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Mitteldeutschland Flixbus-Unfall auf der A9 bei Leipzig – Neun Insassen noch in Lebensgefahr
Region Mitteldeutschland Flixbus-Unfall auf der A9 bei Leipzig – Neun Insassen noch in Lebensgefahr
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18:34 20.05.2019
Blick am Sonntagabend auf die Unfallstelle südlich der Abfahrt Leipzig-West. Quelle: Jan Woitas/dpa
Leipzig

Nach dem schweren Bus-Unfall am Sonntagabend auf der A9 bei Leipzig ist die Identität der getöteten Insassin weiter ungeklärt. Wie Polizeisprecherin Ulrike Diener gegenüber der LVZ sagte, schweben neun weitere Personen in Lebensgefahr und werden derzeit in Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen behandelt. Unter den Schwerverletzten ist auch der Fahrer des Fernreisebusses der Firma Flixmobility.

63 der insgesamt 74 Businsassen mussten mit leichten Verletzungen behandelt werden. Dazu wurde am Sonntagabend auf der Autobahn ein Zelt und ein Ambulanz-Bus bereitgestellt. „Für alle Rettungskräfte war das eine enorme Herausforderung“, sagte Diener. Mehr als 50 Rettungswagen aus der ganzen Region, acht Rettungsflieger und mehr als 30 Feuerwehren waren am Sonntag und Montagmorgen auf der Autobahn im Einsatz.

Am Sonntagnachmittag ist ein Flixbus auf der A9 bei Leipzig schwer verunglückt. Dabei starb ein Mensch, mehrere weitere wurden schwer verletzt.

Ermittlungen: Busfahrer nicht ansprechbar

Zur Unfallursache gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse. „Es wurden vor Ort zahlreiche Spuren gesichert, die jetzt ausgewertet werden“, sagte Diener. An Spekulationen zur Unfallursache wollte sich die Behördensprecherin nicht beteiligen. „Solange der schwer verletzte Busfahrer nicht ansprechbar ist und vernommen werden kann, ist alles reine Mutmaßung. Jetzt geht erst einmal die Gesundheit vor.“

Zur Vermutung, dass Sekundenschlaf die Ursache für den Unfall sein könnte, verwies ein Flixbus-Sprecher auf die ermittelnden Behörden. An Spekulationen zur Unfallursache werde man sich nicht beteiligen. Das Unternehmen versicherte, dass die Sicherheit der Fahrgäste und Fahrer oberste Priorität habe. „Dies schlägt sich beispielsweise auch in der Gestaltung der Fahrpläne und der damit verbundenen Planung der Lenk- und Ruhezeiten auf den einzelnen Verbindungen nieder. Denn alle Fahrpläne sind selbstverständlich anhand dieser rechtlich geregelten Vorgaben geplant“, heißt es in einer Stellungnahme. Flixbus und Behörden kontrollierten dies regelmäßig bei den Partnern, ob "die Fahrer ausgeruht hinter dem Steuer sitzen". Dabei greife man auf GPS-Tracking zurück.

Flixbus: Zehn Stunden Lenkzeit zulässig

Flixbus arbeitet nach früheren Angaben mit rund 300 zumeist mittelständischen Busbetrieben zusammen. 7000 Fahrer seien mit rund 2000 Fahrzeugen für das Unternehmen in Deutschland und anderen Ländern Europas unterwegs. Damit sei man Marktführer in Europa. Flixbus investiere beispielsweise in die Technologie, die Qualitätssicherung, Fahrertrainings und Marketing, die Partner kümmerten sich ums operative Geschäft – also die Fahrten. Nachts fahre man grundsätzlich mit Doppelbesatzung und wechsle regelmäßig den Fahrer. Generell müsse nach 4,5 Stunden Fahrzeit der Busfahrer eine Pause von 45 Minuten einlegen.

Diese Pause könne auch aufgeteilt werden, allerdings müsse einer 15 minütigen Pause eine von 30 Minuten folgen. „Pro Tag sind zweimal wöchentlich maximal 10 Lenkstunden zulässig, an den anderen Tagen beträgt die Lenkzeit 9 Stunden“, teialt Flixbus weiter mit. Sollte ein Fahrer aufgrund unvorhergesehener Umstände – zum Beispiel Stau - mit seiner Lenkzeit nur noch bis zum nächsten Rasthof kommen, versuche man einen in Ersatzbus oder Ersatzfahrer zu organisieren. Oder regulär vorbeifahrende Busse sammelten die Fahrgäste ein, um sie bis zur nächsten Haltestelle mitzunehmen.

Flixbus weist ferner daraufhin, dass die Flotte mit modernsten Sicherheitssystemen ausgestattet sei und nennt Ausstattungsmerkmale wie Fahrdynamikregelung, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, Aufmerksamkeitsassistent sowie Brems- und Notbremsassistent. Fahrer würden „Optimal auf ihren Einsatz“ vorbereitet.

Fühlen Sie sich sicher im Flixbus? Sechs Reisende, die am Busterminal neben dem Leipziger Hauptbahnhof warten, erzählen, was sie nach der Unfallnachricht denken und ob sie auch in Zukunft ohne Vorbehalte in einen der grünen Busse steigen werden.

Insassen retten sich auf dem Bus

Der Flixbus war am Sonntagabend von Berlin nach München unterwegs und kam gerade vom Zwischenstopp aus Leipzig. Um 17.28 Uhr kam das doppelstöckige Fahrzeug zwischen den Abfahrten Leipzig-West und Bad Dürrenberg in der Nähe des Autobahnparkplatzes Bachfurt von der Fahrbahn ab.

Der Bus fuhr eine Böschung hinauf, kollidierte mit einer Leitplanke, kippte um und blieb auf der Seite liege. Nach bisherigem Kenntnisstand war kein anderes Auto beteiligt. Die Insassen konnten sich zum Teil selbst durch Zerschlagen der Fensterscheiben befreien. Einige mussten allerdings auch von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug gerettet werden. Für eine Frau kam jede Hilfe zu spät. Sie starb an ihren schweren Verletzungen noch an der Unfallstelle. Aufgrund der Bergungsarbeiten musste die Autobahn bis zum Montagmorgen um 5.30 Uhr gesperrt werden.

Andreas Dunte / Matthias Puppe

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