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Faktencheck Mehrheit im Osten gegen raschen Ausstieg aus der Braunkohle
Region Mitteldeutschland Faktencheck Mehrheit im Osten gegen raschen Ausstieg aus der Braunkohle
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22:20 02.01.2019
Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). Archivfoto Quelle: dpa
Leipzig

Die Ostdeutschen sind im Gegensatz zu ihren Landsleuten im Westen gegen einen raschen Ausstieg aus der Braunkohle. Das geht aus dem aktuellen LVZ-Meinungsbarometer hervor. Im Auftrag der Leipziger Volkszeitung befragten Uniqma und die Leipziger IM Field GmbH 400 Ostdeutsche und 403 Westdeutsche nach der Akzeptanz von Vorschlägen und Ideen, um die Umwelt zu schützen.

In den neuen Bundesländern war mit 53 Prozent der Befragten mehr als die Hälfte gegen den frühzeitigen Abschied von der Braunkohle. Umgekehrt hielten in den alten Bundesländern 60 Prozent einen solchen Schritt durchaus für sinnvoll. Im Westen gelte Braunkohle als Klimakiller und als eine dreckige Form der Energiegewinnung, interpretierte der Leiter der Studie, Andreas Czaplicki. „Anders im Osten; hier schätzt man die Braunkohle als heimischen Energieträger und als wichtigen Arbeitgeber in strukturschwachen Regionen.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte zu den Ergebnissen: „Damit aus den heutigen Braunkohle-Revieren in der Lausitz und in Mitteldeutschland Zukunftsregionen werden, braucht es Investitionen in Wirtschaft, Forschung, Innovation, Straßen, ÖPNV und Digitalisierung.“ Gemeinsam mit dem Bund, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, aber genauso mit den Menschen vor Ort in den Regionen arbeite die Landesregierung daran, dass die Lausitz und das Mitteldeutsche Revier auch für künftige Generationen eine gute Heimat ist, so Kretschmer.

Für Matthias Groß, Stadt- und Umweltsoziologe am Leipziger Umweltforschungszentrum, ist das Ergebnis wenig überraschend. „Allgemein scheint es so zu sein, dass das Image von Braunkohle im Osten des Landes bis heute nie so schmutzig war wie im Westen. Braunkohle wird hier möglicherweise eher als freundliches Naturprodukt wahrgenommen, was Mutter Erde uns schenkt“, sagt der Professor.

Sowohl in Ost als auch in West zeigte sich die Tendenz, dass die Zustimmung zur Braunkohle mit zunehmenden Bildungsgrad sinkt und bei Männern größer als bei Frauen ist. Letzteres ist kein Einzelfall: Frauen zeigten sich generell aufgeschlossener gegenüber Vorschlägen wie: „Nur noch Biolebensmittel kaufen“, „Alle Diesel- und Benzinautos in den nächsten zehn Jahren abschaffen und durch E-Autos ersetzen“ sowie „Auf allen innerstädtischen Straßen Fahrradspuren einführen“.

Interessant ist, dass die jungen Leute zwischen 18 und 29 Jahren im Osten beim Thema „Alle Plastikverpackungen verbieten“ zu 100 Prozent zustimmten – deutlich klarer als ihre Altersgefährten im Westen (70 Prozent). Insgesamt fanden in den neuen Bundesländern 79 Prozent diesen Vorschlag gut, im Westen waren es lediglich 72 Prozent. „Hier spielt die aktuelle Diskussion um Plastikmüll in den Weltmeeren sicher eine gewisse Rolle“, schlussfolgert Studienleiter Czaplicki.

„Nur noch ein- oder zweimal in der Woche Fleisch essen“ können sich in Ost und West eher die Älteren vorstellen. In der Altersgruppe ab 70 bejahten das im Osten 70 Prozent und im Westen 80 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen dagegen nur 54 Prozent im Osten und 56 Prozent im Westen. Das ist insofern überraschend, als zunehmende vegetarische und vegane Angebote vor allem ein Phänomen der Neuzeit sind. Dagegen will sowohl in Ost (23 Prozent) als auch West (27 Prozent) nur eine Minderheit künftig nur noch Biolebensmittel verwenden.

Mehr zum Thema: „Ist Bio-Milch aus dem Allgäu mehr bio als die Frischmilch aus Sachsen?“

Von Roland Herold

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