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Mitteldeutschland Preisgeld für Dorf der Jugend fließt in Grimmaer Spitzenfabrik
Region Mitteldeutschland Preisgeld für Dorf der Jugend fließt in Grimmaer Spitzenfabrik
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13:07 13.11.2019
Das Dorf der Jugend ist ein Demokratieprojekt in einer stillgelegten Fabrik bei Grimma. Quelle: Frank Prenzel
Dresden

Das selbstverwaltete Dorf der Jugend in Grimma (Landkreis Leipzig) hat den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis des Sächsischen Förderpreises für Demokratie 2019 erhalten. „Wir sind glücklich, den Hauptpreis erhalten zu haben“, gab Ulrike Läbe am Mittwoch ihrer Freude Ausdruck. Die Vizechefin des Fördervereins für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit, dem Träger des Dorfes der Jugend in der Alten Spitzenfabrik Grimma, nahm mit Sozialarbeiterin Carolyn Reg’n, einem FSJ-ler und zwei Jugendlichen des Dorfes die Ehrung in Dresden entgegen.

„Wir merken, dass das Projekt überregional an Ausstrahlungskraft gewinnt und wir im Dorf der Jugend die richtige Arbeit machen“, so Läbe. Der Preis habe Signalwirkung und könne ein Zeichen gegen die Landflucht von Jugendlichen sein. Das Projekt biete eine Chance, Jugendliche in der ländlichen Region zu halten, so die stellvertretende Vereinsvorsitzende. Er sei aber auch ein Signal für die Wertschätzung der Arbeit der Jugendlichen.

„Wir freuen uns sehr über den Preis, die anderen Nominierten hätten ihn aber auch verdient“, sagte Sozialarbeiterin Carolyn Reg’n. Es sei eine gute Anerkennung für die Arbeit der Jugendlichen und für das Projekt. Mit ihrer pädagogischen Arbeit im Dorf der Jugend stehe sie noch am Anfang.

Vorbildcharakter überzeugt Jury

Die Jury lobte es bei der Verleihung am Dienstag in Dresden laut Mitteilung als „einmaliges Projekt mit Vorbildcharakter“ für kreative, alternative und demokratische Freizeitmöglichkeiten für junge Menschen in der Region. Jugendliche gestalteten dort ihr Umfeld selbst und erlebten, was demokratische Beteiligung bedeute.

Die Auszeichnung stärke all jenen den Rücken, „die entgegen aller Widerstände unsere Demokratie und damit unser Grundgesetz Tag für Tag verteidigen“, teilte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir als Laudator mit. Er mahnte, die liberale Demokratie als Grundlage des friedlichen Zusammenlebens in Deutschland „in Zeiten von immer mehr Hass und Hetze im Internet, auf offener Straße und in unseren Parlamenten“ zu verteidigen.

Anerkennung stärkt Machern in Grimma den Rücken

Im Dorf der Jugend gestalten sich junge Leute ihre Freiräume selbst. Ein Paradebeispiel ist das selbst organisierte Crossover-Musikfestival auf dem Fabrikgelände. „Das Projekt lebt von den Jugendlichen, die ihre eigenen Pläne umsetzen“, so Läbe. Es lebe von der praktischen Arbeit, wobei die sozialpädagogische Begleitung wichtig sei. Seit 1. Juni hat Carolyn Reg’n die 30-Stunden-Stelle inne und damit den Spiritus Rector des Dorfes der Jugend, Tobias Burdukat, abgelöst.

Ob das Jugendamt die Stelle auch im nächsten Jahr finanziert, ist noch nicht entschieden. „Wir haben den Antrag auf Personalkostenförderung gestellt“, erläutert Läbe, der Jugendhilfeausschuss befinde Anfang 2020 darüber. „Es wäre ein krasses Signal, wenn es nicht weiter ginge“, so die Vizechefin, die darauf hinweist, wie wichtig es ist, das Projekt finanziell zu untermauern. „Um kontinuierliche Jugendarbeit zu machen, braucht es langfristige Förderung“, ergänzte Reg’n.

Preisgeld fließt in die Sanierung der Spitzenfabrik

Das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro werde schnell weg sein, weiß Läbe. Vermutlich werde man es nutzen, um bei Förderungen die Eigenmittel aufzubringen. Zudem bauen die Jugendlichen nach wie vor am Veranstaltungsraum in der alten Fabrik, was viel Geld verschlingt. Geplant sind auch weitere Workshops und Zukunftswerkstätten.

Geehrt wurden zudem die Stadt Thalheim für ihr Beteiligungsprojekt „Machen statt Meckern“ und der Uhrenhersteller Nomos in Glashütte, der mit einem öffentlichen Bekenntnis zu Weltoffenheit und Toleranz auf die Erfolge der AfD reagiert hatte und Mitarbeitern gemeinsam mit Partnern Argumentationsworkshops anbietet.

Der Sächsische Förderpreis für Demokratie wird seit 2007 jährlich von der Amadeu Antonio, der Freudenberg, der Sebastian Cobler, der Cellex und der Dirk Oelbermann Stiftung vergeben.

Von Frank Prenzel/dpa

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