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Mitteldeutschland Feinstaubfilter für Räuchermännel? Umweltschützer fühlt sich geleimt
Region Mitteldeutschland Feinstaubfilter für Räuchermännel? Umweltschützer fühlt sich geleimt
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12:04 20.11.2018
Feinstaubfilter für Räuchermännel? Kurz vor dem Advent ist darüber ein heftiger Streit entbrannt. Dabei will der Erfinder der Idee dies gar nicht so gefordert haben. Quelle: dpa
Zwickau/Leipzig

Sie gehören zur Adventsstimmung einfach dazu: Die geschnitzten Räuchermännel mit ihren duftenden Rauchschwaden. Allerdings belasten sie auch die Raumluft und produzieren Feinstaub in den eigenen vier Wänden. Umweltschützer Ronald Peuschel von der Grünen Liga Westsachsen sorgt sich um die gute Raumluft und sagt: „Man muss immer darüber nachdenken, wie man auch in privaten Räumen Gesundheitsbelastungen vermeiden kann.“ Dazu zähle eben auch die richtige Verwendung von Räucherkerzen.

Müssen Räuchermännchen verbessert werden?

Allerdings habe er nie über eine Feinstaubfilterpflicht für Räuchermännchen laut nachgedacht. „Mir ist schleierhaft, wie diese Meldung in die Welt kommt“, sagt der Umweltschützer und fühlt sich von einer Interviewanfrage „geleimt.“ Das Portal Tag 24 hatte gestern berichtet, Peuschel würde diese Feinstauberfilter-Idee verfolgen und ihn mit den Worten zitiert: „Jeder schädliche Stoff, der nicht in die Umwelt kommt, ist gut. Vor allem in geschlossenen Räumen. Das Nachdenken über gesunde Raumluft und über bessere Räuchermännchen schadet auch nicht der Tradition im Erzgebirge.“

Umweltschützer Peuschel: „Ich werde das jetzt aussitzen“

Auf Nachfrage von LVZ.de reagiert Peuschel gereizt und sieht sich völlig falsch wiedergegeben: „Ich wollte doch nur zum Nachdenken anregen und nun ist dieser Shitstorm daraus geworden.“ Diesen „schlechten Witz“ wolle er jetzt nur noch aussitzen.

Spielzeugmacher im Erzgebirge verärgert

Wenig zum Lachen zumute ist dagegen den Holzspielzeugmachern und Männelschnitzern aus dem Erzgebirge. „Jo, solche Ideen brauchen wir jetzt ganz dringend“, sagt mit spitzer Ironie Margret Flath vom gleichnamigen Handwerksbetrieb aus Seiffen. Noch nie sei einer auf die Idee gekommen, die traditionellen Räuchermännel als Gesundheitsgefährder anzuprangern. „Natürlich rauchen sie, das ist ja schließlich der Sinn der Männel.“ Wem es nicht passt, der müsse sie ja nicht aufstellen. „So einfach ist das. Da braucht es keinen verfrühten Aprilscherz über irgendwelche Feinstaubfilter.“

Lungen-Experte Köhler: „Kompletter Blödsinn“

Auch der renommierte Lungenfacharzt Dieter Köhler, der die strengen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid in Deutschland für völlig überzogen hält, stellt klar: „Das ist natürlich kompletter Blödsinn.“ Im privaten Haushalt würde immer Feinstaub entstehen, egal ob Kerzen auf dem Adventskranz brennen oder der Staubsauger läuft. Das würde immer über dem Grenzwert von 50 Mikogramm liegen. „Das alles aber ist überhaupt nichts im Vergleich zu dem, was ein Raucher inhaliert. Der Zigarettenrauch ist eine Million mal toxischer. Würden wir unsere strengen Grenzwerte anwenden, dann müsste ein Raucher nach wenigen Wochen schon tot sein.“

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