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Mitteldeutschland 101 Fragen zur Lage der Familien in Sachsen
Region Mitteldeutschland

Familienkompass 2020: 101 Fragen zur Lage der Familien in Sachsen

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07:34 06.10.2020
Die Mutter des sechsjährigen Jakob und des vierjährigen Valentin arbeitet zu Hause an einem Laptop. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Leipzig

Der Familienkompass ist gemeinsam mit Sozialwissenschaftlern entwickelt worden. Worauf es dabei ankam, erläutern Silke Geithner und Götz Schneiderat vom Forschungszentrum der Evangelischen Hochschule Dresden.

Frau Geithner, Herr Schneiderat, wie schwer ist es eigentlich heutzutage, Menschen zum Ausfüllen langer Fragebögen zu bewegen?

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Onlineumfragen mit „Wie zufrieden sind Sie …“ und „Es dauert nur wenige Minuten …“ gibt es viele, doch seriöse Forschung hat es tatsächlich schwer, Menschen für einen längeren Fragebogen zu gewinnen. Repräsentative Bevölkerungsbefragungen mit hoher Beteiligung sind praktisch kaum noch möglich. Umso mehr freuen wir uns, dass es gelungen ist, eine Umfrage in ganz Sachsen über die drei großen hier beheimateten Tageszeitungen zu verwirklichen. Knapp 15.000 Menschen beantworteten beim Familienkompass 101 Einzelfragen zur Lage der Familien in Sachsen. Diese große Beteiligung zeigt uns, wie wichtig das Thema ist.

Götz Schneiderat von der Evangelische Hochschule Dresden. Quelle: David Nuglisch

Nach welchen Kriterien wurden die Fragen ausgewählt?

Um zu wissen, wie es den Familien in Sachsen geht, wurde ein Fragebogen mit sieben familienrelevanten Themenfeldern entwickelt. Damit alle Menschen im Freistaat mitmachen konnten, gab es einen allgemeinen Teil zu kommunaler Familienpolitik, Wohnen und Wohnumfeld, Arbeit, Sicherheit im Straßenverkehr und medizinischer Versorgung. Familien mit minderjährigen Kindern konnten darüber hinaus Fragen zur Schul- und Betreuungssituation beantworten. Viele der von uns ausgewählten Fragen werden auch in anderen großen Studien zum Wohlbefinden von Kindern wie zum Beispiel von Unicef verwendet.

Familienkompass Sachsen 2020 Quelle: LVZ

Ist die Umfrage repräsentativ?

Repräsentative Umfragen müssen drei Kriterien erfüllen: Wenn nicht alle Personen befragt werden, muss erstens eine Zufallsauswahl gezogen werden, die gezogenen Personen müssen sich zweitens überwiegend an der Befragung beteiligen und drittens muss jede für den Inhalt der Befragung relevante Personengruppe angemessen vertreten sein. Wir wollten ohne Vorauswahl alle Menschen in Sachsen erreichen. Die Studie ist also nicht repräsentativ – das macht aber nichts, denn auf Grund der vielen ausgefüllten Fragebögen lassen sich dennoch belastbare Aussagen treffen. Es sind anteilig mehr Familien, etwas mehr Frauen und mehr Personen mit höherem Bildungsabschluss vertreten als in der Gesamtbevölkerung. Das ist aber auch in repräsentativen Studien der Fall und wurde entsprechend bei der Auswertung berücksichtigt.

Silke Geithner von der_Evangelische Hochschule Dresden. Quelle: David Nuglisch

Wie ist sichergestellt, dass nicht gefälscht wurde?

Grundsätzlich konnte jeder an der anonymen Online-Befragung teilnehmen, so auch Personen, die nicht in Sachsen wohnen oder nur aus Spaß mitmachen wollten. Der Zugang zum Online-Fragebogen sollte nicht nur aus Datenschutzgründen so leicht wie möglich sein: kein Passwortschutz, keine IP-Adressenprüfung usw. Die Daten wurden aber im Nachhinein umfassend geprüft, so dass Fragebögen mit großen Lücken in den Antworten, von Personen, die nicht in Sachsen wohnen, mit extremen Antwortmustern oder inkonsistenten Angaben ausgeschlossen wurden. Statistische Prüfverfahren sichern widerspruchsfreie Daten.

Der Familienkompass möchte für jede Gemeinde in Sachsen Aussagen zur Familienfreundlichkeit treffen. Manche Gemeinden werden aber gar nicht für sich allein ausgewertet. Warum ist das so?

Für aussagekräftige Ergebnisse müssen genügend Fragebögen vorliegen. Während sich in den größeren Kommunen sehr viele Menschen an der Umfrage beteiligt haben, ist der Rücklauf in kleinen Orten nicht immer ausreichend, um statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten. Daher wurden Nachbargemeinden teilweise zusammengefasst. Hier einen guten Weg zu finden, war für uns eine der größten Herausforderungen in der Datenanalyse. Denn werden Gemeinden zusammengefasst, kann es sein, dass die Unterschiede nicht mehr ganz detailliert berücksichtigt werden. Hier müssen dann die Reporter vor Ort mit den Menschen ins Gespräch kommen.

Wie war es für Sie, die Befragung gemeinsam mit Journalisten zu entwickeln?

Die Zusammenarbeit mit den Zeitungen ist konstruktiv und für die Forschung auch sehr innovativ, weil die Umfrageergebnisse plastisch und lebensnah berichtet werden. Mit den gesammelten Noten zur Familienfreundlichkeit bekommt die Lokalpolitik ein differenziertes Zeugnis ausgestellt.

Von Silke Geithner und Götz Schneiderat