dem selben Segment. Etwa die Hälfte der positiv Getesteten im Freistaat kommt aus dieser Altersgruppe. Aber auch viele junge Erwachsene – männlich und weiblich – haben sich nachweislich bereits infiziert.

Bei den besonders gefährdeten Senioren hat es sachsenweit inzwischen mehr als 100 erwischt, darunter neun Erkrankte, die älter als 80 Jahre sind. Nicht zuletzt macht das Virus auch vor den Jüngsten nicht halt. Laut Robert-Koch-Institut sind sechs Kinder im Alter bis 14 Jahren positiv getestet worden – darunter jeweils ein Junge und ein Mädchen in Leipzig.

Mehr Fakten zu Corona in Sachsen: www.lvz.de/coronafakten

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Von André Böhmer / Matthias Puppe